Mit ‘Kopp-Verlag’ getaggte Artikel

Nachricht-Klartext – Gehirnwäsche in Oslo


Donnerstag, 28. Juli 2011, 15:59 Uhr. Autor:

Screenshot: ARD, 24.07.2011 (Montage)

Guten Abend, meine Damen und Herren.

Nach den Anschlägen im norwegischen Oslo werden nun immer mehr Einzelheiten der Vorbereitung durch den angeblichen Einzeltäter Anders Breivik bekannt. Beobachter erkennen am Tathergang ein Muster, das mittlerweile aus einer Reihe von Fällen bekannt ist. So berichtete „Der Spiegel“ über die Unklarheiten im Fall des Anschlags auf das Münchener Oktoberfest im September 1980, bei dem die Ermittlungsbehörden ebenfalls von einem verirrten Einzeltäter ausgegangen seien. Hingegen bestehe der begründete Verdacht, dass der bei dem Anschlag selbst ums Leben gekommene Gundolf Köhler zumindest von seinem Umfeld zu dieser Tat angeleitet worden sei. Darüber hinaus lägen Hinweise vor, dass er aus Depots der von der NATO und westlichen Geheimdiensten betriebenen Organisation „Gladio“ mit Sprengstoff ausgestattet worden sein könnte. Die dahingehenden Ermittlungen waren seinerzeit durch den angeblichen Selbstmord des wichtigsten Zeugen, Heinz Lembke, zum Erliegen gekommen.

Zu den Verdächtigen gehören im Fall Breivik unter anderem die Angehörigen der Freimaurerloge „St. Olaus til de tre Søiler“. Auf ihrer Website bedauert die Vereinigung den Vorfall und sagt Unterstützung bei der Aufklärung der Tatumstände zu. Führende norwegische Politiker drängen nun darauf, die im Freimaurer-Milieu übliche Geheimhaltung per Gerichtsbeschluss aufzuheben. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Ermittlungen voraussichtlich durch die anzunehmende Willkür der Informationspreisgabe durch den Verein behindert werde. Auch werde gründlich geprüft, ob Angehörige der Polizei und der Gerichtsbarkeit Verbindungen zu Freimaurer-Logen unterhalten und dementsprechend befangen seien. Hierzu sei die Offenlegung der Mitgliederlisten zwingend notwendig. Sonst blieben die Ermittlungen eine Farce.

Screenshot: ARD, 24.07.2011 (Montage)

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die selbst auf zahlreichen Internetseiten verdächtigt wird, sich durch Handgesten als Freimaurerin zu erkennen zu geben, äußerte sich überraschend kritisch zum Umgang mit dem Attentat: „Die wahnsinnige Gewalttat von Anders Breivik darf jetzt nicht dazu führen, dass wir das Thema Geburtenrückgang und Islamisierung auf die leichte Schulter nehmen. Gerade ich als Bundeskanzlerin plädiere dafür, dass auch hiesige Populationen sich fortpflanzen, wie es in muslimisch geprägten Ländern der Fall ist.“

Der Attentäter Breivik entwickelt in seinem durch das Internet kursierenden 1500seitigen Manifest u. a. Pläne für nationalstaatliche Neuordnungen Europas, die die hergebrachten Ansiedlungen ethnischer Gruppierungen stärker berücksichtigen.

Dazu Merkel: „In puncto Grenzziehungen ist da in der Vergangenheit Einiges schiefgelaufen, das wir nun korrigieren müssen. Es wirkt ja geradezu, als hätte die Waffenlobby durch unlogische Gebietsaufteilungen etwa in Kriegsfolge dafür gesorgt, dass hierdurch nur wieder neue Konflikte entstehen. Als christliche Partei stehen wir natürlich für die Vermeidung gewaltsamer Konflikte ein und ich habe auch schon mit Ban Ki-moon darüber gesprochen.“

Außenminister Guido Westerwelle zeigte Verständnis für einige der grundsätzlichen Anliegen des Attentäters von Oslo, auch wenn er dessen Vorgehensweise zuvor ausdrücklich missbilligte: „Anders Breivik hat das Problem der Überalterung westlicher Industrienation und die abzusehenden eminenten wirtschaftlichen Probleme, die hieraus resultieren, durchaus klar erkannt. Gerade wir als FDP stehen für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung, in der der Hinweis auf eine Erhaltung kultureller Werte wie etwa der deutschen Sprache nicht als Extremismus stigmatisiert werden darf.“

