Gewusstes Ungewusstes und Manipulation im Las-Vegas-Szenario

Der Mainstream beginnt systematischer als zuvor, auf sog. Verschwörungstheorien der Internet-Gemeinde einzugehen. So stellt aus Anlass des Massakers von Las Vegas am 01.10.2017 Kristin Becker (SWR) einen „Faktenfinder“ für die „tagesschau“ (04.10.2017) zusammen. Dies ist ein – eher seltenes – Beispiel, wie man zu vergleichsweise vielen Sachargumenten konkret Stellung nehmen kann. Von Öffentlich-Rechtlichen kommt sonst fast immer eine unauflösliche Antisemitismus-Außerirdischen-Chemtrail-Pampe, in der Sachdiskussionen nicht einmal begonnen und alle Themen konfus vermischt werden.

Becker weist ihre Leser zu Recht darauf hin, dass etwa eine angeblich bei mehreren Amok- und Terror-Großereignissen aufgetretene Frau nicht ein und dieselbe ist, wie zahllose Videos und Websites behaupten. – Im sprachlichen Ausdruck kann man aber auch hier betr. des Prädikats „Qualitätsmedien“ Zweifel anmelden. Becker:

Es sind solche physischen Vergleiche, auf denen die Verschwörungstheoretiker ihre Spekulationen gründen.

Stilistisch ist das schief, denn „physisch“ bedeutet zwar „körperlich“, doch gewöhnlich auf körperliche Funktionen bezogen. Man kann Menschen zwar in physiologischer Hinsicht „physisch“ vergleichen, aber betreffs der Gestalt ist es ein physiognomischer Vergleich. Würde Kristin Becker für die ARD die vorliegende Website beurteilen müssen, wäre ihr also zugleich der korrekte Sprachgebrauch für eine Rubrik wie GesichterWissen noch nicht bekannt. (Aber mit „einfacher Sprache“ werden demnächst wohl alle Zukunftsprobleme gelöst …)

Das bedeutet nicht, dass der physiognomische Vergleich, wie er vereinzelt in solchen skandalös-verschwörungstheoretischen Beispielen auftaucht, nicht oft danebenläge – entweder rein visuell und/oder in irgendeiner weitergehenden Begründung und Sinnstiftung einer vereinzelten Koinzidenz.

Und ist dadurch eine Theorie von crisis actors, die aus irgendwelchen Gründen Zeugen solcher Ereignisse ‚nur spielen‘, vollkommen obsolet? Becker bezieht sich zu Las Vegas auf die Zweifel an der Authentizität des Zeugen Brian Claypool. Komischerweise unterlässt die tagesschau-Autorin dabei einen journalistischen Grundsatz: die Nennung des Namens der betreffenden Person, die hier zudem eine öffentliche ist – wie Becker schreibt:

Der Jurist ist wiederholt als Experte im Fernsehen aufgetreten, wie auf seiner Facebookseite und seiner Homepage nachzulesen ist.

Ja, wer ist er denn jetzt, dieser Jurist? Muss man als tagesschau-Fan dann erstmal selbst recherchieren, von wem gerade die Rede ist? Selbst viele YouTube-Vorschaubilder zeigen den Namen des Mannes, nicht aber der Screenshot, den der faktenfinder verwendet. Er stammt aus einer Live-Sendung von „abc News“, wo in der Bauchbinde der Vorname falsch als „Bryan“ erscheint. (Ich spare mir hier eine Interpretation, obwohl es sie gibt. Es führt hier einfach zu weit. Aber auch deshalb ist Hochmut bei jenen, die in höchsten Tönen „Objektivität“ etc. behaupten, unangebracht, wenn sie hier vieles unhinterfragt für „normal“ und „Zufall“ halten.)

Und man sehe sich dieses Video (ungelenk betitelt „BRIAN CLAYPOOL MAGICALLY AT LAS VAGAS MASS SHOOTING? CLAYPOOL HAS LARGE MEDIA CRISIS ACTOR HOAXER?“) einmal an:
[Dieses Video wurde ca. eine Stunde nach Veröffentlichung des Beitrags gelöscht. Ich setze dafür das einzige andere ein, das ich gerade finde. Es suggeriert recht stark durch Wiederholung in Zeitlupe die Unechtheit der Darbietung.]

Was Frau Becker von der ARD ihrem Publikum verschweigt, ist zunächst mal schon eine Stil-Differenz zum hiesigen TV-Programm. Sie ist auch eine wesentliche Ursache für die Irritationen, die teils naheliegenderweise fälschlich zu Misstrauen und ggf. haltlosen Verschwörungstheorien führen. Einer wie Clayhill macht für die TV-Kamera ganz großes Kino. Es wird spürbar, dass er diesen Medien-Auftritt genießt. Deshalb ist es auch überhaupt nicht falsch, darauf hinzuweisen, dass Clayhill eben nicht nur als zufälliger Zeitzeuge dazu bewegt wird, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen. Er ist ein Showman, einer, der an Publicity interessiert ist. Es gibt in dieser Branche allerlei Lug und Trug, fiktive „Presse-Stunts“ zur Steigerung des Popularität u. v. m.

