Kino Okkult – Grundlagen zu Verschwörungstheorien und Okkultismus

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Kino Okkult

Grundlagen zu Verschwörungstheorien
und Okkultismus
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Einleitung

Verschwörungstheorien haben als veröffentlichter Text seit Beginn der Neuzeit immer wieder Wellen des öffentlichen Interesses erlebt. In Westeuropa ist dafür der (zumindest vordergründige) Machtverlust der christlichen Kirchen ein wesentlicher Begleitumstand. Besonders seit dem Aufkommen der modernen Erscheinungsform der Freimaurerei werden von Institutionen und Gruppierungen, die zu dieser im Verhältnis stehen, sowie von einzelnen Beobachtern und Kritikern Theorien aufgestellt, wer abseits der politischen und medialen Öffentlichkeit Pläne entwickelt und Macht ausübt.[1]

Aus unterschiedlichsten Gründen im Spektrum von Gruppeninteressen, Aufklärungswillen und im Streben nach Öffentlichkeitswirksamkeit und Profiten aus Publikationen werden sog. „Verschwörungstheorien“ vorgestellt.[2] Sie richten ihr Augenmerk dabei auf mehr oder minder institutionalisierte und faktisch bewiesene Netzwerke von Einzelpersonen sowie mächtige Familien.

Die in „Kino Okkult“ besprochenen kulturellen Phänomene v. a. des Spielfilms und Fernsehens werden innerhalb der Buchreihe immer wieder mit Hinweisen zu rein realhistorisch ausgerichteten Veröffentlichungen versehen. Einige der von anderen Autoren diskutierten Konstellationen und Personen werden dabei in ihrer möglichen, wahrscheinlichen oder bekannten Verantwortlichkeit für historische Entwicklungen und kulturelle Prägungen bestätigend hervorgehoben. Die Massenkultur des Films wird dabei verstanden als eine Artikulationsform, in der über ein industriell geprägtes Zeichenprodukt öffentlich wirksame (Selbst-)Darstellungen, fingierte Hinweise auf verborgene Machtstrukturen und Absichten verbreitet werden.

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Inhaltsverzeichnis


  


Klassiker und Hauptbeispiele der Verschwörungstheorie

Den zahlreichen Quellen in Buchform und im Internet sind die wichtigsten Autoren und Veröffentlichungen zu entnehmen und müssen hier nicht umfassend und im Einzelnen behandelt werden. Übersichten der Literatur zu einzelnen Bänden von „Kino Okkult“ geben die jeweiligen Rubriken auf der Hauptseite und die allgemeine Literaturliste.

  

In der öffentlichen Wahrnehmung – ablesbar etwa an populärkulturellen Erwähnungen und politischen Debatten – sind es zunächst einzelne spektakuläre realhistorische Ereignisse, die mit Verschwörungstheorien erklärt werden: die Französische Revolution von 1789, der Holocaust in Deutschland um 1940, der Mord an US-Präsident John F. Kennedy 1963, die erste Mondlandung von Astronauten der NASA 1969. Einen wesentlichen Schub für Argumentationen im verschwörungstheoretischen Modus erhielt die Weltöffentlichkeit durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York.

Dem steht eine Veröffentlichungs- und Diskussionskultur gegenüber, die nach 1950 zunächst v. a. über Kleinverlage und publizistische Außenseiter enstand und mit den interaktiven Formen des Internets sowie von erweiterten Vertriebsmöglichkeiten wie dem Online-Buchhandel neue Quantitäten und Qualitäten erreicht hat. Buchveröffentlichungen und, mit der Etablierung digitaler Videotechnik und von Online-Plattformen wie „YouTube“ verstärkt auch Dokumentarfilme, Interviews und Video-Montagen aus vorhandenen Quellen prägen diesen Diskurs. Im Unterschied zu Klischees der Verschwörungstheorie, die sich an besonders sensationellen Themen in extremer Wiederholungsfrequenz abarbeitet und gerade mit der Unwägbarkeit beweisbarer Zusammenhänge spielt, liegt der Akzent einer Reihe von ernstzunehmenden Argumentationen über die Jahrzehnte auf einer Institutionen- und Sozialgeschichte, von Eliteforschung.[3]


