Spacewalk mit Reparatur im Weltall – #ISS

Zu diesem Video will ich nur sehr allgemeine Worte machen – es könnten auf dieser Ebene immer dieselben sein. Am 25.01.2020 mussten, wie uns berichtet wird, die Astronauten der International Space Station (ISS) heraus aus dem Apparat.

Was relativ neu ist, ist die Bildauflösung, die uns seit ein paar Jahren das, was aus so weiter Ferne übertragen soll, in einer Art Hyperrealismus präsentiert. Ich will an dieser Stelle nicht neuerlich in Diskussionen über ‘Fälschung oder nicht’ einsteigen – man kann ja selbst erneut hereinschauen und sich einen Eindruck verschaffen. Vollkommen gewiss werden wir uns anhand dieser Film-Produktionen niemals sein.

Neben der Bildauflösung ist es die helle Ausleuchtung, die die Räume flächig wirken lässt. Über acht Stunden zeichnen also Kameras dieses Geschehen auf. Die Faszination besteht vielleicht – dies sei hier der Punkt, für den ich keine andere Referenz kenne – in einer einzigartigen Gegensätzlichkeit von totaler Ereignisarmut und allerhöchster Anspannung.

Der Reiz, hier zuzusehen, ist kaum je eine vordergründige Semantik, manchmal wird es nur noch Bildersalat, wenn eine Bodycam die Übersicht verliert. Alles geht langsam vor sich, weil Vorsicht geboten ist. Und wir können als Laien kaum einschätzen, was genau getan werden muss und warum und ob das wirklich realistisch ist für jenen “Weltraum”.

Aber das, was nicht materieller Anteil des Sichtbaren ist, umfasst all dies gewissermaßen als immaterielle Klammer: dieses medial vermittelte Bewusstsein, den ganz wenigen menschlichen Wesen virtuell beizuwohnen, die in dieser lebensgefährlichen Entfernung von ihrem angestammten Territorium herumuhrmachern. Kleinere Fehler könnten fatale Folgen haben. Letzteres ist dann ein sehr simpler Suspense-Mechanismus, der hier von den überzüchteten Spielfilm-Inszenierungen noch übrig ist.

Ein weiterer formaler Aspekt ist der sehr ruhige Wechsel der unterschiedlichen Szenerien, auch der Funkzentrale auf dem Erdboden, in der die Menschen sich in einer größeren räumlichen Totale fast verlieren. Eine Assoziation dieser Bilder ist, dass die Menschen hier nur untergeordnete Handlungskompetenz haben; das meiste läuft automatisch, ist Aufgabe der raumgreifenden technischen Installation. Irritierend vielleicht, dass diese Räume im kleineren Bildausschnitt so aussehen wie alle anderen Bildschirm-Arbeitsplätze. Einige Ansichten haben andere geringere Bildauflösungen und Störeffekte.

Was wohl die Gender-Theoretiker von der Rollenverteilung denken, in der die beiden Astronautinnen drinnen bleiben und die in ihren Raumanzügen gefangenen Männer auf den Spacewalk vorbereiten? [Nachtrag: Den ersten komplett weiblichen Einsatz im All soll es letzten Oktober gegeben haben.]

Ich entlasse an dieser Stelle wieder alle, die es bis hierher geschafft haben, in ihren eigenen Raumfilm.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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