Archiv für die Kategorie ‘Tod’

TV-Nachrichten und Schmerz


Donnerstag, 5. Juli 2012, 0:59 Uhr. Autor:

Das „Deutsche Ärzteblatt“ berichtet über Tests mit israelischen Patienten, denen TV-Bilder von Raketenangriffen gezeigt wurden:

Mit Hilfe einer Regressionsanalyse stellten die Wissenschaftler fest, dass der Schmerz von den Probanden intensiver empfunden wurde und die sensorische Komponente des Schmerzes überwog, nachdem die Patienten von dem Terroranschlag über die Medien erfahren hatten.

Solche Argumente sind es, die zu manchen coolen Medientheorien eine länger anhaltende Medienwirkungsforschung in Erinnerung rufen. Die Frage bleibt auch, ob der mediale Erlebnismodus mit der menscheitsgeschichtlichen Tradition von Gewalterfahrung als Initation weitgehend oder nur teilweise vergleichbar ist.

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Tatort, Tod und tolle Bilder


Sonntag, 27. Mai 2012, 16:20 Uhr. Autor:

„Die meisten, die auf diesem Tisch landen, wollen noch etwas sagen. Sie schreien die Namen ihrer Mörder heraus – in ihrer Sprache. Und sie haben niemanden, der das übersetzen kann – … nur uns.“ So spricht Ulrich Mühe als Gerichtspathologe Dr. Robert Kolmaar in der ZDF-Serie „Der letzte Zeuge“ (1998-2007). Es war der Auftakt zu einer internationalen Welle von Krimi-Serien, die Obduktionsberichte und Leichenbilder in den Vordergrund rücken, wie die US-amerikanischen „CSI“-Varianten (2000ff.), das italienische „R.I.S. – Delitti imperfetti“ (2005ff., mit deutschem Remake) oder, derzeit besonders populär, der ARD-„Tatort“ aus Münster.

Die RTL-Neuauflage von „R.I.S.“ trug den Untertitel „Die Sprache der Toten“ – als wäre es ein Zitat aus dem Trendsetter „Der letzte Zeuge“. Ja, was sagen sie uns denn? Klar, können wir auch hier einer Krimi-Handlung mit Opfern, Tätern und einer Auflösung folgen. Aber ist der einzige Grund einer solchen Themenwahl die Suche nach Innovationen? Schneller, toter, ekliger?

Das folgende Video verdichtet ein paar Argumente, warum das Auftauchen dieser Ästhetik von Leichenschauhäusern und gerichtspathologischen Fachbegriffen etwas mit unausweichlichen Entwicklungen unserer Gegenwart zu tun hat: mit Überalterung, Ressourcenknappheit und Kulturmüdigkeit.

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Wir sehen in den Filmzitaten eine Bewusstseinsindustrie am Werk, die über alles den Firniss der Todesnähe und Todesverfallenheit legt. Wir können dafür in der Kulturgeschichte über die Jahrhunderte Beispiele finden – die allerdings inhaltlich anders motiviert waren. Außerdem prägen sich heute spezifische Jugendkulturen (Gothic, Vampir-Subkultur) aus, die andere Qualitäten und Quantitäten von Todeskult vorstellen. Buchhandelsketten reservieren mittlerweile ganze Regalwände für Vampirromane. Und neben einem Langzeit-Hit wie „CSI“ (mit einer seit 12 Jahren produzierten Serie ebenso vertreten wie mit zwei andauernden Spin-offs in den US-Großststädten Miami und New York), in Deutschland auf RTL und VOX zu sehen, ist der „Tatort“ Münster mit Jan-Josef Liefers und Axel Prahl in den Hauptrollen ein scheinbar allseits beliebtes Ritual für den Sonntagabend.

Die Lust am Makabren verbindet sich in den Schlüsselszenen in der Gerichtspathologie mit einem technokratischen Jargon, der allerlei Raum zu Doppeldeutigkeiten lässt. Nicht zuletzt betrifft dies immer wieder die Tatsache, dass die Toten uns vielleicht etwas sagen wollen.

