Nachtrag: Einseitiger Beef mit dem #Deutschlandfunk

Die beiden vorigen Einträge zum Deutschlandfunk runde ich hiermit zur Trilogie – aus einem Grund, der mich immer wieder mal am Hemdzipfel zerrt. Ich übe hier nach einer jahrzehntelangen schrittweisen Aussonderung aus gesellschaftlichen und professionellen Zusammenhängen fortgesetzt Hyperkritik. Sie hat allerlei reale Gründe, die ich hier kaum abbilden kann, teilweise auch nicht will, weil sie die Privatsphäre anderer oder die meine betreffen.

Es bräuchte umfangreichere Beiträge, um die aktuelle Lage zu beleuchten: Der Deutschlandfunk gehört zu den Institutionen, die heute Sturm laufen gegen sog. “Verschwörungstheorie”, die vor ca. 10 Jahren hier im Blog ein Leitthema wurde – folgend auf zwei Jahrzehnte, in denen ich eher in traditionellen journalistischen Genres der Kritik und Filmgeschichte unterwegs war. Mein Berufsleben begann in der ersten Hälfte der 1990er Jahre mit den ersten Einblicken in dieses Geschäft, dessen ökonomische Perspektiven sich seitdem wohl kontinuierlich und stark verdüstert haben. Ähnliches gilt für Geisteswissenschaften.

Es gibt neben den ökonomischen und persönlichen vielerlei andere Aspekte – wissenschaftliche, politische, ethische, spirituelle … Sie spielen alle permanent mit herein, lassen sich aber eben nicht durchweg abbilden (aus verschiedenen Gründen, zu deren irrationalsten die “Schere im Kopf” durch die Hetze gegen sog. “Verschwörungstheorie” gehört, die derzeit alle Etablierten betreiben).

Im vorvorigen Beitrag schrieb ich dann zum Radioprogramm des Dlf:

[…] allerlei Belange von Minderheiten in Indien über Zickenterror in Russland bis zu den Morgenandachten echter Gotteskenner zu kümmern.

In meinem Fall ist es so, dass wohl 95 % von dem, was mein Leben bisher bestimmt hat, in solchen Programmen nie vorkommt.

Ich flankierte das ja mit ein paar kursorischen Hinweisen zu meiner Autorenbiografie. Wenn ich in den Wochen nach diesem Artikel das Radio einstelle, höre ich natürlich auch Gegenargumente, relevante Berichte … Das Schicksal eines Kreml-Kritikers finde ich sicherlich berichtenswert, wieviel Inszenierung daran auch immer ist (die das Leid der Betroffenen auch nicht mindern muss). Die daneben erwähnte starke Präsenz der Religiösen bleibt für mich etwas anderes – sie widerspricht jeder Lebensrealität, die ich über Jahrzehnte kenne, und es zeigt für mich schon sehr eindeutig, dass in diesem Sender das vorliegt, was eben aus allen Rohren diskursiv beschossen wird: Tatsachen der Verschwörung und Manipulation. So, wie privat allerorten über Religionen und ihre (in Deutschland: von allen – siehe diese notwendige Petition) finanzierten Interessensvertreter gesprochen wird, taucht es im “Funk” des “deutschen Landes” nach meinem Eindruck eigentlich nie auf. Es ist offensichtlich das Resultat kirchlicher Gschaftlhuberei – nach Jahrhunderten ihrer Kriminalgeschichte von Mord, Folter bis Pädokriminalität und der fortgesetzten kriminellen Verhinderung ihrer Aufklärung. Kriminelle dieser Art werden hierzulande z. B. “Bischof” genannt und eben zwangsweise von allen bezahlt, ob Kirchenmitglied oder nicht. (Wo, bitte, wäre eine solche Aussage “Hetze” und keine schlichte Tatsachenbeschreibung?) Dass all dies nicht an erster Stelle berichtet wird, wird im Dlf auch noch mit zwangsweisen Rundfunkgebühren ermöglicht – und das ist reines Mittelalter. (Das Schweigen in meiner Kommentar-Rubrik hat wohl nicht nur mit technischen Problemen zu tun, die ich zuletzt wiederholt behoben habe. Hat hier noch jemand Gegenargumente, der dahingehend anschließend erneut jedem herrschenden Rechtsbegriff zuwiderhandelt?)

