„Bridge of Spies – Der Unterhändler“ – Kalter #Krieg und #Patriotismus

In dem morgen startenden neuen Kino-Film von Steven Spielberg, „Bridge of Spies – Der Unterhändler“, rückt turnusgemäß einmal wieder der Ost-West-Konflikt der Nachkriegsjahre auf die Agenda. Das erhielt über die Jahre verschiedenste aktualisierte Bedeutungen. Für die Gegenwart muss es nichts Gutes verheißen. Denn die Politik der Isolation gegenüber Russland ist auf einem neuen Höhepunkt angelangt. Und währenddessen bringt Spielberg als ein major event eine Wiederaufführung der düsteren Sowjet-Ära auf die Leinwand. Die Ritualistik solcher Agenten-Plotten kommt einen in diesem Gewand recht antiquiert an. V. a. fragt man sich, was hier nach starken Agenten-Filmen zur Ära (etwa „The Kremlin Letter“, 1970, oder „The Spy Who Came in from the Cold“, 1965) noch ästhetisch und erzählerisch gewonnen werden kann.

Der Trailer ist fast monoton und dabei schnell und unruhig geschnitten. Schwarz-Aufblenden wirken nicht immer motiviert, sondern kleistern den pastelligen Bilderreigen aneinander.

Ein Behind the Scenes auf „YouTube“ lässt uns noch ein paar Szenen mehr erahnen. Interessant, dass eine solche Zusatz-Produktion der Macher einem eine Art verfremdeten Blick auf die Konstruktion des Films liefert: Aus anderen Kamera-Perspektiven, mit Crew und Aufnahmetechnik im Bild geraten die ausschnittweise gezeigten Szenen wie entrückt und formelhaft: dynamische Bewegung in der bevölkerten Straßenszene, dramatische Liebesbeziehungen unter äußerer Bedrohung, wütender Mob von kostümierten Komparsen.

In ein Interview mit Moderatorin Gayle King feiern Spielberg und Hanks einmal mehr ihre lange Freundschaft durch Nachbarschaft ab. Die eingestreuten Ausschnitte heben noch einmal besonders hervor, wie Hanks seiner Klischee-Rolle als typischer Amerikaner gerecht werden darf, indem er Verfassungstreue als die Grundlage von Nationalstaat verkünden darf und auf die Durchsetzung der Rechte des Individuums pocht („Every person matters“).

Vor dem Hintergrund der Rechtlosigkeit geheimdienstlicher Arbeit der US-Dienste CIA und NSA ist dies eine wahrhaft unzeitgemäße Darstellung jener idealisierten USA, die es vermutlich nie gegeben hat – am ehesten aber noch in einem Kino, das Steven Spielberg so zu lieben scheint. Das Ganze hat dann erklärtermaßen auf „wahren Begebenheiten“ zu basieren und wurde von Joel und Ethan Coen zum Drehbuch veredelt.

Morgen folgt hier noch der Hinweis auf ein physiognomisches Double von AfD-Politiker Bernd Höcke im Spielberg-Trailer.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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