Finanz- und Wirtschaftselite

  

Als ein frühes Beispiel für systematische Aufarbeitungen von elitären Verbünden sei das Werk von C. Wright Mills[4] erwähnt (Die amerikanische Elite, 1956). Er bezog sich u. a. auf marxistische Quellen und stellte Machtkonzentration und Machtlosigkeit soziologisch dar.[5]

Mit William Guy Carr[6] widmete ein Veteran beider Weltkriege dem Schachbrett der internationalen Politik ein folgenreiches Werk: Pawns in the Game (1955).[7] Carr vertrat die These, der legendäre Freimaurer Albert Pike, Erfinder des „Schottischen Hochgrad-Ritus“ und seiner 33 Grade, sei wichtigster Urheber eines Jahrhunderte umspannenden Planes, der drei Weltkriege einschließe. Diese würden von Hintergrundgremien durch Herbei- und Durchführung gesteuert, die Carr die „Synagoge des Satans“ nennt (worin erklärtermaßen keine antisemitische Ausrichtung bestehen soll).

Eine solche harte These mit klarer Benennung von Akteuren sollte für weitere Veröffentlichungen prototypisch sein. Die Nachfolger unterscheiden sich jedoch in Tonfall und Konzeption. G. Edward Griffin wurde nach Veröffentlichungen seit den 60er Jahren mit Die Kreatur von Jekyll Island (1994) am bekanntesten. Darin beschreibt er die Gründung der US-amerikanischen Zentralbank „Federal Reserve“ durch einen Zirkel von Großbankern und Industrie-Mogulen.

G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island (1994)

Es sind wesentlich die Argumente aus Texten von Carr und Griffin, die mit dem Grundaufbau der Thesen jüngerer Autoren korrelieren: mit Jan van Helsings (d. i. Jan Udo Holey)[8] Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert (1995), Stefan Erdmanns[9] Banken, Brot und Bomben (2003) und in David Icke mit einem der international bekannten Autoren (Das größte Geheimnis, 2004/09).[10] Bei van Helsing und Icke werden in einzelnen Büchern paranormale Phänomene in das Gesamtszenario integriert. Ihre Arbeiten zu UFOs haben einen weiteren Nachfolger in Johannes Jürgenson (Das Gegenteil ist wahr, 2005).[11] Jürgenson tendiert, wie auch Heiner Gehring (Versklavte Gehirne, 2004), zu weitreichenden Behauptungen über die Anwendung von Techniken psychischer Manipulation und invasiver geheimmedizinischer Methoden.

Ein spezielles Thema, dem von seinen Diskutanten jedoch zentrale Bedeutung zugeschrieben wird, ist die Geschichte der Familie Rothschild,[12] die als jüdische Bankiersdynastie seit dem frühen 19. Jahrhundert für etwa hundert Jahre bekanntermaßen die reichste Bank der Welt leitete. Eine Reihe von Büchern und eine Fülle von Internetseiten sieht in den Rothschilds die heimlichen Herrscher des Planeten. (Zumindest in ihren historisch verbürgten Geschäftspraktiken gehören sie durch Finanzierung von Kriegsparteien jedenfalls zu Kriegstreibern und Profiteuren.) Ein verschwörungstheoretisches Literaturbeispiel hierzu ist Andrew Carrington Hitchcocks Satans Banker (2007), das im Original ebenfalls den Begriff der Synagogue of Satan führt.

  

Wie van Helsing hat auch der katholische Autor Johannes Rothkranz[13] zeitweise Probleme mit dem juristischen Vorwurf der Volksverhetzung. Mit Die Protokolle der Weisen von Zion – erfüllt! (1994ff.) versucht er, anhand realhistorischer Vorkommnisse den Modellcharakter des kompilierten Textes der Protokolle (1903)[14] für die Folgezeit nachzuweisen. Die Freimaurerei ist für ihn eine wesentliche Agentur weltumspannender Verschwörung.