(Das Buch „Glotze fatal“ enthält ein Kapitel zum Thema „Todesverfallenheit“, in dem es um diese und andere Aspekte geht.)

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Tatort Hörspiel – Kokain in Serie


Sonntag, 15. April 2012, 16:19 Uhr. Autor:

Wie kaum anders zu erwarten, werden auch die Hörspiele zur ARD-Krimiserie „Tatort“ vom Publikum ‚gut angenommen‘. Die aktuelle Folge des Monats kann man auf der Website des „Radio Tatorts“ umsonst abrufen. Die Download-Zahlen werden mit jeweils über 100.000 angegeben.

Ich machte gestern einmal mit der 50. Jubiläums-Folge die Probe auf den Exitus: „Noch nicht mal Mord“, Buch: Dirk Schmidt. Das Personal der Hörspiele ist ein anderes als in TV-Folgen. In diesem Fall spielt die Geschichte, begleitet von Ruhrgebiets-Slang, in Hamm. Gaststar als Sprecher: Uwe Ochsenknecht.

Von den 58 Minuten hielt ich die Hälfte durch. Da wurde eine Leiche aus dem Klärwerk gezogen – was als olfaktorisches Ereignis verbal transportiert werden musste. Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler Kokain vor – das sogleich einem unerlaubten Praxis-Test unterzogen wurde. Zwischendurch tauchte noch ein sarkastischer Witz über Geschlechtsumwandlung („Totaloperation“) und Muttergeld auf.

Auch die TV-Version erweckt bei mir in Stichproben fortlaufend den Eindruck eines überfälligen, durch Frequenz-Steigerung totgelaufenen Formats, an das sich ein Millionenpublikum unbeirrt in nostalgischer Verklärung und todessehnsüchtiger Geschmacksverirrung klammert. In der besprochenen „Radio Tatort“-Folge finden wir einen weiteren massenmedialen Versuch vor, Leben im Ruhrgebiet durch etwas überzogenen Dialekt und eine gewisse trostlose Atmosphäre zwischen Maloche und aggressivem Verhalten darzustellen. In der PR für die Serie wird derlei als authentisches Lokalkolorit oder gar politisches Statement für den Föderalismus verkauft.

Ein Aufstöhnen erzeugte bei mir der erwähnte Kokain-Fund der fiktiven Ermittler. Seit 10-20 Jahren heben Film und Fernsehen in erheblich gesteigertem Maße die Luxus-Droge in das Massenbewusstsein. Ob Hollywood-Thriller oder Harald Schmidt, Boulevard-Magazin oder Todesnachricht aus dem Reich der Stars – immer und immer wieder Koks.

Hier führt dies zu der auf Einverständnis beim Publikum spekulierenden Vorgehensweise, dass Polizisten „Beweismittel“ durch die eigene Nase ziehen. Ein so versuchter Humor bleibt im aussageschwach Vagen: Polizisten koksen – nein, wie dreist. (Ist es das wirklich? Was sind Realitäten in Kreisen von Ermittlern oder gar von Geheimdiensten? Das könnte frisch und gewagt sein.) Beim Publikum löst derlei entweder aus: 1) Ich habe keine Erfahrung mit Kokain. Durch die Fiktion erhalte ich Einblick in eine Welt, von der ich nicht genau weiß, wie sie in der Wirklichkeit sein mag. So (glaube ich vielleicht mehr, als dass es der Fall ist) kann ich ein wenig mitreden, wenn das Thema aufkommt – Kokain, hahaha. Optional: Vielleicht probiere ich es selbst einmal, wenn sich mir die Gelegenheit bietet. Ich bin neugierig geworden. 2) Ich kokse selbst gelegentlich. Die Figuren sind Leute wie ich.

