Welche Apokalypse ist die erste?

Es trifft sich, dass ich im letzten Eintrag etwas zur Zwangsdramaturgie ‚zum Guten hin‘ im Magazin „nano“ (3sat) bemerkte. Seit gestern ist auf der Website des Kopp-Verlags ein schönes Gegenbeispiel dazu zu sehen – mit, zugegeben, nicht zwingend ‚objektiveren‘ Resultaten.

So steuern die „KOPP Nachrichten“ vom 09.09.2010 durch einen für das Verlagsprogramm repräsentativen Parcours der Finanzskandale und kulturellen Kollapse nicht auf die für Fernsehprogramme üblichen „vermischten Meldungen“ oder den Sport als Schlussmeldung hin, sondern auf ein kosmologisches Thema der – für menschliche Verhältnisse – Superlative: die Umpolung des Magnetfeldes der Erde. Dazu informiert weiterführend ein Artikel auf derselben Website von Andreas von Rétyi.

Publikationen und Web-Inhalte dieses Verlags sind durchaus eine interessante Ergänzung zu Einheitsmeinungen anderer Medien(verbünde) – wie hier schon einmal angemerkt. Was sich im gesamtheitlichen Diskurs zeigen wird, ist schlicht der Wahrheitsgehalt einzelner Thesen und Meldungen. Der Abgleich von common sense und Subversion, Minderheitsmeinung oder Verschwörungstheorie veranschaulicht eine Art modulare Funktionsweise von Meinungen.

Hat sich die Problematik des „Klimawandels“ einmal über Jahrzehnte in den Mainstream vorgearbeitet, bezieht der Kopp-Verlag bzw. einzelne seiner Autoren – in einer weiter reichenden, aber eher auf alternative Medienangebote beschränkten Phalanx der climategate-Diskussion – dazu wiederum die Gegenposition. Die Frage bleibt, ob dies so ist, weil die kolportierte Meinung der Mehrheit von Klimaforschern falsch ist, oder deshalb, weil gerade kaum jemand mehr diese entgegengesetzte Meinung vertritt.

Die zuvor erwähnte Themenwahl ergänzt diesen Winkelzug um eine weitere diskursstrategische Maßnahme: Statt der allgegenwärtigen – z. T. wörtlich zu nehmenden – Angst vor dem Untergang durch Klimaveränderungen und steigende Meeresspiegel bietet die Apokalyptik-Sektion des Kopp-Verlags als Ersatz eben die ‚Umpolung‘. Oder Sätze wie:

Gerade kürzlich, am vergangenen Mittwoch, dem 8. September, zogen gleich zwei Asteroiden in weniger als Mondentfernung an der Erde vorbei. Es tut sich also was.

Die Frage bleibt auch, ob solche Veröffentlichungen damit nicht in die Fußstapfen von Institutionen treten, deren Lieferungen von Vorstellungen der Endzeit und höllischer Qualen derzeit am Markt nicht mehr so gefragt sind – deren Fragwürdigkeit sich aber mittlerweile schon nachdrücklicher erwiesen hat.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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