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„Homeland“ – ein neues Paradies für Leichtgläubige

Es ist eine bemerkenswerte Verknüpfung von Interessen und Vorlieben, die seit einigen Jahren hierzulande auf neue Weise TV-Serien zum Hype werden lässt: 1) Die US-amerikanische Medienindustrie setzt, wie seit Jahrzehnten, ihre Produkte großflächig ab. Politisch-ideologisch folgen die Inhalte der vorherrschenden Agenda. 2) Nachdem vorige Generationen von Bildungsbürgern US-Serien gegenüber eher skeptisch waren, sind die Jüngeren (z. T. schon berufstätig Medienschaffenden) a) an Serien gewöhnt und b) über gewisse ideologische Skrupel hinweg, allerlei Spielarten der US-Hegemonie als Beiwerk von ‚Unterhaltung‘ zu dulden oder gefallen sich in ironischer Distanz, die schmerzlos Verachtung und Genießen vereint. 3) werden Serien heute auf einem höheren bildästhetischen Niveau produziert. Die Inhalte dünnen zwar entsprechend der notwendigen Produktionsweise im Gegensatz zu aufwändigeren Spielfilmen nahezu zwangsläufig aus, aber zumal bei gesunkenem Urteilsvermögen haben Zuschauer das Gefühl, einen ‚hochwertigen‘ Hollywood-Film zu sehen, und zwar dies wöchentlich oder gleich aus der DVD-Box.

Dem schwachen Urteilsvermögen arbeitet die Werbung brachial zu. Den deutschen Start der Serie „Homeland“ (USA 2011) versieht „Sat1“ im Seitentitel gleich mit dem Prädikat „Die beste Serie der Welt“. Nachdem eine Wochenzeitung wie „Die Zeit“ in den Nachkriegsjahren zur intellektuellen Autorität aufgebaut wurde, kann man dort nun auch ungehemmt die Verblödung vorantreiben. Im aktuellen Beitrag zu „Homeland“ (03.02.2013) verwenden Matthias Kalle und Elisabeth Raether im Anlauftext gleich dieselbe PR-Sprache wie der ausstrahlende TV-Sender selbst: „Wir liefern 22 Hinweise, warum es sich bei ihr um die derzeit beste Serie der Welt handeln könnte.“

Ich nehme diesem Lakaientum der TV-Eigenwerbung sowie US-Außenpolitik hier möglichst nicht weitere Arbeit ab, indem ich auch noch einmal eine Inhaltswiedergabe zum Neugierigmachen abliefere. Es reicht aus, zu bemerken, dass „Homeland“ eine Post-9/11-Filmerzählung ist, in der der Elitesoldat Nicholas Brody (Damian Lewis) aus der Gefangenschaft bei islamistischen Terroristen in die USA zurückkehrt und in den Verdacht gerät, von seinen Entführern zu deren Agent umgedreht worden zu sein. Der Fall wird in einer weiteren Hauptrolle von der „oft unkonventionell operierenden CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes)“ (Wikipedia) bearbeitet.

Hinter dem Wort „unkonventionell“ verbirgt sich gerne das, was ich oben mit der Überwindung ideologischer Skrupel und Genießen bei gleichzeitiger Verachtung meinte. Im Klartext geht es darum, dass eine mit vielerlei kriminellen Methoden operierende CIA – von einem Millionenpublikum relativ klaglos akzeptiert – als einzelne hübsche TV-Darstellerin auftritt. Statt beim Thema zu bleiben und beispielsweise die Verwicklung der US-Behörden in den weltweiten Handel mit harten Drogen oder ihren rabiaten Einsatz von Geheim- und Foltergefängnissen ins Bewusstsein zu heben, bleibt es hier zum einen bei der fortgesetzten Hysterie eines angeblichen „Kriegs gegen den Terror“ zum Wohle der westlichen Menschheit. Zum anderen wird die Identifikationsfigur Carrie auch noch mit einer Tablettenabhängigkeit ausgestattet, die in nicht-muslimisch geprägten Kulturen leider mittlerweile zu den größeren Drogenproblemen gehört (woran Konzerne, ihre Reagenzglas-Schwenker, Werbeindustrie etc. parallel dazu fleißig weiterverdienen). Solche Inhalte haben mit der Lebensrealität ihres Publikums (als Projektionsfläche) meist mehr zu tun als mit den politisch-historischen Situationen, von denen sie vorgeben zu erzählen.