An diesen kognitiven Optionen einer solchen Darstellung von Drogenkonsum wird zum einen die – durchaus nicht ganz obsolete – alte medienkritische Frage virulent, inwiefern Medieninhalte zu ungesunden und gefährlichen Verhaltensweisen verleiten. Zum Thema Kokain könnte man ein ganzes inhaltsanalytisches Forschungsprojekt durchführen – und würde voraussichtlich zu Ergebnissen kommen, die Medienproduzenten nicht unbedingt recht sein können: Sie fördern in toto wohl effektiv die Schwarzmarkt-Subventionen gen Kolumbien. Die diskursive Dosis-Steigerung der letzten Jahrzehnte ging mit einer Steigerung des realen Konsums einher. So heißt es dann in Hilfsangeboten wie jenem des ambulanten Suchtberatungs- und Behandlungszentrums „seehaus“ in Hamburg:

Kokain hat sich in den letzten Jahren zur (illegalen) Droge Nummer Eins entwickelt. Für viele Menschen begrenzt sich der Konsum von Kokain nur auf eine vorübergehende Lebensspanne und findet in größeren Abständen auf Feiern statt.
Auf der anderen Seite entwickeln aber immer mehr Menschen Probleme im Umgang mit Kokain. Die Nachfrage nach Hilfeangeboten für Kokainkonsumenten hat deutlich zugenommen und zwar sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen.

Schön, dass Autoren von Kokain-Fiktionen auch für öffentlich-rechtliche Medien so gut verdienen. Die Zeche zahlt in einer solchen Hinsicht dann der Steuer- und Abgabenzahler für kostspielige Therapien, die jene beanspruchen, für die Inhalte nicht nur Unterhaltung, sondern auch Bewusstseinsbildung sind – und die sich so zu selbstschädigendem Verhalten anleiten lassen.

Wie ich am selben gestrigen Abend bemerken musste, ist diese Art der Prägung auf harte Drogen mittlerweile auch in entsprechenden Medienangeboten für Kinder und Jugendliche angekommen. In der Hörspiel-Folge „Die drei ??? – Zwillinge der Finsternis“ (2008) finden die jungen Ermittler ebenfalls im Laufe des Falles Kokain vor. (Der Autor der Folge ist Marco Sonnleitner, Lehrer in Memmingen.) Als Jugendlicher las ich selbst etwa die ersten 40 „Drei ???“-Bücher – und kann mich an derlei Inhalte nicht erinnern. Auch hier: Dosis-Steigerung – und: Drogen – und: härtere Drogen.

Im „Drei ???“-Hörspiel darf dann auch Sprecher Martin Semmelrogge jungen Zuhörern die Bedeutung des Wortes „Schnee“ in diesem Kontext erklären. In erwähnten Boulevard-Formaten werden hinwiederum entweder Semmelrogges eigene Drogenerfahrungen oder seine Warnungen davor präsentiert.

Sollte all dies die Alternative zu Prüderie und Verlogenheit in Sachen Rausch sein, haben die auch mit Drogen verbundenen gesellschaftlichen Revolten seit 1960 auf dieser Ebene leider eher Sorglosigkeit und Stumpfheit als Bewusstseinserweiterung hervorgebracht.

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„Derrick“ – die Exhumierung, Teil 2


Samstag, 28. Januar 2012, 18:27 Uhr. Autor:

Am 10.10.2010 fand in diesem Blog die Premiere von „Derrick erklärt den Film“ statt. Sie war verbunden mit der Androhung eines zweiten Teils. In der Zwischenzeit war viel zu tun; deshalb folgt dieser erst jetzt.

Nun treffen Oberinspektor Derrick und Inspektor Klein auf ihre Kollegen aus der Parallelserie „Der Alte“, hier in Video-Schnipseln der ersten Besetzung mit Siegfried Lowitz als Kommissar Köster und Michael Ande als Gerd Heymann (1977ff., Letzterer immer noch im Dienst).

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„Sie müssen mir das, was Sie da erzählen, das müssen Sie mir mal erklären!“ So lautet in einer Szene Derricks Aufforderung, die also als polizeiliche Durchsage die Deutung jedes künstlerischen Werks betrifft. Sie steht im Kontext der Rhetorik des filmischen Gesichts, denn sie ist verbunden mit einer Zeigegeste Tapperts, die wir als ein Thema im „GesichterWissen“ diskutieren.

