Mein geheimes Double des Jan #Böhmermann

In diesen Tagen rollt die mindestens zweite Welle, mit der Massenmedien den Comedian Jan Böhmermann endgültig zum Star etablieren wollen. Er soll offensichtlich zur humoristischen Leitfigur dieser Generation gemacht werden. Böhmermann hat in einer Satire den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan beleidigt. Zuvor einmal war Grund eines Medien-Hypes um Böhmermann ja ein pseudo-dokumentarisches Fake zum griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, wofür man ihm heute den Grimme-Preis verleiht.

Ich will hier aber nicht ausführlicher über Jan Böhmermann schreiben. Denn ein Grund, warum ich die Personalie Böhmermann gar nicht so wahnsinnig witzig finde, ist ein ganz persönlicher und privater. Wenn ich ihn anschaue, denke ich immer an meinen Freund M. Und dessen Lebensgeschichte ist leider wohl repräsentativ für Dinge, die in vergangenen Jahrzehnten schon häufig im sozialen Leben falsch gelaufen sind – und nun noch millionenfach nahezu zwangsläufig erneut falsch laufen müssen. Mit solchen gesellschaftlichen Erfahrungen umzugehen, ist Humorismus leider kein probates Mittel mehr. Und leider wird man solche Aufgaben, die sich unaufhaltsam stellen, trotz Sonntagsreden wohl oft auch gar nicht erst angehen. Comedy und anderes mediales Beiwerk überspielen leider recht oft einen Ernst der Lage, der anderes erfordert als die Blödelei und den Illusionismus.

Anfang der 1980er kam mein Freund M. mit seinen Eltern aus Polen. Die Lehrerin in der zweiten Grundschulklasse setzte den Neuankömmling neben mich, einen guten Schüler, der den noch etwas radebrechenden Zuwanderer ein wenig mitbetreuen sollte. Damals alles kein Problem.

M. fiel als erstes dadurch auf, dass ihm ein paar der vorgeschriebenen Arbeitsmittel fehlten. Wir durften nur mit Bleistift und Tintenfüller schreiben. Er besaß hingegen ausschließlich einen Vierfarb-Kuli, der mich natürlich faszinierte. In unserem Übungsbuch schrieben wir schwierige Worte in Wiederholung. M. hatte gleich in meiner Gegenwart die erste verrückte Idee: Er schrieb jedes Wort mit einer anderen der vier Farben. Auch wenn ich mich in der Schule wohl an das erwünschte Schreibwerkzeug hielt – einen solchen Vierfarb-Kuli musste ich natürlich ebenfalls haben.

Bald merkte man unter Kindern nur noch an M.s Namen, dass er aus Polen kam. Er sprach schnell fehlerfrei. Und er war ein intelligentes Kind, das mit relativ geringem Aufwand passable Noten erzielte.

Auf die Verrücktheit mit dem Vierfarb-Kuli folgten über die Jahre vorerst nur Kleinigkeiten, die mir auffallen mussten. M. erzählte uns in der Schule davon, dass er „Die Profis“ sehen durfte, eine britische Krimiserie. Mit ihrem Sendetermin war sie mir bei meinen vorgegebenen Schlafenszeiten unerreichbar. Immer wieder aber fragte er mich – damals noch mit rollendem „R“ –: „Hast du ‚Die Prroffis‘ gesehen?“

Die polnischen Neu-Schüler waren auf unsere und eine benachbarte Grundschule offensichtlich gleichmäßig verteilt worden. In der Freizeit trafen sie allerdings wieder miteinander zusammen, da sie alle mit ihren Familien in einer mehrblöckigen Mietskaserne Unterkunft erhalten hatten.

