The Claypool Lennon Delirium – Blood And Rockets: Movement I, Saga Of Jack Parsons

Niemals zu spät, um auf dieses Musikvideo aus dem Februar diesen Jahres hinzuweisen. Es gehört zu dem zweiten Album der Formation “The Claypool Lennon Delirium”, “South of Reality”, und trägt den Titel “Blood And Rockets: Movement I, Saga Of Jack Parsons”.

Für jeden Beatles-Hörer ist es schon interessant zu hören, wie sich jemand mit einem derartigen Übervater musikalisch produziert. Bei einer gewissen Familienähnlichkeit in Harmonien kann man hier durchaus aufhorchen. Im Wechselspiel mit dem gut 10 Jahre älteren Les Claypool am Bass hat das eine konzeptuelle Dichte, die man nicht so oft antrifft.

In diesem Video hier bedient sich Sean Lennon aber inhaltlich in einem Fundus, der fundamental für die Hochzeit der Rockmusik um 1970 ist, die sein Vater John repräsentierte. Aus Biografien wissen wir, dass das Interesse des Vaters wie auch der Mutter Yoko Ono an Okkultem stark ausgeprägt war. Ständig wurden Horoskope und Tarot-Karten befragt. – In John Lennons Songs drang dies nie so sehr an die Oberfläche, einmal abgesehen von Aleister Crowley auf dem Cover von “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” (1967) und etwa den notorischen 666-Symboliken in Fotos von den Beatles. Gleichwohl teilte er diesen Hintergrund mit einer Vielzahl von Musikerkollegen, bevor betont negative satanistische Symboliken im Heavy Metal zum Standard-Repertoire wurden.

John „Jack“ Whiteside Parsons
(1914-1952)

Songtext und Video widmen sich Jack Parsons, der in diesem Reigen wiederum eine Sonderstellung einnimmt. Er schlägt als Anhänger von Aleister Crowley die Brücke zu Naturwissenschaft und Technik (kulturhistorisch keine Besonderheit bei Isaac Newton u. v. a.). (Parsons’ Satanisten-Kollegen L. Ron Hubbard gelang es schließlich ja, seine kruden Science-Fiction-Stories als “Scientology”-Religion zu verkaufen, was eine Fülle eher tragikomischer Promi-Episoden in der Industrie nach sich zog.)

Bei Claypool/Lennon sehen wir aber durchaus eine neue historische Stufe erreicht. Das lyrische Ich des Songtextes ist ein allwissender Erzähler, der, entprechend der Collage-Technik des Videos, das Geschehen wie in einem Puppentheater zu beobachten scheint und zu dem Schluss kommt:

You better be careful boys
You’ll set the world on fire

Es hat also die poetische Perspektive eines Sean Lennon schon eine historisierende Ebene erreicht, während es in deutschsprachiger Literatur zur Rock- und Popmusik … wieviele Arbeiten gibt zu Okkultismus und Okkultsymbolik u. a. Crowleyscher Prägung? (Noch im Internet macht das Blog “Zombiewood Productions” eine seltene deutschsprachige Ausnahme.) – Wer etwas dazu weiß oder gar selbst geschrieben hat, kann es ja gern kommentieren. Für Leser und Zuschauer ist da bisher nicht viel zu finden, während es im englischsprachigen Netz und auf YouTube wimmelt vor Anschauungsmaterial.

Mal sehen, wann die ersten System-Vertreter damit auf den Plan treten und so tun, als hätten sie darüber nicht Jahrzehnte geschwiegen. Das wird bestimmt lustig.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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