Screenshot: ZDF

Der Report, der nach einer anderen Aussage von Harry Klein seinen Kollegen Stefan „umhaun“ wird, war also zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich im Umlauf. Wir bemühen uns nach Kräften, verspätete Abhilfe zu schaffen. Würde er von Gesichtern handeln? Es sieht in solchen Serien alles danach aus.

In dieser Montage werden Drehbücher von Herbert Reinecker, der „Derrick“ alleine schrieb, mit Skripts für den „Alten“ von Bruno Hampel, Volker Vogeler und Karl Heinz Willschrei gemixt – alle drei vielbeschäftigte ZDF-Autoren.

Hervorheben möchte ich des Weiteren die Szene, in der Köster und Heymann in der Folge „… tot ist tot“ (D 1985, R: Günter Gräwert, B: Volker Vogeler) über ein vermutliches Betrugsmanöver räsonnieren:

Screenshot: ZDF/3sat

Heymann: „Wie wär’s, wenn es Selbstmord war?“
Köster: „Und die hat das daraus gemacht, was wir hier vorgefunden haben – einen Einbruch und einen Mord, wegen der Versicherung … Jajah …“
Heymann: „Nach dem Motto: Tot ist tot!“

Im Bildhintergrund finden wir in der rau verputzten Wand eine Pfeilerform wieder, die in „Kino Okkult 1 – 11. September 2001“ ausführlichst Thema ist: Sie wird über Jahrzehnte vor 9/11 in Spielfilmen immer und immer wieder in Kontexten eingesetzt, die dem späteren Terroranschlag auf zwei pfeilerförmige Hochhäuser zugeordnet werden können (hier auch erläutert in einem Selbstgespräch des Autors).

Screenshot: ABC, 11.09.2001

Der Inhalt des Dialogs liegt sehr nahe an einer der zentralen Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen von 9/11: Statt eines Anschlags durch islamistische Terroristen („Einbruch“ und „Mord“) habe es sich um eine false flag operation US-amerikanischer Geheimdienst selbst gehandelt („Selbstmord“), eventuell unter Mitwirkung des Pächters der Türme des World Trade Center. Die weitere Vorgehensweise von Figuren in der Serienfolge entspricht dann exakt dem Modus, den die Verschwörungstheorie unterstellt: Versicherungsbetrug unter Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Der verschwörungstheoretische Diskurs ist in Serien wie „Derrick“ und „Der Alte“ fortgesetzt subkutan vorhanden. Er wird lediglich in die Vorstellungs- und Erlebniswelten bürgerlicher Alltagskriminalität transponiert. In der zitierten Folge „Caprese in der Stadt“ (D 1991, R: Alfred Weidenmann) ist es allerdings die in dieser Serie seltenere Variante der organisierten Kriminalität, auf die sich die Aussage bezieht – und damit einen Komplex modernen Verbrechens betrifft, der in Verschwörungstheorien eng mit konspirierenden Eliten verknüpft ist:

Derrick: „Es wird weitergehen. Es wird was passieren. Und sie wissen, dass etwas passieren wird.“ (Klein öffnet mit einem knallenden Geräusch seine „Bonaqa“-Getränkedose.)

Der Modus von Verschwörungstheorien besteht immer darin, dass jemand angibt zu „wissen, dass etwas passieren wird“, oder dass man dies hätte wissen können. Und es geht immer darum, dass es „weitergehen“ wird, dass geheime Mächte am Werk sind, die ihre Strategien fortgesetzt realisieren.

Gerade heute versucht der „Spiegel“ einmal wieder auf besonders hanebüchene Weise, als „Verschwörungstheorie“ stigmatisierte Diskurse unterzubuttern. Jeder Blick in Geschichtsbücher zeigt, welch durchsichtige Propaganda hier betrieben wird. Und die Original-Dialoge in über Jahrzehnte weit verbreiteten Serien wie „Derrick“ und „Der Alte“ sowie zahllose subtilere Anzeichen in solchen Produktionen führen uns auf ganz andere Fährten. Als Leser muss man selbst wissen, wem man sich zur Erforschung dieser Gefilde anvertraut.

