Daniel Hermsdorf:
Kino Okkult

Eine geheime Weltgeschichte im Zeitalter des Films 2 –
Geheimgesellschaften

filmdenken Verlag, ca. 400 Seiten, Broschur
ca. 16,90 €
(in Vorbereitung)
ISBN: 978-3-9813921-2-8

Pressemitteilung und Cover in hoher Auflösung
Das Wiki zum Buch

Der zweite Band von „Kino Okkult“ zum Thema „Geheimgesellschaften“ zeigt, wie stark verschwörungstheoretisches Denken und Geheimbündelei in den Phantasmen der Leinwand seit über 100 Jahren präsent sind. Eine Frage, die sich dabei heute stellt: Ist „geheim“ noch geheim in der Wissensgesellschaft?
Geheimbünde und -gesellschaften gehören zu den ältesten kulturellen Phänomenen. Von den Initiationsriten bei Naturvölkern über die Ritter der Tafelrunde bis zu Freimaurer-Logen der Neuzeit reicht die Spannbreite dieser sozialen Form. Gemeinschaften mit internen Regeln und Schweigegelübden können sich überall bilden. Demgegenüber steht neuerdings die weltweite Öffentlichkeit des Datennetzes. Und es gibt immer mehr politische Initiativen, die „Transparenz“ einfordern.

Diskussionsforen und Video-Plattformen im Internet erweitern derzeit stetig den Aktionsradius des konspiratologischen Diskurses. Hauptthemen sind: die Terroranschläge vom 11. September 2001, die Weltverschwörung der „Illuminaten“, Freimaurer und Satanisten.
Ganz wesentlich wurden in den vergangenen Jahrzehnten die Vorstellungen von verschwörerischen Zirkeln in Kino und Fernsehen vorgeprägt. Bevor private Websites und YouTube-Videos jene Gerüchte verbreiteten, die zuvor nur in vorwiegend obskuren Büchern kursierten, waren Geheimgesellschaften hauptsächlich ein Faszinosum auf Leinwand und Bildschirm.
Der Modus operandi der Heimlichtuerei ist im filmischen Medium am stärksten mit Geschichten über Nachrichtendienste und Agenten vertreten. Die geheimen Dienste sind in diesen Fabeln mit ihrer Konkurrenz oder mit anderen Organisationen konfrontiert, die ihnen auf der anderen Seite des Gesetzes in manchem vergleichbar sind: den Mafias, dem politischen Untergrund und den Terroristen.
Legale und illegale Geheimbünde greifen dabei auf Verhaltenskodexe und Mythen zurück, die z. B. im Mittelalter durch ritterliche Gemeinschaften geprägt wurden – eine Gruppe von Männern, die untereinander unbedingt loyal ist, sich nach außen kämpferisch bewähren muss und mit geheimen Erkennungszeichen arbeitet. Bei den Rittern der Tafelrunde werden dabei magische Gegenstände gebraucht oder gesucht – wie das Schwert Excalibur und der Heilige Gral.
Die Symbole der Freimaurer und anderer esoterischer Gruppierungen gehören seit Beginn der Filmgeschichte zum Spielmaterial von visuellen Inszenierungen – auch wenn erst in den jüngeren Jahren gehäuft auf Verschwörungstheorien zur Freimaurerei Bezug genommen wird – in Romanen von Dan Brown und deren Verfilmung, in „Das Geheimnis der Tempelritter“ oder den neuesten Versionen von „Sherlock Holmes“. Auf subtile Weise hat sich der französische Regisseur Jacques Rivette seit Jahrzehnten mit solchen Vorstellungswelten und Symboliken auseinandergesetzt. Und mit Lars von Triers TV-Serie „Geister“ scheint eine wesentlich verstärkte filmische Beschäftigung mit dem Logenwesen eingesetzt zu haben. Hybride Kulte und obskure Vereinigungen sind etwa in Serien wie „MillenniuM“ oder „Smallville“ Legion. Und an einer Sekte wie Scientology können zahlreiche Verbindungen von Narration, Psychotechnik und Medienindustrie aufgezeigt werden.
„Kino Okkult 2 – Geheimgesellschaften“ arbeitet umfassend die Themen dieser filmerzählerischen Tradition auf. Wie andere Publikationen des filmdenken Verlags widmet sich die Argumentation dabei akribisch den Finessen der Inszenierung und erläutert an Bildbeispielen das, was in diesem Fall das Kino ausmacht: ein Spiel mit bestimmten Motiven, Objekten und rätselhaften Zeichen.
Die von Daniel Hermsdorf besprochenen Beispiele zeigen, dass aus der Medienindustrie heraus das geheimgesellschaftliche Prinzip als eine wesentliche soziale Struktur kommuniziert wird. Dass in einem Publikum, dem permanent solche Geschichten erzählt werden, der Verdacht wächst, sie handelten von realen Verhältnissen, kann nach Lektüre dieses Buches nicht mehr verwundern. Die Verschwörungstheorie lautet: Die (Medien-)Elite stellt sich und ihre Verbündeten als Verschwörer dar. Die Meta-Verschwörungstheorie besagt: Filmgeschichte ist auch eine Geschichte der Verschwörungsfabeln. Damit ist „Kino Okkult 2“ ein Beitrag zu der Frage, wie eine zunehmend paranoide Gegenwart entstand und worin ein Denken der Verschwörung auf populärkultureller Basis besteht.