Wie der eingangs erwähnte Mills gehört der US-Amerikaner Carroll Quigley[15] (u. a. Universitätsprofessor der späteren US-Präsidenten Bill Clinton) zu den allgemein anerkannten Autoren dieses Themenfeldes. Er beschrieb aufgrund umfangreicher Archivstudien etwa den Einfluss des „Royal Institute of International Affairs“ und des „Council on Foreign Relations“ (s. u.). Im deutschsprachigen Bereich steht Hans-Jürgen Krysmanski für eine vergleichbare Perspektive der soziologischen Eliteforschung.[16] Mit seinem Hauptwerk America's Secret Establishment. An Introduction to the Order of Skull & Bones (1983)[17] hat der britische Historiker Antony Sutton[18] eine der Inspirationen für die skeptische Betrachtung von „Skull & Bones“ gegeben. Die exklusive Studentenverbindung ist Ausgangspunkt von Karrieren etwa der Bush-Dynastie und wurde von dem republikanischen Politiker und Freimaurer William Howard Taft[19] mitgegründet.

Als Beitrag zur gegenwärtigen Debatte über die Eskalation von Finanzkrisen und Fehlentwicklungen im Gesamtsystem der Weltwirtschaft ist Das Kapitalismus-Komplott (2010) konzipiert. Der Journalist Oliver Janich stellt darin Wirtschaftstheorien einer Sicht des realen Wirtschaftslebens gegenüber, die dieses als von radikalen Geheimstrategien und Desinformationskampagnen bestimmt sieht.


Nicht-staatliche politische Organisationen und Think Tanks

Programm der ersten Bilderberg-Konferenz (1954)

Neben Quigley (s. o.) war es Gary Allen,[20] der mit „Die Insider“ (1972) und anderen Büchern die Bedeutung von Organsiationen wie dem „Council on Foreign Relations“ (CFR), der „Trilateralen Kommission“ und den „Bilderbergern“ herausstellte. Dies führte ihn auch zu einer einzelnen Arbeit über die Rockefellers („Die Rockefeller-Papiere“, 1976). Die Freimaurer sind auch bei diesem konservativen Autor die Protagonisten eines Welteroberungsplanes.

David Rockefeller ist über Jahrzehnte an den drei genannten Institutionen maßgeblich beteiligt und, neben Henry Kissinger, einer der Nestoren des internationalen Netzwerkens, als das sich seine Arbeit auch öffentlich zu erkennen gibt. Der CFR[21] ist eine der Durchgangsstationen (nicht nur) für alle wichtigen US-amerikanischen Politiker, zumindest des Außenressorts. Die von Rockefeller gegründete Trilaterale Kommission[22] führt seit 1973 Mitglieder aus Europa, Nordamerika und Japan zusammen, um politische Aktivitäten zu koordinieren. Die Bilderberger[23] schließlich sind jene Organisation, die einen noch höheren Geheimhaltungskodex einhält, wobei Teilnehmerlisten ihrer jährlichen Treffen von Politikern, Managern und Medienmächtigen veröffentlicht werden.

Dem Thema Bilderberger haben sich Autoren wie Andreas von Rétyi und Gerhard Wisnewski in Büchern gewidmet.[24] Weitere Organisationen lassen sich einer solchen Konzipierung der geheimen Weltherrschaft anschließen, wie etwa im Folgenden an den Thesen von John Coleman erläutert. Neben dem von Coleman eingehend beschriebenen britischen „Tavistock Institute“ ist es in den USA die „RAND Corporation“,[25] die als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik, Militär und Geheimdiensten operiert.