Zur Beurteilung meiner Kritik bis Polemik wäre es im Übrigen notwendig, ausführliche quantitative Analysen durchzuführen – und das würde nicht einmal reichen. Denn ihre Bewertung hinge wiederum von komplexen Erwägungen ab, was aus welchem Grund in welchem Umfang berichtet werden sollte. Und da bleibt einstweilen wohl nur jene Expertokratie, die an dieser Stelle vorhanden ist. Die Diskussion würde derzeit jeden vorhandenen Rahmen sprengen.

Mich interessiert auch ein solches Denken des Diskursiv-Utopischen, ein Denken des (scheinbar) Unmöglichen.

Ich halte es hier in dieser Unfertigkeit einmal fest, weil es mir grundlegend zu sein scheint für die Bearbeitung von Problemen, die nichts anderes bleiben werden, so, wie man derzeit über sie spricht. Es geht darum, dass es in Deutschland eine Menge Missstände und Leid gibt, die konsequent übergangen und verschwiegen werden – nach dem Muster etwa des Missbrauchs durch “Kirchenmänner”. Bevor “Filmgeschichte” sich als universitäre Disziplin etabliert hatte, wurde sie durch “Medientheorie” und deren Ausrichtung auf Fragen des “Wie” statt des “Was” gründlich marginalisiert und mit endlosen anderen Textmassen zugeschüttet.

Letzteres ist erneut nur beispielhaft ein Prozess, von dem ich in diesen “Leitmedien” noch nie etwas gehört habe. Es ist eine beispiellose Vernichtung kulturellen Gedächtnisses – während man nun etwa in aller Ausführlichkeit über Kolonialismus und Rückgabe bestimmter Holzskulpturen etc. an afrikanische Staaten diskutieren will, um nur eines der Dauerthemen in solchen “Bildungsprogrammen” zu erwähnen. Es ist ein Beispiel für fundamentalen Selbstwiderspruch: unausgesetztes Gejammer über den wahlweisen “kolonialen” oder “antisemitischen” Splitter im Auge des Feindes, Übersehen der vulgärmarxistischen und -feministischen radikalen Ausblendungen von allerlei historischen Tatsachen und aktuelleren Lebenserfahrungen. Um es nochmal deutlicher zu sagen: Es geht auch um die Präsenz von Streit, Krankheit, Tod, Einsamkeit, sozialer Exklusion, von biografischem Scheitern und wirtschaftlicher Not in einem von jedem etablierten Journalisten als “eines der reichsten Länder der Erde” beschworenen deutschen Landes. Ein praktischer Grund dafür, den ich hier wie im privaten Gespräch immer wieder antippe, ist die Tatsache, dass reichweitenstarke Journalisten (wohl fast durchweg) in Wohlstandsbereichen leben, historisch verzögert mit Realitäten etwa von Massenmigration (in zu differenzierenden Problemlagen je nach Herkunft und Individuum) konfrontiert werden, in der Tendenz narzisstische Selbstbilder des utopischen Menschheitsbeglückers einerseits, des heimlich von sozialer Exklusion andererseits Profitierenden entwickeln. Man muss sich nur die Impressen von Redaktionen und Initiativen ansehen – vereinzelte Teilnehmer mit osteuropäischen Namen, sonst meist nur als traditionell “deutsch” wahrnehmbare Namen. Das bleibt für mich einer der krassesten Widersprüche: Sich mit permanentem Hinweis auf relativ willkürlich ausgewählte Schuldkomplexe als Lehrmeister einer multikulturellen ‘entnazifizierten’ Gesellschaft aufspielen zu wollen, jede vertiefte Analyse und Austragung von Konflikt aber in vermeintlicher “Toleranz” vermeiden zu wollen – kann das wirklich ‘gutgehen’? Oder wohin wird das führen bzw. hat es schon geführt, wird nur kaum oder gar nicht berichtet?

