Von Gaucks und Maschmeyern

Zu Weihnachten ereilte uns eine neue Sonntagsrede des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Zeit also, dessen Rhetorik einmal mit etwas Klartext zu beantworten. Zwar redet der ehemalige Pastor in fast jeder Ansprache auch von der „sozialen Schere“, doch im Wesentlichen verharmlost sein salbungsvoller Ton alle wesentlichen Probleme der Zeit.
Dass Gauck nicht ganz von dieser Welt ist, zeigt besonders deutlich eine Konfrontation mit dem Unternehmer Carsten Maschmeyer, der mit den fragwürdigen Geschäftsmethoden seines „Finanzdienstleisters“ AWD zu einem der reichsten Deutschen wurde. Während Gauck fleißig an der Suggestion einer moralisch integren Politik und Gesellschaft arbeitet, sind von Maschmeyer

  1. frühe Entgleisungen als ausbeuterischer Einpeitscher seiner massenhaft rekrutierten Außendienstler überliefert.
  2. zeigt das Pressearchiv, wie systematisch Maschmeyer unter den Spitzenleuten von SPD und CDU wie Gerhard Schröder und Christian Wulff seine Fürsprecher rekrutierte – nicht zuletzt, indem er sie mit großzügigen, direkten und indirekten Spenden versorgte.
  3. bleibt es spannend, ob Maschmeyers riskante und oft verlustreiche Ratschläge für Geldanlagen ihm weiterreichende juristische Nachteile erbringen werden. Tausende von Klagen sind in Deutschland und Österreich gegen ihn anhängig. Den ersten Prozess gegen AWD in Köln überstand Maschmeyer, der sich auf sein schlechtes Gedächtnis beruft, bisher glimpflich.

In jedem Fall kann Maschmeyer als Symbolfigur eines rücksichtslosen Unternehmertums gelten, das Kunden an der Grenze zur Illegalität um ihren Wohlstand brachte und noch bringt. Dass sich Maschmeyer gut erkennbar mit Spitzenpolitikern anzufreunden weiß, legt auch ein beredtes Zeugnis über Denk- und Verhaltensweisen sog. „Volksvertreter“ ab – Joachim Gauck eingeschlossen.
Am Fall Maschmeyer lässt sich auch ersehen, wie effektiv schlecht unsere Systemmedien berichten, wenn es um die Gschpusis ihrer Chefredakteure geht: Zwar wird in dem einen oder anderen Polit-Magazin eine Figur wie Maschmeyer anvisiert, doch nach einzelnen Skandalwellen gerät sie schnell wieder aus dem Blick. Wer das Google-Keyword-Tool verwendet, findet gerade einmal monatliche 14.800 Suchanfragen weltweit für „Carsten Maschmeyer“ – der mit ca. 900 Mio. Euro Vermögen taxiert wird. Wenn eine solche Angabe von Google verlässlich ist, bedeutet sie ein nahezu vollkommenes Desinteresse der Deutschen an einer Person, die gerade mit der Privatisierung des Rentensystems einen zentralen Mechanismus ihres Sozialstaats um- bzw. abbaut.
Maschmeyer veräußerte AWD zum rechten Zeitpunkt an den Schweizer Lebensversicherer „Swiss Life“, der die Firma zuletzt umbenannte und einen starken Gewinneinbruch zu verzeichnen hatte. Mittlerweile firmiert der AWD-Gründer bekanntermaßen mit dem früheren Schröder-Berater Bernd Rürup als „MaschmeyerRürup AG“. Nicht unerwähnt blieb auch in Hauptnachrichten, dass das Pflegezeit-Gesetz der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wenig Anklang fand; es sei „gerade einmal in rund 200 Fällen in Anspruch genommen worden.“ Der zitierte Artikel aus „derwesten.de“ (29.12.2012) nach einer DAPD-Meldung erwähnt immerhin, dass zu den Ratgebern für diese bisher erfolglose Maßnahme im schwierigen Gewässer der überalternden Gesellschaft eben die MaschmeyerRürup AG gehörte, die im Vorfeld für 56.000 Euro eine Studie erstellte. Man wird also weiterhin beobachten dürfen, wie tragfähig Maschmeyers Ideen mittel- bis langfristig sind – und wer dabei aus welchen Gründen und auf wessen Kosten die Gewinne einfährt.

Mehr zu den Hintergründen der Rolle von Carsten Maschmeyer in der Öffentlichkeit auch in GesichterWissen – Thema: Finanzkrise.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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