Alles für die Ganovenehre

Das DVD-Cover zu Wolfgang Staudtes „Ganovenehre“ (D 1966) verwendet zwei Routinen der Gesichter-Rhetorik:

DVD-Cover: Studiocanal

Da sind Helen Vita und Karin Baal als Figuren nebeneinander gestellt. Ihre Gesichter sind schemaähnlich, wobei dasjenige Vitas etwas länglicher ist. Staucht man ihr Bild in der Höhe, kommt sie der Baal noch näher. (Zur damaligen Zeit hat man das bei der Besetzungsplanung vielleicht veranschaulicht, indem man ein Foto aus einem spitzen Winkel ansah. Heute ist dies eine einfach zu bedienende Funktion im Bildbearbeitungsprogramm, „Skalieren“.) Währenddessen zeigt Ilse Pagé mit einer Zigarette auf Curt Bois’ Antlitz, der im Profil zu sehen ist. Kombiniert werden also Gegenüberstellung und Zeigegeste.

Der Film zeigt die Berliner Rotlicht-Szene in boulevardesker Weise. Das kommt nicht so dicht daher wie in anderen Arbeiten Staudtes. Im äußerst trivialen Tag- und Nachbetrieb des Bordells sind die peinlichen Situationen, Bäumchen-wechsel-dich-Spiele, ramdösigen Streitereien und das überkandidelte Chargieren der Selbstparodie (des Genres) schon mehr als nah.

Der historische Werberatschlag der „Atlas Film“ auf der DVD verspricht „[e]ine Geschichte aus ‚gewissen Kreisen‘“ und „eine Schauspielerelite, die sich sehen lassen kann“, ja, einen „Film, der notwendigerweise ein Erfolg werden muß“.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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