In einer Pressekonferenz sorgte sich Innenminister Hans-Peter Friedrich vor allem darüber, dass sich die vom deutschen Verfassungsschutz betriebene Terror-Taktik der 1970er und 80er Jahre in anderer Gestalt wiederholen könnte: „In dem gerade in der Mainstream-Presse ausführlich besprochenen Prozess gegen die RAF-Terroristin Verena Becker haben wir gesehen, wie staatliche Stellen auf Gewalttaten des politischen Radikalismus Einfluss genommen haben; voraussichtlich werden wir dazu in Zukunft noch mehr erfahren. Aufgrund meiner rechtsstaatlichen Grundsätze werde ich mich bei den norwegischen Kollegen dafür einsetzen, dass auch in dieser Richtung gründlich ermittelt wird.“

Einig war man sich in Berliner Regierungskreisen, dass es mit Trauer, Kranzniederlegungen und rhetorischen Beteuerungen einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung nicht getan sei. Der verständlichen emotionalen Reaktion auf den Tod von Unschuldigen müsse eine Analyse der Entstehung von Breiviks Mordplänen und der Tragfähigkeit seiner Argumente folgen. Sonst werde es zu einer unkontrollierten Heroisierung und unreflektierten Aneignung auch unhaltbarer Positionen des Manifesttextes z. B. in der Internet-Gemeinde kommen.

Die Redaktion der „tagesschau“ bereitete sich bei der Auswahl ihrer Nachrichten und der Gestaltung ihrer Kommentare u. a. durch die Lektüre des Buches „Gehirnwäsche“ von Dominic Streatfeild vor und ist bemüht, in Zukunft Mördern und Manipulatoren aus den Reihen westlicher Geheimdienste nicht mehr so leicht auf den Leim zu gehen.

Und nun das Wetter.

Welche Apokalypse ist die erste?


Freitag, 10. September 2010, 2:37 Uhr. Autor:

Es trifft sich, dass ich im letzten Eintrag etwas zur Zwangsdramaturgie ‚zum Guten hin‘ im Magazin „nano“ (3sat) bemerkte. Seit gestern ist auf der Website des Kopp-Verlags ein schönes Gegenbeispiel dazu zu sehen – mit, zugegeben, nicht zwingend ‚objektiveren‘ Resultaten.

So steuern die „KOPP Nachrichten“ vom 09.09.2010 durch einen für das Verlagsprogramm repräsentativen Parcours der Finanzskandale und kulturellen Kollapse nicht auf die für Fernsehprogramme üblichen „vermischten Meldungen“ oder den Sport als Schlussmeldung hin, sondern auf ein kosmologisches Thema der – für menschliche Verhältnisse – Superlative: die Umpolung des Magnetfeldes der Erde. Dazu informiert weiterführend ein Artikel auf derselben Website von Andreas von Rétyi.

Publikationen und Web-Inhalte dieses Verlags sind durchaus eine interessante Ergänzung zu Einheitsmeinungen anderer Medien(verbünde) – wie hier schon einmal angemerkt. Was sich im gesamtheitlichen Diskurs zeigen wird, ist schlicht der Wahrheitsgehalt einzelner Thesen und Meldungen. Der Abgleich von common sense und Subversion, Minderheitsmeinung oder Verschwörungstheorie veranschaulicht eine Art modulare Funktionsweise von Meinungen.

Hat sich die Problematik des „Klimawandels“ einmal über Jahrzehnte in den Mainstream vorgearbeitet, bezieht der Kopp-Verlag bzw. einzelne seiner Autoren – in einer weiter reichenden, aber eher auf alternative Medienangebote beschränkten Phalanx der climategate-Diskussion – dazu wiederum die Gegenposition. Die Frage bleibt, ob dies so ist, weil die kolportierte Meinung der Mehrheit von Klimaforschern falsch ist, oder deshalb, weil gerade kaum jemand mehr diese entgegengesetzte Meinung vertritt.