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Georg Kreisler und die Musikkritiker


Sonntag, 11. Dezember 2011, 21:48 Uhr. Autor:

Am 28.07.2011 erschien in der „Zeit“ das letzte große Interview mit dem Musiker und Autor Georg Kreisler. Entgegen seinem wiederholten Hinweis darauf, er sei, zumal in den Massenmedien, über die Jahrzehnte weitgehend ignoriert worden und seine Popularität gründe auf Mund-zu-Mund-Propaganda, räumt ihm die Wochenzeitung zu diesem späten Zeitpunkt nun drei Seiten ein.

Da kommt jemand mit 89 Jahren und langem Bühnenleben – vielleicht also kein blutiger Anfänger – zu dem Schluss:

Die Medien, vor allem das Fernsehen, dienen doch bloß noch der lockeren Unterhaltung, der allgemeinen Verblödung. Die Menschen sollen alles gut finden, wie es ist, und vergessen, dass sie regiert werden von einigen wenigen, die nur an sich selber denken und an weiteren Profit.

Als allgemeine Diagnose ist diesen Passagen zuzustimmen. Unbequem wird’s, wenn man konkret fragt, was dies konkret bedeutet und wer hiermit gemeint wäre. Wenn etwas an der These dran ist, dass etwa die Bilderberger-Gruppe an der von Kreisler bemerkten Regierungsform beteiligt ist, dann landen wir schnell wieder bei der „Zeit“: Führende Redaktionsmitglieder wie Josef Joffe oder Matthias Naß sind regelmäßige Gäste im Elite-Club.

Am 22.11.2011 ist Georg Kreisler in Wien an einer schweren Infektion gestorben. Für den Status vieler letzter Interview-Einsichten im medialen Diskurs gilt trotz dieser letzten Ehrbezeugung des Hamburger Zentralorgans abermals die Liturgie vom „Musikkritiker“:

Mich kann auch kein Künstler überlisten,
Da ich ja nicht verstehe, was er tut.
Drum sag ich von jedem Komponisten:
Erst nachdem er tot ist, ist er gut!

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Vom 9/11-Klon der Kriegsgefahr


Sonntag, 18. September 2011, 0:25 Uhr. Autor:

Zum Buch „Kino Okkult 1“ gibt es schon zwei Video-Ankündigungen (siehe weiter unten im Blog). Es scheint aber angebracht, nochmal nachzukarten, und zwar hiermit:

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Das Medienecho zum 10. Jahrestag von 9/11 entsprach ja den Erwartungen. Am eifrigsten brachte „Spiegel Online“ eine Meldung nach der anderen über Trauerakte (wogegen in Maßen nichts spricht) und jede Menge dies und das, damit offensichtlich eine sachliche Debatte über die Widersprüchlichkeiten der offiziellen Version und alle anschließenden Fragen nicht aufkommen sollte. (Und wann, wenn nicht jetzt?)

Jörg Lau darf am 10.09.2011 in der „Zeit“ gemäß dem wie verabredeten Programm der meisten etablierten Presseorgane erst einen Bildband loben, der schreckliche Kriegsfolgen rein visuell und nachträglich dokumentiert; ebenso ein Buch von Bernd Greiner, in dem Lau„die beklemmende Geschichte des Verlusts von Maß und Moral in der Politik“ zu lesen glaubt. Weiter referiert Lau Greiner:

Noch am Nachmittag des Unglückstages begannen Rumsfeld, Wolfowitz und Cheney, neben den Taliban den Irak als wahrscheinlichen Sponsor des Terrors ins Spiel zu bringen.

Der kritische Verstand von „Zeit“-Lesern darf nicht dahingehend überanstrengt werden, was der ehemalige US-Botschafter John Kornblum am 11.09.2011 im „Phoenix“-„Kamingespräch“ zum Irakkrieg aussprach:

Ich weiß nicht, was sie getan hätten, wenn der 11. September nicht da gewesen wäre. Man hätte entweder nichts getan oder man hätte einen anderen Anlass gefunden.