Illuminaten

  

Das öffentlich zugänglichen Quellen zufolge kurzlebige Projekt des deutschen Ordens der „Illuminaten“ (1776-85)[26] ist bis heute Spekulationen über eine geheime Fortführung der Aktivitäten ausgesetzt. Eine besondere, auch personelle Verbindung bestand in der von Adam Weishaupt gegründeten Vereinigung zu damaligen Freimaurer-Logen. Der Illuminatenorden war nach einem vergleichbaren hierarchischen Prinzip aufgebaut und vertrat explizit aufklärerische Ziele, u. a. eine Zurückweisung der Rosenkreuzer. Diese Ausrichtung wird von verschwörungstheoretischen Historikern jedoch bestritten und die Gruppe um Weishaupt als Ausgangspunkt einer langwährenden internationalen Konspiration bestimmt.

Illuminaten oder Illuminati sind mittlerweile in einen erweiterten Sprachgebrauch bis hin zu populärkulturellen Szenen eingesickert. Einen wichtigen Beitrag leistete hierzu die Roman-Trilogie Illuminatus! (1969-71) von Robert Shea und Robert Anton Wilson,[27] die in Kombination mit satirischen und von psychedelischen Drogen inspirierten Fantasmagorien eine neue Phase in der öffentlichen Wahrnehmung konspiratologischer Vorstellungswelten einläutete, hier aus einem gegenkulturellen Kontext heraus.

Texe Marrs: Codex Magica (2005)

Mit einem zionismuskritischen Programm verwendet der jüdische Sachbuch-Autor Henry Makow den Terminus: Illuminati. The Cult That Hijacked the World (2008). Auch hier werden umfassende Manipulationen weltgeschichtlicher Ereignisse durch eine so benannte Gruppierung von Mächtigen vermutet.

Für die kulturellen Symptome elitärer Machtstrategien hat Texe Marrs, christlicher Autor und ehemaliger Officer der „US Army“, mit Codex Magica (2005), dessen Untertitel Secret Signs, Mysterious Symbols, and Hidden Codes of the Illuminati verheißt, eine kommentierte Sammlung zahlreicher Bilddokumente zusammengetragen.


Komittee der 300

Organigramm des Netzwerkes unter dem „Komittee der 300“ von John Coleman

Der US-Amerikaner John Coleman[28] vertritt in meheren Buchveröffentlichungen die These, dass hinter allen maßgeblichen Institutionen der westlich orientierten Welt ein Verbund von Personen agiere, die er das „Komittee der 300“ nennt.[29] Dieses wirke über internationale politische Dachorganisationen, öffentliche Einrichtungen, Forschungsinstitute, Elite-Netzwerke, Industrieunternehmen und Medienkonzerne bis hin zu kriminellen Organisationen wesentlich auf den Verlauf der Historie ein. Ausgangspunkt seines Begriffs ist eine Buchveröffentlichung des Weimarer Reichsaußenministers Walther Rathenau:[30]

Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung.[31]

Besonderes Augenmerk richtet Coleman auf das britische „Tavistock Institute of Human Relations“ (TIHR)[32] und den „Club of Rome“,[33] über die er separate Buchveröffentlichungen vorlegte.[34]

Coleman geht von einer weitreichenden Manipulation des öffentlichen Lebens, v. a. von Politik und Medien, durch Hintergrundgremien aus dem Umkreis des Komittees der 300 aus. Dabei richten sich immer wieder Appelle an die US-amerikanische Leserschaft, die Ausbeutung ihrer Landsleute durch eine Schattenregierung aus Funktionsträgern von Großbanken und Industriekonzernen zu erkennen und dem historisch anhaltenden so verstandenen Niedergang einer freiheitlichen Lebensordnung entgegenzuwirken. Am Rande des Textes wird auch immer wieder die Gegensätzlichkeit solcher Herrschaftsformen zur christlichen Tradition betont, die etwa über Ideologien und Strategien der Freimaurerei zerstört werde.