Die Freizeitaktivitäten von uns Kindern verliefen deshalb teilweise räumlich getrennt, da ich zwei Kilometer entfernt wohnte. Doch sobald wir etwas selbstständiger waren, wurden per Fahrrad Expeditionen unternommen. So hospitierten wir mit einer kleinen Vorhut auch bei Fußballturnieren der Bewohner der Mietskasernen. Als Spieler waren wir jedoch neben den dortigen Homies nicht zugelassen. Eine etwas gefährliche Aura umgab die beteiligten Roma-Jungs. Man hielt sich besser zurück. – Gewalt erlebten wir jedoch buchstäblich nie, zumindest meine näheren Freunde und ich nicht.

Noch eine Episode erinnere ich – und wieder hat sie mit Medien zu tun. Ich besuchte M. eines Nachmittags allein in der elterlichen Mietwohnung. Er hatte verbotene Früchte aufzubieten: Filme mit Chuck Norris, die er abgöttisch verehrte. Mir war der Mann kein Begriff. US-amerikanische Produktionen kamen bei uns selten zur Aufführung, schon gar keine Action-Gülle.

M. verfuhr nun wie ein Video-Jockey der ersten Stunde, indem er mir die seiner Ansicht nach besten Stunt-Szenen von VHS-Cassetten vorspielte. Ich erinnere mich nur noch daran, wie Chuck Norris mit einer Enduro im letzten Moment auf die geöffnete Heckklappe eines startenden Flugzeugs fährt.

Auch die viel späteren notorischen Witzeleien über Chuck Norris waren mir aus demselben Grund immer schnurz bis zuwider. Und eher schädlich war es in solchen Fällen wohl auch, wie wir noch sehen werden.

Zum Medien-Kosmos von M. gehörten zudem Comics jeder Art. Neben den schundigen „Clever & Smart“, zu denen ich keinen Zugang fand, waren es in erster Linie „Lustige Taschenbücher“ der Disney-Produktion. Bei mir hatte es schließlich zu etwa der Hälfte der bis dato erschienenen gut 100 Bände gereicht. M. erhielt von einem Großvater (so meine Erinnerung) allerdings unverhältnismäßig viel Taschengeld. Er entwickelte die irre Angewohnheit, nach dem Erwerb aller erschienenen Lustigen Taschenbüchern diese wieder abzugeben (ich weiß nicht, ob für Geld), um dann dieselben Bücher nochmal neu zu kaufen. Auch für deutsche Ausgaben der Jugend-Satire-Zeitschrift „MAD“ entwickelte er eine Sammeltätigkeit. Ich las sie ebenfalls in frühen Jahren. M. blieb dabei.

Dabei lebte M. nicht in einer verwahrlosten Familie. Die Eltern arbeiteten und gaben Acht auf den Sprößling, so lange und so weit sie das konnten. Vielleicht war es gerade die Arbeitsamkeit der Eltern, die M. wiederum unbemerkte Freiräume eröffnete, die er (wie wohl die meisten Kinder) weidlich nutzte. Und das Umfeld der Mietskasernen war eines, das einen die ungestrafte Regellosigkeit der Anonymität spüren ließ.

Eine gespenstische Szene, die ich daraus noch erinnere, war eine Fahrstuhlfahrt mit M. Er hüpfte wie wild auf und ab, sodass der Lift nachzufedern begann. Ich meine auch, dass M. bei dieser Gelegenheit noch eine Übung des Hyperventilierens vorführte, die einen angeblich irgendwie schwindlig werden ließ – eine Vorstufe zur Flucht aus der Langeweile in Drogen-Experimente.

Ich springe mal in der Zeit, da sich über ein paar Jahre kaum Bedeutendes ereignete. M. begleitete mich noch durch etliche Klassen, auch auf dem Gymnasium. Seine Leistungen wurden nicht gerade besser. Er gehörte zu einer Clique von Rabauken, die permanent störten und Lehrern das Leben schwer machten.

