Über Ingo Badings Kommentar meiner “Fragen zur völkischen Identität”

Ich kopiere hier einen Kommentar ein, den ich gerade bei YouTube zu Ingo Badings Video “Daniel Hermsdorfs Fragen zur völkischen Identität” gegeben habe. (Er bezieht sich wiederum direkt auf den vorigen Blog-Eintrag hier.)

Neben anderen Anworten, die ich noch geben werde, erstmal dies: Ingo, Du scheinst einen wesentlichen Punkt an meinen Hinweisen fortgesetzt nicht zu verstehen. Das gehört offensichtlich zu Deiner Aversion gegen etwas, was Du u.a. unter dem Begriff der “Medienwissenschaft” ansprichst. Politisches Denken und Handeln verhält sich zu seiner Umwelt und ignoriert sie nicht einfach. (“Zumeist bezieht sich der Begriff nicht auf das Private, sondern auf die Öffentlichkeit und das Gemeinwesen im Ganzen.” https://de.wikipedia.org/wiki/Politik)

Was Du u.a. nicht verstehst, ist scheinbar, dass Dir jemand in Erinnerung ruft, dass der Hinweis auf einen Text in Frakturschrift heutzutage noch weniger bewirkt als irgendetwas anderes, worin ein Begriff wie “Rasse” vorkommt oder was im Mainstream pauschal als “rechts” diffamiert ist – mit welchem Recht oder Unrecht auch immer. Dir geht jeder notwendige Pragmatismus ab im Hinblick darauf, etwas für Dich Wertvolles nach handwerklichen Kriterien gut gemacht in einer Öffentlichkeit präsent zu machen. Es ist dann Deine Aufgabe – ignorierst Du sie, erreichst Du halt nichts. Du bist dann kein politisch Handelnder, sondern ein Privatier mit privaten Vorlieben – erwarte dann bitte nichts von einer Umwelt, um die Du Dich erklärtermaßen nicht kümmern willst in der Art, wie sie nunmal ist – nicht, wie Du sie Dir an jedem Tag neu herbei- oder wegdenken magst.

Zu Deiner Weltfremdheit gehört, dass Du glaubst, vor ein paar Hundert YouTube-Zuschauern etwas in den Himmel rufen zu können mit irgendeinem Effekt außer dem, dass es verhallt – rein praktisch, denn politische Arbeit zielt immer auf möglichst große Zuhörerschaften. Dazu gehört eine Menge Arbeit, an sich selbst (im Auftreten, in der Vermittlung), an der Form (in der Medienpraxis, in der Formatierung). Immer wieder richtet sich bei Dir Aggression (ich glaube schon, sie hier immer wieder zu spüren statt irgendeiner Besonnenheit und Ruhe, die Not täte) gegen etwas, was Du an erster Stelle in und an Dir selbst wahrnehmen solltest. (Wenn Du willst, dass Leute Ludendorff lesen, dann setze den Text in lateinische Schrift – statt das von irgendjemand anderem zu fordern, der es anschließend nicht macht. Was erwartest Du, hier und anderswo?)

Eine völkische Position, die sich abgrenzt, hat heute schon enorme auch lebenspraktische Probleme, sie wird Letztere immer wieder schon mit ihren eigenen Kindern bekommen, die sich kaum isolieren lassen und vielleicht ganz andere Vorlieben entwickeln. (Dazu gehört ihr Zusammenleben – je nach Wohngegend – mit Mitschülern, die zu 40, 60, 80 Prozent ausländische Wurzeln, ein oder zwei Elternteile haben, die physisch Angst bekommen, wenn sie nur ein deutsches Wort wie “Rasse” hören, das bei Dir zu einer lebenslangen theoretischen Prägung gehört. Das im Umgang zu wissen, fällt heute unabänderlich unter eine Kategorie wie “Empathie”, die eine Grundlage friedlicher Koexistenz ist – sonst entsteht schnell Unfriede in harmloserer oder ernsterer Form.)

Keine erkennbare Reflexion bei Dir nach wie vor darüber, dass wir in einer ausdifferenzierten Gesellschaft leben. Du publizierst gratis auf US-amerikanischen Plattformen, arbeitest mit einem Computer aus tausend Bauteilen, aus Rohstoffen aus aller Welt, organisiert und montiert von internationalen Teams, und suggerierst (ja nur mit Hilfe all dieser Mittel) gleichzeitig Leuten, sie könnten einfach sagen “Ich bin deutsch” und hätten damit alle Fragen schon beantwortet, die sich im Leben stellen.

Außer Deiner Vorliebe für Weihnachten und die bekannteste freimaurerische Oper “Die Zauberflöte” bin ich hier nicht wirklich schlauer geworden, was Du unter “deutsch” verstehst. Was war dies in Deinem positiven Verständnis überhaupt nach 1850, 1900, 1933, 1945? Es gibt unfassbar wertvolle geistige Schätze, die ich zur deutsch(sprachig)en Tradition zähle, sehr kluge Gedanken, willkürlich herausgegriffen um 1900 mal die Völkerkunde eines Wilhelm Wundt oder die Psychologie von C.G. Jung, auch von deutsch-jüdischen Autoren wie Walter Benjamin und Ernst Cassirer (Geistesgrößen, die bei Dir alle nie vorkommen, soweit ich sehe). So könnte man lange weiterreden (das mache ich mit anderen, wo immer sie mir begegnen und geistig wach sind).

