Morbide Kapriolen – Link-Hinweise 2

Die fortschreitende Lexikografisierung der Filmhistorie bringt auch die dichte Ballung morbider Themen auf der Leinwand zu Tage. Ein spezialisiertes Projekt zu diesem Thema ist „cinemorgue.com“, wo eine recht große Zahl von Schauspielern nach Namen verzeichnet sind – sowie mit Szenen, in denen sie als Filmfigur ableben.

Bemerkenswert ist bei der Durchsicht, dass die allermeisten der gelisteten Schauspieler nicht zur A-Prominenz zählen. Und während Marilyn Monroe keinen Eintrag besitzt, ist ein Robert Mitchum recht ausführlich vertreten. Auch das Rollenfach hat selbstredend einen Einfluss auf die fiktive Lebenserwartung.

In der Links-Rubrik verweist „cinemorgue.com“ noch auf eine andere Seite, „moviedeaths.com“, die mehr Ordnungskriterien verwendet (Schauspieler, die am häufigsten gemordet haben oder gestorben sind etc.), aber mit derzeit 930 Einträgen noch ausbaufähig ist. Die Rangliste der Filme mit den meisten Toten führt deshalb ausgerechnet „Monty Python and the Holy Grail“ (GB 1975) mit gerade einmal 10 Opfern an.

Da hat bei RTL2 das Abendprogramm des 28.12.2010 schon mehr zu bieten. Um 22.05 h und in einer nächtlichen Wiederholung wird „Rambo 2“ (USA 1985) gegeben. Zu der beschaulichen Filmreihe um den Muskelmanen Sylvester Stallone hat der Politikwissenschaftler John Mueller (Ohio State University) eine Statistik verfertigt, die in Gänze hier abzurufen ist. In der Auflistung der Toten ergibt sich folgendes Diagramm:

Die Aussage, dass, je mehr Fortsetzungen eines Films wie „Rambo“ gedreht werden, die Zahl der Todesopfer innerhalb der Filmhandlung umso höher liegt, ist also – als Minimalkonsens für Filmwissenschaftler und andere gefährdete Tierarten sowie im Gegensatz zu sonstigen Schwierigkeiten der Interpretation – bewiesen.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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