Mohammed Merah und andere Auserwählte

Historische wie tagesaktuelle Attentate sollten immer mit einer gewissen Vorsicht genossen werden, was ihre Vereinzelung und eindeutige Motivation betrifft. Über die Psychologie und individuelle Entwicklung von politisch und religiös motivierten Mördern oder Amokläufern muss man ebenso nachdenken wie über mögliche Steuerung von außen. Die besseren journalistischen Beobachter lassen sich diesbezüglich auch nicht auf Manipulationstechniken derjenigen ein, denen sie eigentlich keinerlei Rechenschaft schuldig sind: politischen und geheimdienstlichen Kreisen.

So sollte es auch im neuesten spektakulären Fall von Mohammed Merah sein, der in den südfranzösischen Städten Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet haben soll, bevor er aufgespürt wurde, sich in seiner Wohnung verschanzte und selbst von Polizisten erschossen wurde.

Das Zauberwort für die Lösung des Kriminalfalls lautet Polizei und Massenmedien zufolge „Al Qaida“. Islamistischer Terror bedrohe die innere Sicherheit eines europäischen Landes – nach Beispielen wie in Deutschland der Kofferbomber von 2006. (Ich saß in dem Regionalexpress Richtung Hamm/Westfalen, der eine halbe Stunde später fuhr.)

Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 scheinen mittlerweile viele zu langweilen. (Mein Beitrag in Buchform zu Filmgeschichte und Okkultismus in dieser Hinsicht umfasst knapp 500 Seiten – und das ist längst nicht alles.) Auch in diesem Kontext wird von kritischen Beobachtern bezweifelt, dass das sog. „Terrornetzwerk“ Al Qaida eine vollkommen selbstständige Schöpfung islamistischer Terroristen ist.

Fragen wir uns also auch nach Entlarvung und Tod Mohammed Merahs am 22.03.2012, was es mit dieser Person auf sich hat. Halten wir zunächst fest, dass sich die 9/11-Konstellation wiederholt: Geheimdienste (hier nun der französische) beobachten längere Zeit Terrorverdächtige, lassen sie dann aber wieder unbehelligt, woraufhin der grausame und öffentlichkeitswirksame Terrorakt geschieht.

Wir haben schon an den 9/11-Tätern gezeigt, welche physiognomischen Codierungen es in einer geheimdienstlichen Planung gegeben haben dürfte: islamistische Terroristen als Verkörperungen von Teufel und Comic-Bösewichten, eine Kombination aus christlicher Tradition und US-amerikanischer Popkultur. Die selbsternannten Märtyrer waren schon ihre eigene Karikatur.

Diese – hier auch an den Protagonisten der Finanzkrise beschriebene – Ironie scheint sich beim Attentäter von Toulouse zu wiederholen. Entsprechend dem Spielort der Tragödie ist es nun die französische Filmgeschichte, der das Vorbild des Mörders entlehnt ist: Es handelt sich um die Figur des „Krank“ aus „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (F/D/E 1995), gespielt von Daniel Emilfork:

Mohammed Merah und Daniel Emilfork

Screenshots: fantastique-arts.com / augsburger-allgemeine.de

Krank versucht, Kindern die Träume zu stehlen, um damit seinen eigenen rapiden Alterungsprozess zu verhindern. Seine Handlanger werden von der Inhaltsangabe als „kultischer Orden“ beschrieben – wir sind sofort schon wieder im okkult-konspirationistischen Bereich.

Krank taugt natürlich auch perfekt als Allegorie für die westlichen Industrienationen: durch Überalterung auf dem Weg ins biologische Aussterben. Demgegenüber expandiert die Bevölkerung der islamisch geprägten Welt – so sieht es nicht nur der als rechtslastig angesehene Deutsche Thilo Sarrazin, sondern auch der Austro-Türke Inan Türkmen.

Sieht man also Mohammed Mareh als Double von Emilfork/Krank, fallen in ihm gewalttätig entarteter Islam und eine düstere Karikatur derjenigen Kultur zusammen, die der radikale Islamismus auszulöschen trachtet: das demografisch marode Europa.

Dass die schlussendlich Ausführenden von Terrorplänen aus einer infiltrierten Organisation namens Al Qaida heraus physiognomisch gezielt ausgewählt und manipuliert werden, legt übrigens auch die erwähnte Personalie von Youssef Mohamad al-Hajdib nahe, der 2006 eine Kofferbombe in einen Nahverkehrszug verbrachte:

Kofferbomber Youssef Mohamad al-Hajdib und Wolfgang Schäuble

Screenshots: msnbc.msn.com / Bundesbildstelle Bonn

Diese Gegenüberstellung macht die Erläuterung fast überflüssig: Ein selbst bereits einem Attentat zum Opfer gefallener zeitweiliger Innen- und aktueller Finanziminister, Wolfgang Schäuble, ist das Pendant zu al-Hajdib, der in Deutschland für einen kurzen Schreckmoment sorgte und die Gefahr jenes Terrors greifbar machte, gegen den Politiker wie Schäuble dann auf ihre Weise vorgingen und vorgehen.

Update 11.04.2011: „Mohamed Merah: Heiligsprechung des Terroristen in einer Moschee in Algerien“ („Fakten Fiktionen 2.0“)

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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