Die zuvor erwähnte Themenwahl ergänzt diesen Winkelzug um eine weitere diskursstrategische Maßnahme: Statt der allgegenwärtigen – z. T. wörtlich zu nehmenden – Angst vor dem Untergang durch Klimaveränderungen und steigende Meeresspiegel bietet die Apokalyptik-Sektion des Kopp-Verlags als Ersatz eben die ‚Umpolung‘. Oder Sätze wie:

Gerade kürzlich, am vergangenen Mittwoch, dem 8. September, zogen gleich zwei Asteroiden in weniger als Mondentfernung an der Erde vorbei. Es tut sich also was.

Die Frage bleibt auch, ob solche Veröffentlichungen damit nicht in die Fußstapfen von Institutionen treten, deren Lieferungen von Vorstellungen der Endzeit und höllischer Qualen derzeit am Markt nicht mehr so gefragt sind – deren Fragwürdigkeit sich aber mittlerweile schon nachdrücklicher erwiesen hat.

Andere Nachrichten


Donnerstag, 10. Juni 2010, 19:55 Uhr. Autor:

Der Kopp-Verlag erreicht mittlerweile die Auslagen von Buchhandelsketten – bemerkenswert bei einem Sortiment, das z. T. als Verschwörungstheorie in vergangenen Jahren höchstens auf randständigen Websites beworben wurde.

Mit einer aktuellen Website nebst Web-TV-Nachrichten geht Kopp nun in die Online-Offensive. Die alternative bis konspirationistische Weltdeutung seiner Buchpublikationen wird in das Format aktueller Artikel (größtenteils von Autoren des Hauses) und einer Nachrichtensendung mit „tagesschau“-blauem Hintergrund überführt. Die Entsprechung zum öffentlich-rechtlichen Organ verstärkt Eva Herman als Sprecherin, die durch ihre Buchveröffentlichungen beim Staatsfunk in Ungnade fiel.

Antje Hildebrandt beginnt auf „Welt Online“ am 09.06.2010 sogleich das Abwehrgefecht, u. a. mit dem Vorwurf, Herman verlese hier „Bandwurmsätze, die jede Nachrichtenredaktion ihrem Volontär um die Ohren gehauen hätte.“ Sieht man sich das besprochene Format an, will das nicht recht einleuchten. Frau Herman wirkt zwar etwas verbiestert, und man weiß nicht genau, ob dies an dem ausgiebigen Schlechte-Laune-Programm der Nachrichtenauswahl liegt oder an ihrem Gefühl, in den ärmeren Produktionsbedingungen des Netz-Gebroadcaste vielleicht doch definitiv eine Liga abgestiegen zu sein.

Das ändert aber nichts daran, dass derlei mindestens einen interessanten Versuch darstellt, den common sense der traditionsreichen TV-Sender zu pluralisieren. Schließlich gibt es immer mehr und anderes, was berichtenswert wäre, und eine Reihe von Medienkritiken der letzten Jahre (am bekanntesten die von Walter van Rossum) haben gezeigt, wie wenig unumstößlich die Wahrheiten in der angeblich „ersten Reihe“ sind.

Schaut man sich Frau Hildebrandts eigenes redaktionelles Umfeld an, finden sich hierfür auch schnell Beispiele. Michael Kirchberger beweist – ebenfalls am 09.06.2010 – in der Auto-Rubrik von „Welt Online“ seine kritische journalistische Distanz. So sieht er bei einem VW-Golf-Prototypen mit Elektromotor „eine ganze Reihe pfiffiger Ideen, die bei der elektrischen Mobilität Effizienz und Fahrspaß garantieren.“ Nach allerlei Testsprech folgt dann die verhohlene Ernüchterung:

VW geht davon aus, dass sich die Preise für Lithium-Ionen-Akkus in den nächsten vier bis fünf Jahren um etwa die Hälfte auf weniger als 200 Euro je Kilowattstunde reduzieren werden. Weitere Fortschritte sind erst von Batterietypen wie etwa Metall-Luft-Akkus zu erwarten, die zurzeit jedoch lediglich als Labormuster erforscht werden. Sie dürften auch mit kürzeren Ladezeiten auskommen. Bis dahin gilt der Regelsatz, der zur Krux der Elektromobilität wird: Eine Zapfpistole für Dieselkraftstoff fördert in der Minute bis zu 50 Liter, was eine Reichweite von etwa 1000 Kilometer ergibt. Beim Laden einer Batterie reichen 60 Sekunden lediglich für einen Kilometer.