Die 9/11-truther-Szene und die Aufklärer in Sachen Geheimdienste und Terrorismus muss die Plotte von „Homeland“ sprachlos machen: Seit Jahren schwillt im Netz die Menge von Alternativ-Informationen zu den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 an. Dabei ergibt sich für den Normalverbraucher sicher das Problem der Unübersichtlichkeit. (Im Wiki „Kino Okkult“ ist zumindest einiges vorsortiert und auch inhaltlich verdichtet.) Für TV-Zuschauer der alten Schule bleiben im Wesentlichen Wiederholungen seit 2001 bekannter Fragwürdigkeiten und Halbwahrheiten, für die der ZDF-Journalist Elmar Theveßen („Nine Eleven – Der Tag, der die Welt veränderte“) 2012 dann noch einmal den „Deutschen Fernsehpreis“ erhielt.

In „Homeland“ setzt man sich, ebensowenig wie etablierte Journalisten, nicht mit dem Wust von Bildern und Informationen auseinander, mit denen ein reales Ereignis wie 9/11 konfrontiert. Nein, die Betrachtung und Deutung von ‚verdächtigen‘ Bildschirm-Ereignissen schrumpft hier grotesk auf das Wähnen über Handbewegungen der männlichen Hauptfigur zusammen, mit denen ein Geheimcode an die versteckten Feinde übermittelt werden könnte:

Screenshot: Showtime Networks            

Während Sat1-Zuschauer also auf die Hände eines Schauspielers starren und dabei auf einer unglaublich heißen Spur sein sollen, betrachtet die Netz-Community ein wenig komplexere Implikationen in Bild und Ton (nicht zuletzt in englischer Sprache, die für viele deutsche Zuschauer immer noch ein Hindernis zu sein scheint). Ich gebe hier einmal abschließend zwei Beispiele zur alternativen – leider wenig erbaulichen – Abendgestaltung.

Ein Video von Anthony Lawson, „9/11: The Unidentified Murder Weapons“, fasst zunächst Argumente zur Behandlung des Themas durch Politik und Medien zusammen und wartet in der zweiten Hälfte mit einigen zentralen Einwänden gegen die offizielle Version auf:
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Zu den in der Direktheit der Aussagen verstörendsten Dokumenten gehört ein Abschnitt am Ende des 6. (ab 8:34 Min.) bis zum 8. Teil von „Undeniable Proof a Plane did NOT Hit the Pentagon on 9-11“ des „Citizen Investigation Team“, in dem ein Augenzeuge des angeblichen Flugzeug-Einschlags im Pentagon, vermeintlich off the record, eingesteht, in dieser Frage zu lügen. Der Taxifahrer Lloyde England, Ehemann einer FBI-Mitarbeiterin, zieht sich, nachdem er Widersprüche seiner Zeugenaussage nicht aufklären konnte, im heimlich gefilmten Nachgespräch auf die Aussage zurück: „This is too big for me, man, this is a big thing. […] This is for other people. People who have money and all this kind of stuff. […] It was planned.“
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Dieser Umgang mit dem Zeugen Lloyde England wird im debunking the debunkers als „Kreuzigung“ eines gutwilligen und in Wirklichkeit unschuldigen zufällig Beteiligten dargestellt („Was the scene with Lloyd England’s taxi staged?“). Doch mit Englands hier zitierten Aussagen am Rande passt dies nicht in Gänze zusammen: Dass England sich falsch erinnert haben soll, ändert nichts an seiner Einsicht: „It was planned.“

Wer die für den ersten Band von „Kino Okkult“ zentrale These der Präsenz von Vorzeichen der Terroranschläge im Hollywood-Kino noch nicht ausreichend wahrgenommen hat, kann sich etwa hier eine beeindruckende Reihe der immergleichen Uhrzeiten aus den Ziffern 9 und 11 anschauen:
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Diese visuelle und erzählerische Technik führt in einzelnen Filmbeispielen freilich noch sehr, sehr viel weiter …

Hinweis: Obwohl vom deutschen Zitatrecht – und erst recht vom US-amerikanischen fair use – gedeckt, wurde eine vorige Version des hier zuletzt eingebetteten Videos „911 Hidden in Hollywood“ (Teil 25) am Tag nach der Veröffentlichung auf dieser Seite bei „YouTube“ wg. angeblichen Urheberrechtsverletzungen gelöscht. Sollte die hier dafür eingesetzte Version ebenfalls verschwinden, lohnt es sich, mit dem Titel der Video-Reihe und der Zahl 25 danach zu suchen. Bis Demokratiefeinde begreifen, dass man nicht nur Bücher zitieren und fotokopieren darf …

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