Zentrale Personen für das Komittee der 300 sind in der Darstellung des Autors der Bankier Averell Harriman,[35] die Rockefellers und Bushs sowie der belgische Politiker und Geschäftsmann Étienne Davignon.[36] „An der Spitze der Liste stehen die internationalen Bankiers, angeführt von den Rothschilds.“[37] Begründerin sei die britische Kolonialmacht, vertreten durch das Königshaus und die „East India Company“.[38]

Vereinzelt finden sich bei Coleman auch Hinweise auf die Bedeutung okkultistischer Tendenzen in sozialen Eliten und Geheimdiensten.[39]



Okkultismus als Fundament von Politik, Kultur und Historie

  

Nach der Ablösung der spirituellen Begründung weltlicher Herrschaft im Gottkönigtum und der primären Machtausübung christlicher Kirchen in Europa durch die Ideen der Moderne trat die öffentliche Artikulation mystischer Motivationen für politisches Handeln ebenfalls in den Hintergrund.

Wesentliche Beispiele für die Bedeutung, die Mystik dennoch in Lebensbereichen wie der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst behalten haben, sind der moderne Spiritismus und Satanismus. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden auf verschiedene Weise Traditionen des Geisterglaubens und des Versuchs, mit transzendenten Sphären in Kontakt zu treten, gepflegt.[40] V. a. seit dem frühen 20. Jahrhundert und der mystagogischen wie konspirativen Tätigkeit von Aleister Crowley[41] wurde die Bewegung des Satanismus prominent. Im Zusammenhang mit der zu diesem Zeitpunkt langsam zurückgehenden öffentlich bekannten Macht der Freimaurer etablierte nachhaltig außerdem der sog. „Taxil-Schwindel“ (1885-97)[42] den Konnex von Freimaurerei und Teufelsanbetung.

V. a. Autoren der anglo-amerikanischen Welt haben – neben bereits erwähnten – seit einigen Jahrzehnten auf okkulte Strömungen unter den offiziellen politischen Institutionen und hinter historischen Begebenheiten hingewiesen.[43] Manly P. Hall[44] beschrieb in The Secret Destiny of America (1944) den platonischen Motivationen der Gründerväter der USA, sowie deren flankierenden Gebrauch okkulter Symbole. In Deutschland rekonstruierte Dieter Rüggeberg in Betrachtung zahlreicher historischer Quellen ein Verschwörungsszenario von global operierenden Freimaurer-Logen, in denen er eine schwarzmagische Geopolitik am Werk sieht (Geheimpolitik, 2 Bd., 1990/94). Wolfgang Eggert setzt in Israels Geheimvatikan (3 Bd., 2001) den Akzent auf ein zionistisches Fundament einer ebenfalls freimaurerisch organisierten supranationalen Elite, die zudem einem endzeitlichen biblischen Programm der jüdisch-chassadischen Chabad-Gruppierung folge. In der Gegenwart sind es Jonathan Black (d. i. Mark Booth, Die geheime Geschichte der Welt. Geheimgesellschaften und das okkulte Wissen der Menschheit, 2008) und Mitch Horowitz (Occult America. White House Seances, Ouija Circles, Masons, and the Secret Mystic History of Our Nation, 2009), die solche Perspektiven aufgreifen.


Die Rolle des Kinos und der audiovisuellen Medien

Fotografie und Bewegtbilder als Medieninhalte der Moderne haben durch ihre Massenwirksamkeit entscheidende Bedeutung für ein Urteil über Strategien, die in politischer Berichterstattung und Agitation sowie als kulturelles Begleitprogramm als Hinweise auf die Existenz von Geheimgesellschaften ablesbar sind.