Im „Deutschlandradio“ heißt es bei Sönke Gäthke zu den „Fortschritten“ als „Labormuster“ bei Kirchberger zum Vergleich:

Allerdings hält Wolfgang Steiger von VW das Ganze noch für Grundlagenforschung. Und auch Jens Tübke wagt noch keine Prognose, wann die ersten kommerziellen Metall Luft Akkus auf seinen Prüftisch kommen.

“Ich hoffe, ich erlebe es noch in meiner Berufslaufbahn, solche Zellen wirklich mal von einem kommerziellen Anbieter auf den Prüfstand zu bekommen. Man könnte sagen, dass wir 2015 vielleicht funktionierende Prototypen aus den Laboratorien bekommen, die man schon mal in Versuche reinnehmen kann, wann das Ganze kommerziell angeboten werden kann, ist schwierig zu beantworten.”

So geht es schon etliche Monate in den Mainstream-Medien, die sich von den Werbeanzeigen und -spots der Autoindustrie nicht davon abhalten lassen, eine der wenigen Hoffnungen zu nähren, die Individualverkehr nach derzeitigem Kenntnisstand hat: Strom statt Benzin. Suchen Sie einmal selbst nach Artikeln über Lithium als Rohstoff, und Sie werden eine Reihe von Folgeproblemen bemerken, auch wenn Technikoptimisten sie als Herausforderung formulieren. Das Fraunhofer Institut etwa prognostiziert eine Erschöpfung der bisherigen Lithium-Ressourcen bis 2050. Für die Zeit danach heißt es:

Vorsorglich empfehlen die Wissenschaftler deshalb, frühzeitig ein Recyclingsystem für Lithium aufzubauen sowie langfristig an der Entwicklung alternativer Batterietypen zu arbeiten, die ohne Lithium auskommen. Es ist auch in Betracht zu ziehen, dass Lithium nur in wenigen Ländern vorkommt, von denen einige in politisch instabilen Regionen liegen. Deshalb sind trotz ausreichender geologischer Vorkommen Versorgungsstörungen nicht völlig auszuschließen. Hinzu kommt, dass diese Vorkommen häufig in bislang weitgehend unberührten Ökosystemen, wie Salzseen in Südamerika und China, zu finden sind.

Die Forscher des Fraunhofer ISI geben auch zu bedenken, dass Lithium nicht der einzige Rohstoff ist, der für Elektromobile benötigt wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Versorgungssicherheit weiterer Rohstoffe für die Elektromobilität zu prüfen. Dazu gehören beispielsweise Kobalt für Batterien, Kupfer für die Wicklungen in den Elektromotoren, Indium für Displays und Neodym für den Einsatz bei Magneten in Elektromotoren.

Da gilt es also stets eine Reihe von Unwägbarkeiten zu bedenken. In der Praxis gut bezahlter Print-, Web- oder TV-Journalisten klingt dies jedoch – Zeichen- und Zeitbegrenzungen sei vermutlich Dank – meist anders. So gerade schon bei der „Welt“ gesehen, oder erinnerbar aus einer „tagesschau“ vom 15.09.2009. Darin Ingo Nathusius von der Internationalen Autoausstellung (IAA): „Batterien leichter zu machen und ein System zum Laden und Tauschen aufzubauen, scheint bald machbar.“

Die gestern vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) als „Meilenstein in der Medienpolitik“ bezeichnete vereinheitlichte GEZ-Gebühr pro Haushalt ab 2013 sollte unter dem Konkurrenzdruck alternativer Berichterstattungen auch daraufhin überprüft werden, ob die von ihr Begünstigten sich eher an schwer verdauliche Fakten oder wohlklingende Wunschträume halten. Aber selbst, wenn sie sich des Lobbyismus entledigten – verdienen „tagesschau“-Redakteure in Zukunft nicht auch stets und effektiv an Kopps Hermaniaden oder jedweder Video-Bloggerei mit, die den Content auf diversifizierten Endgeräten liefern?