In der zehnten Klasse gab es noch ein für mich als Jugendlichen memorables Erlebnis. Ich war für zwei, drei Jahre in eine Außenseiterposition geraten. Auf einer Italien-Fahrt blieb ich in der Freizeit teilweise allein im Mehrbett-Zimmer zurück und las meine Bücher, während andere die ersten Alkohol-Erfahrungen sammelten. Am Ende der Reise sollten wir den Bus besteigen. Nach dem Frühstück aber fand ich meinen zuvor gepackten Kofferinhalt über das ganze Treppenhaus verteilt. Irgendetwas hatte M. dazu angespornt, ein wenig Chaos zu stiften. Dafür suchte er sich offenkundig einfach einen der Schwächsten in der inoffiziellen Gruppen-Hierarchie aus.

Dann blieb M. einmal sitzen, was unter uns Jugendlichen, auch in seinem Fall, schnell den direkten Draht verlieren ließ. Nun sah man M. mit seinen neuen, ein Jahr jüngeren Kumpanen nur noch über Distanz auf dem Schulhof. Mit 17, 18 Jahren wussten wir auch – wohl schneller als irgendein Lehrer –, dass M. zeitweise schon am Vormittag dem THC-Rausch frönte.

In der Oberstufen-Zeit erfolgte plötzlich von seiner Seite eine erneute Kontaktaufnahme. Er klingelte bei einem meiner Freunde und sagte zu ihm: „Ich werde dein Leben verändern.“ – M. zog nun noch mehrere andere mit ins Gespräch. Er plante die Weltrevolution. Wir sollten unsere Eltern überreden, Kredite aufzunehmen. Harley Davidsons sollten angeschafft werden, Benzinvorräte. Es sollte eine Art „Easy Rider“-Tour durch die USA werden. Wir waren amüsiert, konnten aber keine Zusagen machen.

M. hatte noch mehr in petto. Ihm war ein Vollbart gewuchert, und er entwickelte einen regelrechten Erlöserwahn. Das Universum sei eine riesige Badewanne, verkündete er. Am nächsten Samstag wollte er todsicher die Lottozahlen voraussagen mit einem System, das ihm auf magische Weise eingegeben worden war. Wir versammelten uns in Abwesenheit seiner Eltern in der immer noch bestehenden Mietwohnung in einem riesigen Block aus Waschbeton.

Nachdem sein Lotto-Projekt der erwartbare Totalreinfall geworden war, zog er am selben Abend gleich den nächsten vermeintlichen Trumpf aus dem Ärmel. Sein Erlöser-Status schien ihm dadurch verbrieft, dass er sich als Doppelgänger sah – einer gemalten Figur auf dem Buchcover von Douglas Adamsʼ „Per Anhalter durch die Galaxis“. Er rasierte sich noch während des Abends extra den Vollbart ab, um erneut das Cover neben sein Gesicht zu halten. Doch die Ungläubigen blieben hartnäckig. Der Erlöser war er wohl nicht.

Später erklärte M. diese Phase des Durchdrehens damit, ihm sei ohne seine Einwilligung LSD verabreicht worden. Ich erinnere mich an eine Anekdote zu einem Disco-Besuch, wo dies von Unbekannt geschehen sei. Eine andere Beschuldigung richtete sich gegen einen marokkanischen Freund.

Kurz darauf erreichte M.s schiefe Bahn einen ersten vorläufigen Höhepunkt. Bedröhnt jagte er aus Holland mit seinem Wagen über die Autobahn. Er überfuhr rote Ampeln und hatte bald die Polizei auf den Fersen. In seiner Panik fing er an, Wasserflaschen und einen leeren Kasten aus dem fahrenden Wagen zu schleudern. Dann trat er eine Tür aus der Halterung. – Die Schote brachte ihm einen Bericht in der „Bild“-Zeitung ein.

Man verlor sich abseits der Schule erstmal aus den Augen. Irgendwann entstand wieder ein kursorischer Kontakt zu meinen Freunden und mir. M. versuchte offensichtlich, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Nachdem er die Schule vor dem Abitur abgebrochen hatte, gab man ihm nun die Chance einer Schreiner-Lehre. Aber die Selbstdisziplin reichte nicht aus. M. wurde zum Dauer-Arbeitslosen.

