#KenFM-Ehrung: #Linke, Linke & Anti-Zionisten

Als erster Freiluft-Termin für filmdenken-Berichterstattung bot sich am 14.12.2017 eine Demonstration für Presse- und Meinungsfreiheit an, die Ken Jebsen alias KenFM auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin anberaumt hatte. Anschließend wurde ihm im Kino Babylon nebenan der Karlspreis der „Neuen Rheinischen Zeitung“ verliehen – dies jedoch sowohl in Abwesenheit des Preisträgers wie auch des Laudators Mathias Bröckers.

Mein Video fängt ein paar Impressionen von der Kundgebung ein. Prägend war hierbei eine Gegendemo am anderen Ende des Platzes, die Jebsen in die Nähe rechtsgerichteter Ideologien rücken will. Das ist mir schon vor dem Hintergrund nicht einleuchtend, dass Kooperationen etwa mit Jürgen Elsässer vom „Compact“-Magazin, auf den in einer von mir dokumentierten Rede angespielt wird, lange zurückliegen. Ansonsten ist das Profil von KenFM, denke ich, eindeutig links und internationalistisch positioniert.

Auf der inhaltlichen Ebene ist das Abwehrgefecht gegen Ken Jebsen vollkommen lächerlich. In seinen Video-Formaten treffen sich neben publizistischen Außenseitern auch Renegaten aus dem gebührenfinanzierten Journalismus. Fühlung ins Parteien-System hat er zu dem anti-globalistischen CDU-Mann Willy Wimmer oder zum Linken-Vertreter Dieter Dehm.

Von Letzterem als früherem Rock-Pop-Texter war übrigens gegen Ende der Veranstaltung aus der Ecke der Gegen-Demonstranten sehr laut der Klaus-Lage-Klassiker „1000 und 1 Nacht“ zu hören – wohl im Versuch, rein akustisch zu stören. Wie ich im Video andeute, sehe ich diese filmischen Bruchstücke des Ereignisses auch als Dokument verhärteter Fronten, von Nicht-Kommunikation.

Man kann hier nicht sehr optimistisch sein, auch wenn eine Demonstration kein Seminar ist. Doch gibt es zwischen solchen Gruppen überhaupt den Austausch von Argumenten, v. a. dabei die Bereitschaft, in Sachfragen klarer zu sehen?

Schon in dem, was ich aufgezeichnet habe, ist im Übrigen (und dies auf beiden linken Seiten) eine bestimmte Denke ablesbar, die ihrerseits Kriterien von Populismus durchaus erfüllt. Neben der NATO wird von einem anti-imperialistischen früheren NVA- und Bundeswehr-Offizier, Jürgen Heiducoff, auf dem KenFM-Podium ja in Bausch und Bogen auch die laufende Flüchtlingspolitik noch einem Paradigma des Kolonialismus zugeordnet.

Dies entspricht gewissen Mankos, die ich ebenso in Äußerungen von Ken Jebsen, soweit mir bekannt, sehe: Die von ihm bespielte Öffentlichkeit sorgt sich nach meinem Eindruck weniger um verfallendes soziales Leben in Deutschland (Ausnahmen im KenFM-Programm vielleicht dies oder dies, wobei sich dann für mich noch viele Fragen anschließen), Bildungs- und Integrationsprobleme, berechtigte Sorgen um den Fortbestand durchaus wertvoller kultureller Gepflogenheiten gegenüber fundamentalistischer Ödnis und Unproduktivität, auch nicht so sehr um das Gewaltpotenzial der islamischen Welt, von dem gar nicht klar ist, ob wir es überhaupt physisch überleben werden. Ein Teil jener Zerstörung, die Jebsen und die Linken allein der NATO anlasten, wird nun einmal brav von selbsternannten Gotteskriegern auf Amphetaminen exekutiert. Man darf noch fragen, wer ihnen jene Waffen liefert, die sie, wie auch diese Drogen, nicht selbst herstellen. Die Wege des Geldes dafür sind verschlungen, und – da hat Jebsen vollkommen recht – von Claus Kleber werden wir dies nicht erfahren.