Das Bewusstsein dafür, dass die von Kornblum ebenfalls beklagten hohen Kriegsschulden der USA bei Firmen wie Xe und Halliburton die Kasse klingeln lassen, ist das nächste Puzzlestück zu einem Tableau der Ereignisse, wie sie sich wirklich abspielten. Dass Dick Cheney von der Administration Bush I in den Halliburton-Vorstand und dann in die Administration Bush II wechselte, ist bekannt. Den Einfluss von Xe (vormals „Blackwater“) im Weißen Haus beleuchtet etwa dieser „Salon“-Artikel.

Wie George W. Bush auf Fragen nach der Bedeutung privater Kriegsfirmen reagiert, ist bei dem im oben stehenden Video zitierten Auftritt zu sehen. Wer Frage und Antwort ganz hören möchte:

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Wir sehen schlicht eine nicht vorhandene Dialogbereitschaft (und möglicherweise die Karikatur einer kritischen Fragestellerin als Erstsemesterin, die 9100 % der Eloquenz des Präsidenten demonstriert). Rechenschaft, die Politiker und Parlamente gegenüber Wählern schuldig sind, wird nicht gegeben. Dass ein Politiker, erst einmal im Amt angekommen, nicht mehr das tun muss, was diejenigen wollen, die ihn gewählt haben, spricht Peter Struck (SPD) am 11.09.2011 in der neuen Talkshow „Günther Jauch“ sogar unverhohlen aus:

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Man muss die Damen und Herren wohl noch einmal daran erinnern: Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es zwar von den Parlamentariern, sie seien

Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen
(GG, Artikel 38, Satz 1)

Doch die „Aufträge und Weisungen“ beziehen sich wohl eher auf Lobbyismus (siehe Halliburton und Xe) oder Fraktionszwang – nicht auf die Nicht-Vertretung des Wählerwillens. Da hilft vielleicht das Verfassungsschutzgesetz und

das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszuüben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu wählen
(BVerfSchG, § 4, Absatz 2a)

Sowie ebenda:

der Ausschluß jeder Gewalt- und Willkürherrschaft
(BVerfSchG, § 4, Absatz 2f)

Strucks „Ich folge nicht dem Volkeswillen“ scheint also eine verfassungswidrige Amtsauffassung des Ministers a. D. zu sein – er redet der persönlichen Willkür das Wort (worauf auch immer gegründet) und nicht der Befolgung der „Staatsgewalt“ des Volkes. Spätestens im Nachhinein würde man sich wünschen, dass die Befolgung von Partial- und Privatinteressen durch die US-amerikanische Außenpolitik in die Betrachtung einbezogen würde – und nicht nur die im damaligen Augenblick angeblich gegebene „Verantwortung“ ihrer Verbündeten. Wenn diese Partialinteressen (von Rüstungs- und Ölfirmen oder Banken) für die Post-9/11-Kriege eine Rolle spielen, dann führt ihre Nicht-Erwähnung notwendigerweise zu einer Posse panischer Politiker ohne Bild der Gesamtlage.

Kommen wir noch einmal zurück zu Jörg Laus Bücherschau zum 11. September: Was ihm kritikwürdig erscheint, ist, dass Mathias Bröckers mit seinen als „Verschwörungstheorie“ bezeichneten Arbeiten „ein Geschäftsmodell“ vertrete. Das kann man von rührseligen Kitsch-Kolumnisten oder einseitig interessierten verbeamteten Wissenschaftlern sicher nicht sagen. Oder Lau tut es der Gerechtigkeit halber an anderer Stelle, wer weiß. (Marcus Klöckner beschreibt die selbst unsachlichen Diffamierungsstrategien der Mainstream-Medien gegenüber kritischen Autoren zu 9/11 am 04.09.2011 in „Telepolis“ – Lau liefert ein weiteres Beispiel.)

Lau muss sich dann auch noch wundern, dass W. J. T. Mitchell mit seinem Buch „Das Klonen und der Terror – Der Krieg der Bilder seit 9/11“ einen verbastelten Denkansatz liefert, der 9/11 mit biologischer High Tech verknüpft:

So brillant manche seiner bildpolitischen Beschreibungen sind, so kryptisch bleibt seine Obsession mit dem »Klonen«.