Blickt man in die Lebensverhältnisse verschiedener sozialer Gruppen, gibt es in Deutschland vermehrt Lebensrealitäten, die nach meinem Eindruck eben nur am Rande, perspektivisch einseitig oder gar nicht in den sog. “Leitmedien” vorkommen. Es geht um Problematiken der Migration, des Geschlechterverhältnisses, von der Deutung historischer Abläufe, von Machtpolitik einmal ganz zu schweigen. Ich habe bisher weitgehend darauf verzichtet, die Berichterstattung zu “Verschwörungstheorien” daraufhin durchzugehen. Es wäre eine erhebliche Arbeitslast, und das Ergebnis ist für mich voraussichtlich recht eindeutig: Was sog. “Verschwörungstheorien” vorgeworfen wird, ist auch ein Strukturprinzip solcher Programme. Die Bewertung dieser Lage ist ihrerseits stark von der angewendeten Ideologie (und es gibt nichts außerhalb davon im menschlichen Denken) abhängig. Das, was sie an “Verschwörungstheorien” derzeit großflächig kritisieren, ist in Wirklichkeit eines ihrer verdrängten Spiegelbilder, teilweise ihre eigene Karikatur, dann aber mit Wahrheitscharakter.

Was das Deutschland betrifft, für den dieser Funk gemacht sein soll, ist seine Lage nach 1945 eine ganz besondere. Was in der Reichsregierung 1933-45 stattfand, ist eine bis heute nicht überblickte Eskalation von Auseinandersetzungen. Eine Frage ist, wie weit sie in die Gegenwart wirklich hereinreichen. Man solle sich bitte nicht wundern, dass es unkontrollierte Debatten im Internet gibt, wenn die damit verbundenen problematischen Felder in solchen Programmen weitgehend ausgespart bleiben. Ich kann an dieser Stelle kaum adäquat meine eigene Position dazu formulieren – ich hätte sie immer besprochen, wenn ich dazu eingeladen worden wäre. Wer heute hier autorisiert ist, über “Verschwörungstheorien” zu sprechen, sehen wir – und ich habe dort bisher nichts entdeckt, was in Sachthemen Substanz hätte. Auf einen Begriff gebracht, handelt es sich um Propaganda unter Zuhilfenahme offensichtlich korrumpierter Wissenschaftlichkeit, betrieben entweder von Karrieristen ohne ernsthaftes überprüfbares wissenschaftliches Interesse oder von gänzlich unwissenden Manipulierten (mit der Frage, woher die Manipulation rührt).

Das dabei herrschende System wähnt das “Recht” offensichtlich im Wesentlichen auf seiner Seite. Und selbst das kann ich in bedeutenden Anteilen noch akzeptieren – wenn es auch selbst in den von mir hier aus Gründen der Knappheit gewählten allgemeinen Begriffen im herrschenden Programm selbst gar nicht vorkommen darf, da die anschließenden Fragen viel zu prekär sind.

Politische Fragen sind, wie sich in diesem Machtgefüge die Deklassierten und Außenseiter im professionellen Bereich verhalten könnten oder sollten, ganz zu schweigen von Menschen, die weniger gebildet sind und noch weniger zu verlieren haben. Die augenblickliche “Lösung” scheint zu lauten: Ablenkung, Beschäftigungstherapie, Containment, ins Leere laufen lassen. Das Wut-Level steigt je nach Umständen. Der Grundrechte außer Kraft setzende Umgang mit einer Infektionskrankheit ab 2020 passt in das Szenario einer kaum noch beherrschbaren Öffentlichkeit, des Aufbrechens älterer ideologischer Konflikte und deren Verstärkung durch Migrationsbewegungen und Finanzkrisen. Die Klumpatsch-Kognition, die ich im etablierten Programm dazu nur ersehen kann, ist die, zuvor hochgepushte, im politischen Diskurs völlig ungeübte Buhmänner wie einen veganen TV-Koch für “verschwörungstheoretische” Schemata des sog. “Antisemitismus” (gemeint sind aber nicht “Semiten”, sondern Angehörige des Judentums – Vorsicht, Sprachverwirrung, siehe Turmbau zu Babel als biblische Referenz … wessen?) an den Pranger zu stellen.