Der Blick wird von KenFM sehr stark auf die internationale Politik des transatlantischen Bündnisses gelenkt. Ich persönlich erinnere jedenfalls nicht deutlich irgendeine Äußerung von KenFM über die Militanz des Islamismus oder über besinnungslose Nachwuchsproduktion in Armutsregionen, die ihrerseits kriegerische Konflikte hervorbringt. Was NATO bedeutet, wird man für sich genommen wohl noch einmal besprechen müssen.

Zum Irrwitz des Medien-Mainstreams gehört es wohl, KenFM reflexhaft in eine „rechte“ Ecke zu stellen, während das für den transatlantisch geprägten Mainstream doch wohl eigentlich Ärgerliche an ihm seine linken, anti-globalistischen Positionen sind. Die Rechts-Etikettierung geht ja wesentlich auf eine missverständliche Äußerung von 2011 zurück (hier die damalige Darstellung von Henryk M. Broder). Dabei ist dies im Kern doch die These von Norman Finkelstein über „Die Holocaust-Industrie“ (2000), zu Jebsens Nachteil schriftsprachlich unzulänglich ausgedrückt.

Ob der Satz …

ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat.

… bedeutet, dass der Holocaust nicht stattgefunden habe oder dass das, was als solcher bezeichnet wird, propagandistisch benutzt wurde, ist nur missverständlich, wenn man den Satz isoliert zitiert. (Broder verwendete ihn als Überschrift, was der Klärung nicht gerade dient, denn der größere Teil des Publikums liest wenn, dann nur die Überschrift und erzählt dies dann nicht selten ungeprüft weiter, was Herr Broder weiß.) Es geht in Jebsens Mail ja weiter mit den unmissverständlichen Aussagen:

ich war in israel und habe mit holocaust opfern gesprochen. sie selber finden es widerwärtig was in ihrem namen passiert.

Das waren nun noch ein paar eher angedeutete Einschätzungen und Einwände meinerseits – sie können umfassend nur besprochen werden in einer politischen Arbeit, die derzeit wohl kaum stattfindet – Blockaden, Filterblasen, Missverständnisse und Parolen allüberall.

Ich bitte auch um Verständnis, dass man hier nicht jüdischen Positionen von Evelyn Hecht-Galinski und Gilad Atzmon unbedenklich zustimmen kann – als nicht-jüdischer Deutscher. Meine eigene Version von Entstehung und Eigenarten des Hitler-Regimes behandelt teils noch andere Ambivalenzen als die hier angesprochenen. Neben noch komplizierteren Erklärungs-Optionen war die von den Nazis umgesetzte Entrechtung, Deportation und Ermordung von Juden nach meinem Verständnis eine Art Versuchung, eine Falle, in die ein über Jahre mit massenmedialer Hardcore-Propaganda bearbeitetes Volk hineingetappt ist, wo Judenverfolgung denn im Reichsgebiet überhaupt so deutlich sichtbar wurde. Die Beteiligung der einfachen deutschen Bevölkerung daran muss nach meiner Ansicht noch einmal besprochen werden. Die Ausgrenzung von Juden vollzog sich zunächst schleichend, nicht zuletzt in ‚gehobenen‘ sozialen Bereichen – und die heutigen linken Gutmenschen machen mir leider nicht den Eindruck, als hätten sie aus der Geschichte gelernt, was ideologische Manipulation, Verdrängung und Totschweigen politisch unliebsamer realer Fehlentwicklungen sind. Sie treten auf beiden Seiten des politischen Spektrums auf. Und heute dürften es quantitativ gesehen eher die Linken sein, für die nicht sein kann, was nicht sein darf, oder?

Das historische Resultat ist einstweilen, dass nach der Geschichte, wie sie verlief, eine Zuflucht für Juden gesucht werden musste – und eine Staatsgründung dafür fast unausweichlich war. Die politischen Konflikte, die hieraus resultieren und die auch auf dieser Kundgebung einen nicht unwesentlichen Anteil ausmachten, zeichnen sich nicht zuletzt durch ihre tendenzielle praktische Unlösbarkeit aus. Wir werden sehen, ob es am gegebenen Ort aus der Spirale der Gewalt überhaupt noch einmal Auswege geben kann. Eine Besonnenheit und Sorgfalt in der Argumentation, die hierfür eine der Grundvoraussetzungen wäre, ist auch im Deutschland des Jahres 2017 kaum erkennbar.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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