Zur Quoten-Wahrheit über Harald Schmidt

In der letzten Woche erreichte uns die Nachricht, dass die „Harald Schmidt Show“ auf dem Bezahlsender „Sky“ nurmehr 5000 Zuschauer erreicht – und dies bei 3 Mio. zahlenden Kunden, die Zugriff auf dieses Angebot haben.

Wir halten dies hier einmal fest als Dokument – nicht nur dafür, dass Publikumslieblinge in der Gunst ihrer Zuschauer rapide fallen können. Es kann auch ein Anzeichen dafür sein, wie sich Zuschauerpräferenzen in einem kostenpflichtigen Umfeld entwickeln. Oder es kann die Frage aufgeworfen werden, wie sonst die berühmten ‚Einschaltquoten‘ erhoben werden.

Es war sicherlich keine kluge Entscheidung Schmidts, aus dem Öffentlich-Rechtlichen zu weichen, dessen Zuschauer eher zu seiner Klientel gehören. Dass ‚Schmidt zu Sat1 geht‘, wirkte schon wie die Wiederholung eines TV-Programms, das vor Jahren einmal aktuell war. Dass Schmidt nach schlechten Quoten auf Sat1 zum Bezahlsender Sky wechselte, erreichte so manchen wohl nicht einmal mehr als Nachricht.

Dass der Profi Schmidt oder die ihn beratenden Funktionäre derlei nicht vorausgesehen haben sollen, nimmt den Beobachter wunder. Spätestens jetzt sollte deutlich sein: Eine solche Sendung ‚lebt‘ möglicherweise auch von einer Atmosphäre der Öffentlichkeit, des Teilens der Inhalte im anschließenden Gespräch, der gemeinsamen Erinnerung an gute Pointen. Für andere Inhalte von Bezahlsendern gelten offensichtlich andere Kriterien.

Insgesamt zeigt das Ereignis aber vor allem: Zuschauergunst ist nicht nur aus sich selbst heraus volatil. Interessen und Neigungen sind auch in hohem Maße äußerlich bestimmt. Wer wann was wie lange sieht, wird nicht nur von ‚qualitätvollen‘ Inhalten bestimmt, sondern etwa auch vom Herdeneffekt, der sich in einem exklusiven Bezahl-Club nicht einstellen will. Und dieser Herdeneffekt wird von einer Reihe anderer Faktoren mitbestimmt.

Sicher gehört zur Ermüdung von Schmidts Format die Tatsache, dass er für einen zynischen Typ des nicht nur witzigen, sondern auch geldgeilen Medienlieblings der 1990er Jahre steht, dessen bekennend antisoziale und selbstsüchtige Einstellung mit Problemen der Gegenwart stark kontrastiert – auch wenn ein FDP-Restpublikum, mit dem Schmidt in früheren Zeiten gerne ironisch kokettierte, immer noch an die Segnungen eines angeblichen Marktliberalismus glauben mag.

Zur Häme sollte anderen Branchenangehörigen dies nicht unbedingt Anlass geben. Eine Menge von dem, was produziert und gesendet wird, wäre seiner ökonomischen Grundlage schnell beraubt, wenn es einzeln abgerechnet würde – und nicht über Werbegelder aus der allgemeinen Wirtschaft oder die öffentlich-rechtlichen Fleischtöpfe finanziert würde. Meist wird der Zuschauer erst gar nicht gefragt, ob er das, was er ansieht, weil es gezeigt wird, wirklich sehen will.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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