#Doubles der Opposition (1) – Bernd #Lucke (#ALFA)

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – so auch Partei-Gründungen. An Veränderung Interessierten konnte es bei entsprechenden inhaltlichen Sympathien jedoch nicht gefallen, dass eine neue Kraft wie die „Alternative für Deutschland“ (AfD) gleich wieder zerfiel in einen nationalkonservativen Flügel und die erneute Neugründung „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (ALFA) unter dem zuvor bekanntesten AfD-Vertreter Bernd Lucke.

Die mühsam erklommenen 5-Prozent-Hürden werden bei kommenden Wahlen damit wieder ein Stückchen höher – wobei erwartungsgemäß Luckes Wirtschafts-Liberalismus und Euro-Kritik in den nächsten Monaten weniger Emotionen wecken wird als die Flüchtlings-Debatte, die die verbliebene AfD mit ihren völkischen (und dabei anti-liberalistischen) Grundpositionen wohl besser für sich nutzen kann.

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Schon zu AfD-Zeiten weckte Lucke bei mir die Erinnerung an einen politischen Menschen, den heute kaum noch jemand kennt: Herbert Croly, den Herausgeber der Zeitschrift „The New Republic“ (TNR, 1914ff.). Dieses Presseorgan gilt in seinem Marktsegment bis heute als eines der einflussreichsten.

Der Name der Zeitschrift könnte als Motto für eine eben ‚erneuerte Republik‘ stehen. Wenn von Unbekannten auf Luckes Laufbahn vom Hochschullehrer für Makroökonomie (Universität Hamburg) zum Politiker aus solchen Gründen Einfluss genommen wurde, so wäre dies eine Bedeutung, die dadurch entstand. Es wäre die pathetische Ankündigung einer neuen Republik gewesen.

Inhaltlich-programmatisch hat The New Republic mit der AfD wenig zu tun. Crolys Agenda wurde der gemäßigten Linken zugeordnet. Zu seinem Freundeskreis gehörten der demokratische US-Präsident Theodore Roosevelt (der sich aber gleich zu Beginn der Arbeit an TNR mit der Redaktion überwarf) und der jüdische oberste Richter und Zionist Felix Frankfurter. Nicht zu vergessen ist die Befürwortung des Eintritts der USA in den Ersten Weltkrieg durch The New Republic.

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Weder die sozialistische Linie von Croly noch seine Vernetzung im US-Establishment kann also weitergehend inhaltlich als historisches Vorbild einer AfD gewertet werden. Im Gegenteil: Dass Lucke ein Double Crolys ist, wirkt eher als Ironie der Geschichte: Während sich der Machtblock der USA nicht zuletzt dank der Einflussfaktoren wie TNR über Deutschland walzte, sollte in Luckes politischem Engagement ja eigentlich eine echte Alternative für Deutschland bestehen. Wie wir nun schon sahen, zog er eine Trennung vom national betonten Parteiflügel vor, um seine wirtschaftsliberalen Positionen in den Vordergrund zu stellen. Was Euro-Kritik betrifft, mag man dem noch zustimmen. Ansonsten bedeutet die Entwicklung hin zu zwei Splitter-Parteien eher Schwächung ihrer beider Positionen.

Das ehemalige CDU-Mitglied Lucke diente mit der Spaltung also vorläufig eher seiner früheren Partei, indem er von den rechtskonservativen Positionen der CDU-Konkurrenz AfD nach einer kurzen Phase wieder Energie und Ressourcen abzog. Wie gesagt, sind wegen der Flüchtlings-Krise deutliche Gewinne in näherer Zukunft v. a. für die verbliebene AfD um Alexander Gauland, Björn Höcke und Frauke Petry zu erwarten.

Die These zum Double Luckes wird sich in folgenden Beiträgen dieser kleinen Reihe an weiteren führenden Mitgliedern der AfD bestätigen, die bis heute an ihrer Spitze stehen. Und auch Bernd Luckes neugegründete ALFA scheint von solchen physiognomistischen und symbolischen Beigaben mitbestimmt zu sein, wie wir sehen werden.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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