Clayhills Website lässt nichts aus, um ihn als Teilnehmer des Medien-Zirkus auszuweisen:

As a TV, legal, social and entertainment commentator, Mr. Claypool most recently provided commentary on Good Morning America on cases involving Justin Beiber, Courtney Love, and the New York Biker incident.

Was er bei abc News abgeliefert hat, ist in einer solchen Liste von Arbeitsproben nur ein weiterer Eintrag. Für Kristin Becker ist hingegen der einzige Kommentar zu einem zweifelhaften, zumindest aber seitens von Clayhill exaltierten, auf den Sensations- und Rühreffekt hin agierten Auftritt:

Das macht ihn in den Augen eines Internetnutzers unglaubwürdig […].

Zu Recht, kann man da nur sagen. Erst recht, wenn die Aufmerksamkeiten erst einmal geschaffen sind durch viele andere Begebenheiten, die als einzelne stets Kommissar Zufall geschuldet sein können, wie die unmittelbare Anwesenheit des Journalisten und Ehemannes einer Ex-Mossad-Agentin bei zwei großen Terror-Akten in kurzer Folge oder eines israelischen Terror-Experten beim Berliner Weihnachtsmarkt-Attentat.

Ja, es ist richtig, dass die meisten Amateur-Videos zu angeblichen crisis actors (lässt Isis grüßen?) grenzwertig sind. Sie sind meist unreflektierte, dabei teils aggressiv-unterstellerische Machwerke. Da macht „Las Vegas Shooting (Crisis Actor Blooper)“ keine Ausnahme.

Immer wieder geht es um Menschen, die in Situationen von Schock und Aufregung unnatürlich agieren, die unpassend lachen. Nicht zuletzt ermöglicht der Videoschnitt, dieselben Ausschnitte wiederholt zu reihen, in Zeitlupe zu zeigen etc. Dadurch entsteht eine Befremdung durch die gezeigte Person, die bei einem Durchgang und auch in der Realität nicht auftreten müsste. So würde ich es beurteilen im Fall des Bruders von Stephen Paddock, des Attentäters von Las Vegas, wie hier gezeigt in „VEGAS SHOOTER’S Brother Looks Like The Worst Crisis Actor Ever“:

Man kann sein Verhalten übertrieben und unnatürlich finden. Man kann sich jedoch auch in die Lage eines Mannes versetzen, der sonst nicht vor Kameras agiert und gerade erfahren hat, dass sein Bruder ohne ihm selbst ersichtlichen Grund 58 Menschen erschossen hat – und einen anderen Grund als den Ausnahmezustand für sein Auftreten nicht zwingend finden.

Ein weiteres, weniger besprochenes und verlinktes Video möchte ich hier vorerst noch erwähnen: „Las Vegas Shooter – Pedophile Arrests and NEW Aliases“.

Auch dieses arbeitet mit physiognomischen Vergleichen, nun zu einem anderen Delinquenten, verbunden sogar mit einer Namens-Doppelung von „Stephen Paddock“. Aber schon der physiognomische Vergleich als solcher scheint mir nicht überzeugend. Natürlich sind fotografische Linsen-Effekte vielfach möglich – aber die Proportionen, so etwa der Augenabstand, scheinen mir hier nicht übereinzustimmen.

Das bedeutet aber auch noch nicht, dass man sich nicht für eine solche Begebenheit interessieren kann. Ich hatte im ersten Beitrag zum Thema von einer möglichen Haltung gegenüber dem Attentäter Stephen Paddock innerhalb einer geheimdienstlichen black op geschrieben, in der es ggf. eben ein patsy, ein Opfer geben muss. Es kann relativ unschuldig daherkommen; es sind aber auch Maßgaben denkbar, dass man jemand ausgewählt, der mehr als andere in irgendeiner Weise als ‚schuldig‘, einer ‚Bestrafung‘ würdig angesehen wird. (Mache ich mich verständlich? Das rechtfertigt unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten natürlich immer noch keinen Willkürakt von Geheim-Kommandos jenseits öffentlicher Kontrolle.) Wenn er dann auch noch den Namen eines gesuchten Pädophilen trägt – es könnte zu einem symbolistischen Programm gehören.

Mit solchen Spekulationen müsste man sich zurückhalten, wenn es nicht, wie in diesem Fall, nun seit Tagen keine einzige plausible Erklärung für die Tat des Mannes gibt. Aus einer Welt des Wohlstands und des trivialen Vergnügens an Spieltischen von Las Vegas müsste er in einem unbändigen Hass auf rechtskonservative US-Amerikaner zu seiner unglaublichen Tat geschritten sein. Es gibt zwar Sachen, die gibt es gar nicht – aber unsere Gegenwart stellt uns seit 9/11 vor die Aufgabe, ohne Hilfe angeblicher – nichtsdestotrotz aber (von wem und zu wessen Gunsten?) hochbezahlter – „Experten“ schon nur das deutlicher herauszuarbeiten, was wir in Bildern zur Hauptsendezeit schlichtweg sehen und hören.