  

Die Perspektive richtet sich dabei auf Inhaltsanalysen und Personen, durch deren Beschreibung Motivationen und praktische Anwendungen konspirationistischer Machtprinzipien deutlich werden können. Der Modus der Durchführung basiert dabei – beurteilt nach öffentlich zugänglichen Dokumenten – auf direkten und indirekten Interaktionen von Eliten und Kulturschaffenden. Der Film hat mit der Repräsentation existierender Traditionen – wie historisch früher etabliert der Architektur – zu einer neuartigen Präsenz von als mächtig angesehenen Symbolen und Symbolen der Macht geführt. Wie Bildkunst und Architektur vergangener Jahrhunderte, die in Filmen erscheinen, sind sie zudem mit Konzepten okkulter Überlieferungen verknüpft. Symbole, Motive und wahrnehmungspsychologische Routinen aus der religiös motivierten Bildpraxis, der psychologischen Forschung, des geheimdienstlichen Interesses und der apokryphen oder synthetischen esoterischen Disziplinen finden Eingang in die kulturindustrielle Schöpfung.

Daniel Hermsdorf:
Glotze fatal (2010)

Auf allgemeiner Ebene ist Noam Chomsky mit Arbeiten wie Media Control (1997)[45] einer jener, die in neuerer Zeit zur Machtsoziologie der Kommunikationssysteme beitragen. Er weist deutlich auf die Machinationen des militärisch-industriellen Komplexes in der Informationsübermittlung v. a. über Zeitungen, Radio und Fernsehen hin.

Mit anderen politisch-weltanschaulichen Ausrichtungen und Schwerpunkten finden sich in den letzten Jahren in der deutschsprachigen Publikationslandschaft Bücher von Frank Hills, die die über Massenmedien wahrnehmbaren Zeichenstrukturen als Äußerung eines geheimen satanistisch-freimaurerischen Spitzengremiums interpretieren (Okkulte und freimaurerische Zahlensymbolik in Politik, Kultur und Presse – Die alchemistische Umwandlung der Menschheit, 2009ff.). Hier wird – wie von Rothkranz – auf Freimaurer-Signale in der Presse hingewiesen. In vielen Ereignissen werden Codierungen mit Zahlensymboliken vorgefunden, die auf Verursacher mit einem okkultistischen Programm hindeuten.

Ein unter dem Pseudonym „M. A. Verick“ firmierender Autor hat mit Das Medienmonopol (2006)[46] eine umfangreiche Materialsammlung zu Personal- und Wirtschaftsstrukturen sowie Fallbeispielen für Medienmanipulation zugunsten von Einzelgruppen und Eliten vorgelegt.

Auf dieser Website informieren die Bücher und Blogs der TV-kritischen „Glotze fatal“[47] und des „GesichterWissens“[48] über konspiratologische Betrachtungsweisen und Anzeichen von Konspiration in historischen und aktuellen Medienereignissen.




Schluss

  

Mit Ausnahme Chomskys profilieren sich alle genannten Autoren in einer Beschreibung der Welt, die nur in Grad und Art der aktiven und zielgerichteten Manipulation durch Eliten variiert. Die traditionsreiche Freimaurerei ist eine der am häufigsten genannten verdächtigen Gruppierungen, die für Schattenregierungen und Marionettenspiele in Frage kommen. Gruppenzugehörigkeiten wie etwa bei Skull & Bones sind z. T. öffentlich bekannt.

Die Herangehensweise in den genannten Diskursen richtet ein Augenmerk auf konkret benennbare Organisationsstrukturen und Personen. Darin unterscheidet sie sich von Sozial- und Geisteswissenschaften, die seit den 1960er Jahren zu einem Verständnis von Machtmechanismen als apersonal und abstrakt tendieren. Für den Leser solcher Theorien der Verschwörung stellt sich noch immer die Frage, ob die Kohärenz vieler Benennungen möglicher Verantwortlicher und Drahtzieher der Wahrheit nicht näher ist als die Beteuerung, Verschwörungstheorien seien reine Projektion.