Dann klingelte einmal wieder bei mir das Telefon. M. suchte wohl irgendwie Halt und einen Gesprächspartner, der ihm freundlich begegnete. Er saß in der Psychiatrie, nachdem er ein parkendes Auto demoliert hatte. Er beklagte sich über Ärzte, ihre Medikation und zeitweise Fixierung ans Bett.

Es gab dann zunächst noch zwei, drei Treffen zu zweit und in größerer Runde. M. konnte mit neuen, recht abenteuerlichen Geschichten aufwarten. Er hatte ein Auto geknackt und war damit losgefahren. Darin lag jedoch der Besitzer, der einen Rausch ausschlief. Er legte den Schlafenden irgendwo neben der Straße ab.

Wenn ich es richtig erinnere, war es noch dieselbe Fahrt mit dem gestohlenen Wagen, bei der er von der Polizei verfolgt wurde und schließlich durch die Windschutzscheibe flog. Ich meine mich zu erinnern, dass er noch weiter zu Fuß fliehen konnte und sich erst nachträglich den Behörden stellte. Dass der Mann, den er schlafend aus dessen Auto gezerrt hatte, ein Richter war, dürfte seine Verhandlungsposition nicht gerade gestärkt haben.

Selbst diese Episode schien M. aber noch keine ernsteren Konsequenzen eingebracht zu haben. Wieder dauerte es eine Zeit lang, bis er mich in meiner Bochumer Wohnung aufsuchte. Ich versuchte, ein Gespräch mit ihm zu führen. Er hatte jedoch merklich geistig abgebaut. In den vergangenen Jahren hatte er sich neben reichlich Alkohol und Dauerkiffen auch noch das Rauchen von Kokain angewöhnt. Sein Konzentrationsfaden riss immer schon nach etwa zwei oder drei Sätzen. Er konnte nicht bei der Sache bleiben.

Ich fragte mich für Momente, ob er mir all das nur vorspielte. Da saß M., den ich noch als unschuldigen und lebendigen Jungen vor Augen hatte. Er war blass, aber körperlich keineswegs verfallen, sondern geradezu kräftig. Er wusste nur nicht, wohin mit seiner Lebensenergie.

M. erzählte mir von weiteren Konflikten mit Polizei und Behörden. Er hatte irgendeinen waghalsigen Badespaß in einem Fluss veranstaltet und war mal wieder festgenommen worden. Einen Richter hatte er überzeugen wollen, er könne bekifft entspannter Auto fahren. Eine weitere Gesprächseinheit bezog sich darauf, dass er glaubte, auf MTV werde derzeit eine Reality-Serie über ihn gezeigt (was er aber nicht näher erklären konnte). Ich provozierte ihn etwas und stellte einmal kurz meine Videokamera ein. Er sprach bereitwillig ein paar Takte und ließ auch eine Zeigegeste auf sein Gesicht nicht vermissen – ganz geübter TV-Zuschauer.

Ich trank mit ihm eine Flasche Rotwein. Er rauchte dazu alleine Joints (die ich wirklich nicht teilte, dazu wäre mir schon sein Auftritt zu bitter gewesen). Während des Abends schien er einmal die Aussicht auf meinem winzigen Balkon testen zu wollen. Die mit Metall armierte Brüstung war viel zu niedrig. Ich folgte ihm nach, um sogleich zu sehen, dass M. sich allen Ernstes im vierten Stock eines alten Mietshauses über einer großen Straße auf den schmalen Balkonrand gestellt hatte, mit dem Rücken an die Hauswand gelehnt. Ich bat ihn möglichst ruhig, dort wieder herunterzukommen, was er auch kichernd tat.