Man kann als ein Rechercheur, dem die riesigen Apparate der Gebührenfinanzierten nicht zugänglich sind, einstweilen nur mitprotokollieren und aufhorchen. Es sind zunächst Synchronizitäten, die man nachhalten muss. Sie können auch primär symbolischer Art sein. So liest man in einem Beitrag des „Standard“ (05.10.2017) zum selben Thema der crisis actors in Las Vegas rückblickend auf den Fall Sandy Hook:

[Jim] Fetzer behauptete, dass der angesprochene Vater einer ermordeten Grundschülerin „tatsächlich“ ein texanischer Schauspieler namens Samuel Travis Delaney sei.

Da wird in der Unglaubwürdigmachung von Verschwörungs-Thesen gleich die nächste Koinzidenz geliefert: Denselben Nachnamen trägt Marilou Delaney, die Freundin von Paddock, von der die Massenmedien erst ein paar Tage mutmaßen durften, sie könne vielleicht etwas mehr über den Täter wissen, bis sich herausstellte, dass auch ihr das Verhalten des Mannes, den sie wohl am besten als jeder andere kannte, vollkommen unerklärlich sei. Da kann man dann wohl nur sagen: „Hello Mary Lou“. (Der Song neigt sich vom Rock’n’Roll schon deutlich in die Country-Musik, auf deren Anhänger Paddock schließlich geschossen haben soll. Bekannteste deutsche Version: Truck Stop.) Ist das die Beziehungstat der Zukunft?

Dass „Delaney“ fast ein Anagramm meines eigenen Vornamens ist, tut natürlich nichts zur Sache. Ich bin ja auch nur einer von sehr wenigen deutschsprachigen Publizisten, die Okkultsymboliken von Terror-Akten und Amokläufen öffentlich betrachten und interpretieren. (Wen gibt es noch neben Tilman Knechtel, noicon, Oliver Zumann, Detlef Daddowitz oder Zombiewood Productions? Kommentare immer willkommen!) Aber ja – manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.

Nachtrag 10.10.2017: Gerade erreicht mich der Hinweis, dass der – nicht wirklich inflationäre – Name „Delaney“ in der laufenden BBC-TV-Serie „Taboo“ die Hauptfigur ziert. Die Charakterisierung im dazugehörigen Wiki klingt so: „James Delaney is a no-nonsense former corporal of the East India Company with an inclination to violence and insubordination.“ – Für die Synchronizitäts-Skeptiker: Ich sehe hier bei einer ersten Durchsicht keine weiteren Koinzidenzen, die sich verstärkt auf das Las-Vegas-Ereignis beziehen ließen. Aber es handelt sich um eine britisch-amerikanische Koproduktion (siehe v. a. die Verbindungslinien im ersten Beitrag). Die East India Company ist einer der wichtigsten Vorläufer für den NWO-Imperialismus, als dessen Begleiterscheinung false flag operations zum Zweck verstärkter Überwachung etc. verstanden werden können.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. GM sagt:

    Die „öffentlich-rechtlichen Medien“ sind trotz millionenschwerer Finanzierung nicht in der Lage eine ihren Ausführungen ebenbürdtige Einschätzung der Vorkommnisse zu senden. Es fehlen bei den öffentlich -rechtlichen Medienanstalten Persönlichkeiten mit entsprechenden Interessen und Hintergrundwissen. Ich konnte mich in meinem beruflichen Lebensweg davon überzeugen, dass abweichende Meinungen und ungewöhnliche Forschungswege und Interessen einen beruflichen Werdegang zuverlässig verhindern. Von „Aufstieg“ ganz zu schweigen. In einem desinteressierten Umfeld wird die Akzeptanz von fachlichen Aussagen dem größten gemeinsamen Nenner untergeordnet. Dieser Nenner ist für den beruflichen Aufstieg entscheidend. Einzelne Begabungen und spezielle Interessen werden von den Vertretern des Durchschnittes ausgegrenzt oder sind ihrem finanziellen und beruflichen Aufstieg im Wege. Daher kommen sowohl von den öffentlich-rechtlichen Medien als auch von den Hochschulen keine komplexeren Kommentare.
    Zu dem Attentat in Las Vegas: In der ersten Abendnachricht (ARD) erschien als Bild die schwarze Pyramide und die Zahl 32 ( Erwähnung des Stockwerkes im Hotel). Bei der Dimension des Attentates war von Beginn an klar, dass dieses Bild der schwarzen Pyramide millionenfach durch die Wohnzimmer der Menschheit geistert. Ebenso die Zahl „32“. So oder so liegt hier eine kabbalistisch-freimauerische Botschaft an die Menschheit vor.

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