Becker, Buback und die Folgen

Es flimmerte in den letzten 20 Monate unkommentiert über die Bildschirme: das erneute Gerichtsverfahren gegen Verena Becker, die ehemalige Terroristin der „Roten Armee Fraktion“ (RAF). Unkommentiert insofern, als im Falle Beckers das Spiel der Ähnlichkeit besonders ins Auge fällt: Das Mordopfer der RAF, Generalbundesanwalt Siegfried Buback, um dessen Ermordung im Jahr 1977 es in dem neuerlichen Prozess ging, entspricht Beckers eigenem Schema.

Verena Becker und Siegfried Buback

Bildquellen: BKA / Presse- und Informationsamt der Bundesregierung / Lothar Schaack

Der reine Augenschein lässt also an Zufall nicht glauben: Nicht nur soll eine Linksterroristin der 1970er Jahre einem jener am stärksten bedrohten Männer der Bundesrepublik schicksalhaft geähnelt haben. Sie leistete auch, so urteilte das Gericht heute, Beihilfe bei der Ermordung ausgerechnet dieser Person. Zu den Beweisen gehören DNA-Spuren Beckers auf dem Bekennerschreiben.

In Beckers Fall muss man keine Verschwörungstheorien herbeizitieren, um auf die Doppelbödigkeit der Affäre hinzuweisen. Es ist mittlerweile bekannt, dass Becker mit dem Verfassungsschutz kooperierte. Der Buchautor Wolfgang Kraushaar diskutiert gar, ob dies schon in den 70er Jahren der Fall war.

Das Phänomen der physiognomischen Spiegelung setzt sich bis in die Gegenwart fort: Beckers Anwalt Hans Wolfgang Euler hat ebenfalls ein rundliches Gesicht mit kräftigen Kieferknochen, wie hier in einer „heute“-Nachrichtensendung vom 03.02.2011 zu sehen.

Verena Becker und Anwalt Hans Wolfgang Euler

Screenshot: ZDF

Euler ist die eine Hälfte von Beckers Anwaltsduo. Sein Partner ist Walter Venedey (Mitglied einer Rechtsanwaltskanzlei, für die auch der Politiker Gregor Gysi arbeitet).

Venedey ist in diesem Kontext ebenfalls auffällig: Seine hohe Kopfform und die Proportionen seines Schemas (abgesehen von einer etwas kleineren Nase) rufen im historischen Arsenal Reinhard Heydrich in Erinnerung, u. a. Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) der Nationalsozialisten und 1942 Leiter der Wannsee-Konferenz.

Reinhard Heydrich und Anwalt Walter Venedey

Bildquellen: DHM / pvkgl.de

Als Stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren hatte Heydrich einen Mitarbeiter: den jungen Hanns Martin Schleyer, der ein halbes Jahr nach Buback ebenfalls 1977 von der RAF ermordet worden sein soll. Schleyers Tätigkeit für Heydrich war für den Linksterrorismus bekanntlich ein historisches Argument, ihn zu entführen und zu töten. Auch über Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit dem tödlichen Attentat auf Heydrich 1942 in Prag wurde gemunkelt, was Schleyer-Biograf Lutz Hachmeister als „Wandersage“ bezeichnet.

So schließt sich ein weiterer Kreis: Ähnlichkeit von Täter und Opfer (Becker/Buback), Täter und Anwalt (Becker/Euler) sowie von RAF-Anwalt und Nazi-Boss des RAF-Opfers in einem anderen Fall (Venedey/Heydrich) ergeben in der öffentlichen Wahrnehmung ein dichtes Gespinst aus sich wiederholender politischer Gewalt und Akteuren auf beiden Seiten des staatlichen Gesetzes.

Die Interventionsmöglichkeiten bei der Auswahl von Personen liegen freilich eindeutig bei traditionsreichen staatlichen Organisationen und Geheimdiensten. Nicht Verena Becker dürfte aus dem Kreis der ihr verhassten Menschen ein ihr äußerlich ähnliches Opfer gewählt haben (wenn sie dies damals überhaupt realisierte). Wesentlich wahrscheinlicher wäre, dass bei einer Inszenierung terroristischer Aktivitäten (die bis zu einem bestimmten Grad Realität wurden) unter Linksradikalen von V-Leuten ‚geeignete‘ Personen gecastet wurden. Aufnahme in infiltrierte Personenkreise und ideologische Radikalisierung hätten in diesem Fall zu einer erwünschten inszenierten Wirklichkeit geführt.

Auffällig ist, dass die im Fokus der Öffentlichkeit stehenden RAF-Mitglieder wie Becker oder Christian Klar, der an den Komplotten gegen Buback und Schleyer beteiligt war, nicht als Mörder entlarvt wurden. Aussagen anderer Terroristen deuten auf Stefan Wisniewski als Buback-Mörder hin, doch Beckers Aussagen hierzu hält der Verfassungsschutz unter Verschluss.

Wenig kommentiert scheint mir die Tatsache, dass Becker bei ihrer Verhaftung am 03.05.1977 die Tatwaffe des Buback-Attentats bei sich trug. Soll also ein solch brisantes Beweismittel zu einem geplanten Mord fast einen Monat von den Terroristen aufbewahrt worden sein, um damit ertappt zu werden?

Wer Leichen gesehen hat, wird sich der Morde gewiss sein. Auch die Gefängnisstrafen wurden offensichtlich von Beteiligten verbüßt oder werden noch verbüßt werden müssen. Nur die Gesetzmäßigkeiten, nach denen sich Personen an diesen Ereignissen beteiligten, wirken auf dieser Ebene nicht als historischer Zufall.

RAF-Experte Stefan Aust, von der „tagesschau“ zum aktuellen Fall befragt, wird mit folgenden Worten zitiert:

Natürlich würde man sich wünschen, dass zum Beispiel Brigitte Mohnhaupt, die eine zentrale Figur war, mal auspackt und sagt, was wirklich gewesen ist.

Die Erwähnung eines Namens, in dem das „Haupt“ vorkommt, ist in diesem Zusammenhang also zumindest plausibel. Dass wir in solchen Verfahren und journalistischen Berichten erfahren, „was wirklich gewesen ist“, dürfen wir jedoch eher nicht erwarten.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

Eine Antwort

  1. Weil mich selbst das Gesicht von Verena Becker an dasjenige von Rudolf Heß erinnerte

    http://studgenpol.blogspot.de/2011/02/verena-becker-okkultglaubig-wie-rudolf.html

    möchte ich die Gelegenheit dieses Blogbeitrages doch einmal benutzen, um nach der “Methodik” dieses Gesichtsvergleiches zu fragen, die ja eine größere Rolle hier auf dem Blog spielt.

    Mir ist nicht klar, warum es solche “Korrespondenzen”, Ähnlichkeiten wie die von Dir genannten geben sollte. Gibt es Anhaltspunkte, daß okkulte-ideologische Gedanken darüber gibt?

    Sollten solche Gesichtsvergleiche nicht zunächst einmal von Physischen Anthropologen vorgenommen werden und auf ihre Gültigkeit verifiziert werden? Dort wird das ja durchaus erforscht. Mir kommen die hier auf dem Blog behandelten “Ähnlichkeiten”, die ja offenbar letztlich genetische, angeborene sein sollen (?) zum Teil recht willkürlich vor. Und womöglich geht das nicht nur mir so.

    Venedey und Heydrich – warum gerade diese Korrespondenz? Irgendwem ähnelt ja jeder irgendwie. Und bei unterschiedlicher Beleuchtung und unterschiedlicher Kopfwendung wieder anders.

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