In der Folgezeit besuchte ich ihn nochmal im Gegenzug in seiner Dortmunder Wohnung, auch in der bescheidenen Hoffnung, dass etwas persönliche Ansprache und gutes Zureden ihn vielleicht doch nochmal zu Mäßigung, einer sinnvollen Beschäftigung etc. ermutigen könnten. Wenn man es nicht versucht, nutzt es auch nichts. Er war jedoch gleichbleibend verwirrt. Beim Abschluss dieses Treffens machte er sich wieder zu Fuß auf in einen Park, wo er was zum Rauchen ergattern wollte. Auch dort hatte es schon wieder Ärger mit der Polizei gegeben.

Als nächstes ließ M. mich benachrichtigen, dass er wegen wiederholter Vergehen eine mehrmonatige Bewährungsstrafe im Bochumer Gefängnis hatte antreten müssen. Ich ging dort zweimal zu Besuch in Begleitung seiner Eltern. Diese versuchten etwa recht fürsorglich, Ordnung in seine unbezahlten Handy-Rechnungen zu bringen. M. war äußerst erbost über die rabiate Behandlung durch Wärter. Er motzte herum, Adern traten ihm aus der Schläfe.

Seitdem habe ich nichts mehr von M. gehört.

Seine Geschichte ist eine von denen, die mich beim Politiker-Gerede über die wohlmeinende Behandlung sozialer Härten und die Integration Benachteiligter eher mitleidig lächeln lassen. – M. hatte eigentlich ein vergleichweise gutes Umfeld und auch persönliche Voraussetzungen, die ihm ein erfolgreiches und angenehmes Leben ermöglicht hätten. Stattdessen begann er eine unaufhaltsame Selbstzerstörung, überging jeden guten Rat und hielt zahlreiche Amtspersonen in Polizei, Gerichtsbarkeit und Psychiatrie auf Trab. Die Möglichkeit, hierauf günstig einzuwirken, muss ich im Nachhinein auf nahezu Null einschätzen.

Auch mein Nachdenken über Massenmedien und Trivialkultur haben solche – und nicht nur diese – Erfahrungen beeinflusst. Die erwähnten Erfahrungswelten von Comics und, sehr bald, äußerst trivialem Action-Kino hatten offensichtlich zu einer Derealisierung M.s beigetragen. Unter erheblichen Einfluss diverser Drogen gebracht, war sein Urteilsvermögen durch mangelndes Lernen und Reflektieren so weit eingeschränkt, dass er zeitweise ganz in diesen künstlichen Welten zu leben schien. Was er mit rasenden Autos veranstaltete, glich wohl nicht zufällig den US-Filmen, die er als Kind geliebt hatte. Er hoffte ganz offensichtlich immer wieder, aus seinem Leben ein solches Abenteuer zu machen.

Jan Böhmermanns Deutschrap-Parodie-Video „Pol1z1stensohn – Ich hab Polizei“ fand ich selbst gut gemacht und witzig. Doch vielleicht kann man sich nach diesen paar Zeilen Sozialrealität vorstellen, dass mir nicht nur zum Lachen ist, wenn ich darüber nachdenke, was den Fans solcher Musik im sozialen Abseits bevorsteht – und damit allen, denen sie begegnen.

Auch wurde mir an solchen – und nicht nur diesen – Erfahrungen bewusst, dass eine solche Realität in dokumentarfilmischer Form gar nicht berichtet werden kann. Man müsste ja frühzeitig ansetzen und könnte dann auch nicht nur zusehen, wie das Unheil seinen Lauf nimmt. Für eine erzählerische Form, die heutigen Markt-Kriterien entspricht, ist eine solche Geschichte ebenfalls eher ungeeignet. Nun gut, etwas Love Interest (wie Medienmacher das nennen) habe ich hier mal diskret unerwähnt gelassen. Eine spätere amouröse Episode endete laut M.s Bericht mit einer von ihm eingetretenen Wohnungstür. – Die Reparatur einer solchen habe ich auch einmal einer furchtbar abgestürzten Freundin finanziert. Am nächsten Tag hatte ihr Lebensgefährte sie schon wieder demoliert. Er konnte sich das erlauben. Auf amtliche Schreiben reagierte er einfach nie.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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2 Responses

  1. Peter Hallonen sagt:

    Bei diesem Böhmermann-Double wird allerdings aus dem Bericht nicht unmittelbar klar, dass sein persönliches Scheitern auf seinen polnischen Migrationshintegrund zurückgeht.