Quellen

  1. Vgl. bspw.: Klausnitzer, Ralf (2007): Poesie und Konspiration. Beziehungssinn und Zeichenökonomie von Verschwörungsszenarien in Publizistik, Literatur und Wissenschaft 1750-1850. Berlin / New York
  2. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  3. Vgl. Wikipedia-Eintrag „Elitesoziologie“
  4. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  5. Vgl. bspw.: Domhoff, G. William (2005): The Class-Domination Theory of Power. ucsc.edu ; Elwell, Frank: The Sociology of C. Wright Mills. faculty.rsu.edu (Abrufe: Januar 2012)
  6. Vgl. Wikipedia-Eintrag (engl.)
  7. Carr, William Guy (1955): Pawns in the Game. Willowdale, Ontario. Online-Version (Abruf: Januar 2012)
  8. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  9. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  10. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  11. Jürgenson, Johannes (2005): Das Gegenteil ist wahr. Erster Band: Geheime Politik und der Griff nach der Weltherrschaft. Marktoberdorf, 2. Aufl. Online-Version
  12. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  13. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  14. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  15. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  16. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  17. Sutton, Antony (2004): America's Secret Establishment. An Introduction to the Order of Skull & Bones. Walterville, Oregon (OA., am.: 1983). Volltext
  18. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  19. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  20. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  21. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  22. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  23. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  24. Vgl. Literaturliste „Geheimgesellschaften – Literaturliste“
  25. Vgl. Wikipedia-Eintrag; sowie: Ploppa, Hermann (2003): RAND Corporation: Bellizentrische Köpfe. Ein privater Think Tank als Staat im Staate. Marxistische Blätter. Heft 6 / 2003.
  26. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  27. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  28. Zur Biografie vgl. Wikipedia-Eintrag (engl.)
  29. Coleman, John (2011): Die Hierarchie der Verschwörer: Das Komittee der 300. Gelnhausen-Roth, 2. Aufl. (OA., am.: 1992)
  30. Zur Biografie vgl. Wikipedia-Eintrag
  31. Rathenau, Walther (1922): Zur Kritik der Zeit. Berlin, S. 207. Online-Version
  32. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  33. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  34. Coleman, John (2011): Der Club of Rome. Die größte „Denkfabrik“ der Neuen Weltordnung. Gelnhausen-Roth (OA., am.: 2008); ders. (2011): Das Tavistock Institut. Auftrag: Manipulation. Gelnhausen-Roth (OA., am.: 2005)
  35. Vgl. Wikipedia-Eintrag,
  36. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  37. Coleman, John (2011): Die Hierarchie der Verschwörer: Das Komittee der 300. Gelnhausen-Roth, 2. Aufl. (OA., am.: 1992), S. 115
  38. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  39. Vgl. Coleman, John (2011): Die Hierarchie der Verschwörer: Das Komittee der 300. Gelnhausen-Roth, 2. Aufl. (OA., am.: 1992), S. 123f.
  40. Vgl. bspw.: Webb, James (2008): Die Flucht vor der Vernunft. Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Wiesbaden (OA., engl.: 1974); ders. (2008): Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur und Okkultismus im 20. Jahrhundert. Wiesbaden (OA., engl.: 1976)
  41. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  42. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  43. Zur Aktualität okkultistischer Symbolik für US-amerikanische Eliten vgl. beispielhaft: Celebrities with Deseases (2011): The Rockefeller Building is an occultist dream. celebrities-with-diseases.com. 31.05.2011 (Abruf: Januar 2012).
  44. Vgl. Wikipedia-Eintrag (engl.)
  45. Vgl. Wikipedia-Eintrag
  46. Verick, M. A. (2006): Das Medienmonopol. Gedankenkontrolle und Manipulation der Dunkelmächte. Weinheim. Online-Version (Abruf: Januar 2012)
  47. Hermsdorf, Daniel (2010): Glotze fatal. Wie TV-Unterhaltung Leben zerstört. Bochum; Blog: glotzefatal.de
  48. Hermsdorf, Daniel (2012): GesichterWissen. Wie Porträts die Welt neu erklären 1. Bochum; Web-Portal: www.gesichterwissen.de



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