Ich muss hier aus Zeitgründen auch diesen Gedankengang erstmal abbrechen, obwohl er ganze Buchtexte nach sich ziehen könnte. Was angeblich nur (als irrig vorausgesetzten) “Verschwörungstheorien” angelastet wird, wurde durch deren (offensichtlich) organisierte Abwehr (durch Journalisten, die nicht müde werden zu betonen, sie seien “unabhängig”) vielmehr erst in die breitere Öffentlichkeit gehievt: so die Verbindung des Themas “Corona-Epi- bzw. Pandemie” mit Vorbehalten gegenüber “Juden” (wer auch immer damit gemeint ist, und ein irregeführter Gewalttäter, der irgendeinen beliebigen Privatmenschen deswegen angreift, agiert letztlich in diesem sehr unklaren Feld, das auch der Deutschlandfunk in genau dieser Unklarheit belässt – und in wessen Interesse ist das nun?).

Kern des kritischen Gedankens zur Programmpolitik des Deutschlandfunks ist ganz allgemein mein subjektiver, aber über Jahrzehnte gewachsener Eindruck, dass es in vielen Themenfeldern merkwürdige Verzerrungen von Wirklichkeit gibt, wie ich sie erlebe. Dies betrifft sowohl Alltagsrealität, wie auch die Wahrnehmung von Geschichte oder den Umgang mit vielerlei Sach- und Lebensthemen. Vielleicht mache ich nochmal mindestens einen Beitrag, der meine aktuelle Medienwahrnehmung mit den noch bestehenden linearen Programmen konfrontiert. Es kommen hier noch weitere Aspekte dazu, die für journalistische Vollprogramme keineswegs trivial sind. Meine Spezialinteressen werden (in sehr unterschiedlicher handwerklicher Güte) auf YouTube, zumal mit englischsprachiger Erweiterung, grundsätzlich besser bedient. Dieser Effekt wird wohl unausweichlich an Masse gewinnen, und zwar so stark, dass das eintreten könnte, was Matthias Horx schon im Deutschlandfunk selbst in Aussicht stellte: die Umstellung all solcher Programme auf themenspezifische Abonnements.

Wer dann noch über ggf. frei zugängliche Kernbereiche des Programms zu verfügen hat, ist im Prinzip die medien- und machtpolitische Dimension, die ich hier angesprochen habe. Dass die dazugehörigen Debatten schnell verhärtet (damit bis ins Physische gefährlich) und unübersichtlich werden, ändert nichts daran, dass dies mit Begriffen der “Öffentlichkeit” in der Moderne stets gefordert wäre.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

2 Antworten

  1. Anonymous sagt:

    In Bayern war der Deutschlandfunk damals nur über Langwelle zu empfangen. Wer mit dem BR frühstücken mußte, brauchte schon am Morgen 2-3 Gläser Himbeergeist.

  2. Andreas aus E. sagt:

    Es ist jetzt sicher etwas niveaulos und substanzarm, aber als einer, der den DLF noch kennt, als der auf Mittelwelle lief und am Abend Seewetterbericht ausstrahlte, maße ich mir dieses Urteil an: Der ehedem etwas altbackene, aber durch und durch seriöse Sender, verkam – wie alle anderen Zwangsgebührensender auch – im Zuge des “Marschs durch die Institutionen” zu linksgrünversiffter Gosse.

    Man erkennt das leicht, wenn man gelegentlich morgens die Nachrichtenstrecke hört: Fast immer ist einer der “Grünen” zum Interview gebeten, fast nie einer von größter Oppositionspartei. Dann die Presseschau: Immer dabei die “taz”.
    Man wird auch eher selten (bis nie) was Kritisches zum veröffentlichten Lebenslauf einer annalena Baerbock dort vernehmen.

    Der DLF ist längst zum verkappten Parteisender der sogenannten “Grünen” verkommen.

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