    Was unsere zukünftigen Herausforderungen mit millionenfacher Integration angeht, könnte man – allerdings nur wenn sich die weiteren Ereignisse in Sachen Terror, religiös motivierten Ausschreitungen usw. nicht überschlagen sollten – vielleicht langsam anfangen, die vorerst abebbende Massenmigration des zurückliegenden Jahres speziell nach Deutschland zu “historisieren”. Manches spricht dafür, dass Deutschland trotz seiner durch rassistisch motivierte Verbrechen belasteten Vergangenheit, die die Durchsetzung nationaler Interessen erschwert, unter den westlichen Industriestaaten gar keine Sonderrolle in Sachen Migration einnimmt. Es wird zu Recht beklagt, dass Nationalstolz hierzulande einen schwereren Stand hat als in unseren wichtigsten Nachbarländern. Aber inwiefern hat ihnen dieser Nationalstolz weitergeholfen dabei, die mit Migration gerade aus muslimischen Ländern verbundenen Probleme zu bewältigen oder gar nicht erst entstehen zu lassen? Wie sich unabhängig von den jüngsten Terrorereignissen an Berichten z.B. eines Magazins einer deutschen Volkspartei über Frankreich zeigt (https://www.bayernkurier.de/ausland/12282-100-molenbeeks-in-frankreich), sind dort die Probleme noch fortgeschrittener und vielleicht sogar unumkehrbarer als in Deutschland, das bei sofortiger politischer Kehrtwende vielleicht noch die Möglichkeit hätte, sich durch Ausweisung und Abschiebung eines Teils der Probleme zu entledigen. In Belgien sollen mehr islamistische Gefährder wohnen als in ganz Deutschland, die als Königreich sicher nicht gerade national unbewussten Niederlande haben auch ein umfassendes Integrationsproblemen mit Muslimen ebenso wie spätestens in jüngerer Zeit das Königreich Schweden, das in Sachen politischer Korrektheit und Unterdrückung unangenehmer Nachrichten über Probleme mit Zuwanderern mindestens so unverforen agiert(e) wie Deutschland. Und in Großbritannien, das als ehemalige Weltmacht mit Überseegebieten und immer noch UN-Vetomacht und militärisch starke Atommacht wohl kein Problemmit der Durchsetzung nationaler Interessen hat, gelten die Zustände in Sachen Migration ebenfalls regional als weit schlimmer als sie es bis dato in Deutschland waren. Auch von dort ist zu hören, dass die Integrationsprobleme lange Zeit unter den Teppich gekehrt wurden oder werden und islamisches Recht durch die Gerichte anerkannt wird.

    Vielleicht hatte Deutschland da einfach unter den wohlhabenden Staaten Europas “Nachholbedarf”. Betrachtet man die Wahlergebnisse speziell migrationskritischer Parteien wie der AfD in den in Sachen wirtschaftliche Entwicklung vergleichbaren Ländern in Europa, kommt man nicht unbedingt zum Ergebnis, dass die Deutschen hier aus der Reihe tanzen würden. Die PVV von Geert Wilders in den Niederlanden kam 2012 auf 10 % der Stimmen, die euro- und zuwanderungskritische bis -feindliche UKIP in Großbritannien 2015 auf 12,6 %. Der Front National in Frankreich liegt zwar deutlich über 20 %, aber dass die Franzosen deshalb grundsätzlich rechter ticken würden, kann man mit Sicherheit nur sagen, wenn man zuvor berücksichtigt hat, dass die Probleme mit Zuwanderern dort schon länger ernster sind als sie es in anderen Ländern bis vor kurzem waren und dass Frankreich darüber hinaus ein bereits jetzt akutes wirtschaftliches Problem hat. Allerdings ist im Vergleich mit Deutschland zuzugeben, dass wir kein politisch homogenes Land sind: die Westdeutschen mit Ausnahme Bayerns dürften tatsächlich ein unterentwickeltes konservativ-patriotisches Wählerpotenzial haben, aber wir haben ja noch die Ostdeutschen sowie zwei bis drei Millionen überdurchschnittlich konservativ gesinnte (Spät)Aussiedler.