Bei Dir immer nur ein Herumhacken auf “Juden” allgemein – Du meinst einen jüdischen Suprematismus, den es gibt und den selbst viele, die schon für solche Aspekte sensibilisiert sind, selbst da nicht erkennen, wo er allzu offensichtlich ist. In Deiner Aufarbeitung solcher Problematiken habe ich vieles davon auch noch nicht gesehen. Wenn Du darauf abstellen willst, wäre auch das notwendig. Ich mache das in allerlei Hinsichten, wenn es zu meinen notwendigerweise selbst begrenzten Projekten gehört – auch solchen Hinsichten, die Du schnell wieder zurückweist, weil Du viele kulturelle Kontexte nicht kennst, die dafür zum Verständnis notwendig sind. Man muss es Dir so hart sagen – es gehört zu einem Wettbewerb, den Du selbst forcierst und von dem Du kaum zu ahnen scheinst, mit welchen Bandagen dort gekämpft wird. Deine Beschwörung des “Deutschen” wird es nicht richten – sie wird anderen das Feld überlassen, die es mit einer Geschicktheit und Macht bestellen, die nicht zum ersten Mal bei Bedarf auch verbrannte Erde hinterlassen, wenn sie es für notwendig erachten. Bedenke das bitte. Es geht uns alle existenziell an, und was Du hier zeigst, enthält für mich wenig Konstruktives und Differenziertes. (Man könnte auch Argumente, die ich hier erneut auffahre, in der Sache beantworten, statt herumzuwüten und in der Tendenz schon zu beleidigen, ohne jedwede Begründung in der Sache das Gegenüber herabzuwürdigen, um sich anschließend ggf. grundlos überlegen zu fühlen – so wirkt das jedenfalls immer wieder.)

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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2 Responses

  1. Ingo Bading sagt:

    Komisch, Deine Kommentare dort finde ich gar nicht mehr. Aber hier noch mal meine neuesten Ausführungen, die ich auf Facebook gerade geschrieben habe. Und damit Frohes Neues Jahr!

    Du sagtest dort, daß “das Beharren auf biologischer Abstammung am Ende noch Gutwillige und Engagierte verschreckt und demotiviert. Wo das passiert, bist Du der Anti-Deutsche, der Zerstörer”.

    Ich nicht recht, wo und wie Du wahrnimmst, daß ich auf biologischer Abstammung in zerstörerischer Weise “beharre”. Ich bin mir dessen jedenfalls nicht bewußt.

    Und ich weiß nicht, ob Du nicht gar zu sehr in Selbstverständlichkeiten sozusagen “fest steckst”, ohne es zu merken. Nimmst Du nicht die unzähligen “völkischen” Videokanäle wahr, die inzwischen ihren Quoten-Afrikaner, ihren Quoten-Muslim usw. haben? Warum meinst Du, daß ich nicht dazu fähig wäre, auf meinem Videokanal oder meinem Blog, einem Quoten-Nichtdeutschen das Feld einzuräumen, wenn er Vernünftiges zu sagen hat? In meinem neuesten Video preise ich 45 Minuten lang Robert Plomin, einen Nichtdeutschen.

    Keine Ahnung deshalb, wovon Du redest und was Du mir – oder anderen – an “Abgrenzung” unterstellst. KEINE Ahnung. Das ist mir völlig unerfindlich.

    Du scheinst überhaupt keine Vorstellung davon zu haben, daß man Identität ja GERADE im Austausch mit “dem anderen” formuliert und weiter entwickelt. Das wurde sogar von dem deutschen Philosophen Eduard Baumgarten in der Hochzeit des Nationalsozialismus 1939 formuliert, daß man als Deutscher das Jüdische als lebendige Kraft BRAUCHE, weil sich erst in dieser Auseinandersetzung mit ihm die eigene Identität forme. Mit diesem Grundgedanken wollte er die philosophischen Grundlagen des Nationalsozialismus ausformulieren (in einer Arbeitsgruppe mit Konrad Lorenz und Bruno Liebrucks unter der Ägide von Alfred Rosenberg und Alfred Baeumler) (wie ich breit darstellte auf meinem Blog “Studiengruppe Naturalismus”).

    Also noch einmal: KEINE Ahnung, wovon Du redest und was Dein Problem ist. Ich glaube, Du bist selbst in der Nichtwahrnehmung von Selbstverständlichkeiten blockiert, von Selbstverständlichkeiten, die im Grunde allen klar sind (oder sein können) außer (scheinbar) Dir selbst.

    Spätestens seit Robert Putnam’s “Bowling Alone” beispielsweise WISSEN wir auch, daß Ethnien gerne unter sich wohnen und leben und daß sie dann auch größere Hilfsbereitschaft untereinander entwickeln, und daß im Gegensatz dazu in multikulturellen Gesellschaften jeder “allein kegeln” geht, weil das Bedürfnis, mit anderen zusammen zu sein, dann – ganz unterbewußt – zurück geht.

    Ich muß also auch gar nicht irgendeine von Dir postulierte “Abgrenzung” predigen, eine solche Entmischung findet tendenziell EH weltweit und seit Jahrtausenden statt.

    Deutsche Menschen, die in überwiegend muslimischen Wohnbezirken leben, haben meist nicht so viel Lust, dort weiter zu leben, die einen verlieren die Lust früher, die anderen später, aber diese Tendenz ist gut erforscht. Ich habe sie auch an mir selbst beobachtet und kann mich über diese Neigung immer und immer wieder mit überzeugten, auch parteilich gebundenen Sozialdemokraten und Grünen austauschen. Welche Probleme DU allerdings hast, weiß ich nicht. Wirklich nicht. Aber so etwas kommt vor. Sei also unbesorgt.

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