    Fazit: Wohlhabende Staaten im fortgeschrittenen Stadium kulturellen Zerfalls scheinen Migration aus kulturell und wirtschaftlich rückständigen Staaten magisch anzuziehen. Deutschland scheint da eher ein “Spätzünder” zu sein, die politische Zurückhaltung der hiesigen Bevölkerung könnte bislang noch auf zu wenig Erfahrungen mit gescheiterter Integration und auf ansonsten relativ stabile wirtschaftliche Verhältnisse zurückzuführen sein.

    • Stimme all dem zu. Ich erwähnte schon im Artikel, dass dies einer meiner persönlich gesammelten Erfahrungswerte ist – unter vergleichbar noch günstigen Umständen. Das Scheitern geht hier nach meiner Einschätzung schon auf spezifische Umstände zurück: Es ist ein verzögertes Nicht-Ankommen, nach dem zunächst alles gut zu verlaufen schien. Es waren nur gemäßigt Einflüsse vorhanden, die man ‘Ghetto-Bildung’ nennt und bei Millionen von Neubürgern nun vermeiden will. Das, was diese Gesellschaft außerhalb der Familie als ‘Begleitung’ eines Werdegangs dann anzubieten hat, war jedoch schon in einem solchen Fall nicht ausreichend. Warnzeichen wurden durchweg nicht erkannt – ob auf sie wirkungsvoll reagiert hätte werden können, sei mal dahingestellt. Insgesamt zeigt es aber: Politikerreden über ‘schnelle Integration’, ‘Sprache lernen und gut ist’ sind realitätsfern. Die Wirklichkeit verläuft komplexer und über lange Zeiträume, in denen sich sozialpolitische Konzepte erst zu bewähren haben – oder es eben nicht tun. (Ich spreche hier auch nicht nur beliebig von einem Einzelfall, sondern von einem besonderen krassen Beispiel.)
      In meiner Klassenstufe gingen muslimische Schüler in den ersten Gymnasiums-Klassen wieder ab. Zum Abitur kamen zwei unter ca. 100 Schülern, wenn ich das richtig erinnere. Das wird sich heute schon ganz anders gestalten. Und die hemmenden Integrationsfaktoren sind dann erwartbar im Vergleich noch wesentlich stärker.
      Wichtig waren mir hier auch die Hinweise auf Trivialkultur. Wenn jemand offensichtlich in kein stabiles soziales Netz integriert ist, bleiben ihm zur Orientierung dann häufig nur völlig derealisierende ‘Denk-Angebote’. Politiker sollten erst einmal erklären, wie sie eine jahrzehntelange sozialpädagogische Begleitung gewährleisten wollen, die dazu ein Gegengewicht bildet. Das gilt sogar umso mehr, je stärker sich Eltern der ersten Generation ins Arbeitsleben einbringen – und entsprechend weniger Aufmerksamkeit darauf richten können, wie Kinder ihre Freizeit gestalten, was ihr Weltbild formt.
      Was beim Verfall familiärer Strukturen und gegenseitiger Aufmerksamkeit von Menschen inkl. von Wertevermittlung herauskommen wird, ist vermutlich derzeit noch gar nicht deutlich sicht-, aber absehbar. Etwa Leistungsanforderungen wurden seit meiner Schulzeit vor 20 Jahren nach allgemeinen Berichten ja weiter heruntergeschraubt, wie gerade heute berichtet wird: http://www.welt.de/politik/deutschland/article154187052/Die-erschreckenden-Bildungsdefizite-junger-Deutscher.html.

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