Tja, Herr Lau. Entweder oder. Entweder, man nimmt noch etwas mehr wahr als „beklemmende Geschichten“, wenn sie nicht mehr zu ändern sind, oder man begreift Metaphern nicht und kann es auch den eigenen Lesern nicht erklären. Das oben stehende Video sollte schon beispielhaft verdeutlichen, was die Diskussion des 9/11-Bildprogramms in „Kino Okkult“ ergibt: Die Bilder der Terroranschläge, die uns massenmedial verfolgen, sind allem Anschein nach hochkompliziert gezüchtet, um dann wieder in aller scheinbaren Eindeutigkeit zu mächtigen Symbolen zu werden. Das mag über manche Vorstellungskraft hinausgehen. Dem Selbstverständnis freiheitlicher Gesellschaften widerspricht es in vielem – nicht nur mit Auftragsvergaben ohne öffentliche Ausschreibung (Halliburton via Cheney), sondern vielleicht auch im Klonen von Terroristen, wenn sie schon volljährig sind. Wir werden sehen, ob nochmal wieder jemand diese Rolle spielen will – oder ob wir jene ‚verantwortlich‘ machen, denen Lau am Schluss seines Artikels „Schulden und dubiose Finanzprodukte“ als die wirklich große Gefährung zur Last legt. Mit der Raffinesse von Geheimdiensten und Industrie kann unsere Presse derzeit jedenfalls nicht mithalten. Oder sie verzichtet.

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9/11 – Fragen, Lügen, Flüge 2


Freitag, 9. September 2011, 13:06 Uhr. Autor:

In Teil 1 des Gesprächs hatten wir von Filmszenen gesprochen, in denen die Flugzeugeinschläge an 9/11 in der Filmgeschichte vorweggenommen wurden. Deine bisherigen Beispiele waren mir etwas zu indirekt. Gibt es denn nun Filme, in denen wirklich das Ereignis 9/11, wie wir es kennen, erzählt wird, bevor es eintrat?

Es gibt bekannte Beispiele wie den Pilotfilm der US-Serie „The Lone Gunmen“, in dem wenige Monate vor 9/11 ein Flugzeug ins World Trade Center ferngesteuert werden soll, was man im letzten Moment vereiteln kann. Hier will ein Waffenproduzent die USA in einen Krieg stürzen, von dem er profitieren würde. Es gibt eine Reihe von Action-Szenen des US-Kinos, von „Passwort: Swordfish“ im Jahr 2001 über „Die Hard“ von 1988 bis zurück zu „Flammendes Inferno“ von 1974, in denen die Explosionen an den Hochhäusern fast 1:1 vorkommen. In allen drei Fällen gibt es zudem noch andere komplexe Bezüge zu 9/11, die ich im Buch erläutere. Selten erwähnt, aber nicht ganz unbekannt ist die Tatsache, dass in „Der Schrecken der Medusa“, einem britischen Film von 1978, ein durch Telekinese gelenktes Flugzeug in ein Hochhaus rast. In meinem Trailer zum Buch ist das beispielhaft zu sehen.

Am Anfang des ersten Teils hatten wir das Beispiel aus „Weekend im Waldorf“, in dem sich ein Flugzeug dem Hochhaus nähert. Ist so etwas ein seltenes Beispiel?

Am häufigsten sind Bildargumentationen, in denen ein Flugzeug herannaht, manchmal an der Kamera vorbeisaust – und dann folgt ein Schnitt, der zu Gebäuden überleitet, die mehr oder minder eine Tower- oder Twin-Towers-Form aufweisen. Ich diskutiere auch eine Reihe von Beispielen, in denen mit einer Überblendung gearbeitet wird, in der durch den filmischen Trick ein Flugzeug tatsächlich in das Bauwerk oder die Tower-Formen ‚hineinzufliegen‘ scheint, die in der nächsten Einstellung folgen. Das hat nach meiner Beobachtung System – und zwar deshalb, weil sich in den von mir gewählten Beispielen zahlreiche andere Argumente aufzeigen lassen, die für eine solche Gestaltungsabsicht sprechen. In „Die drei Tage des Condor“ von 1975 gibt es die Variante mit Schnitt am Washingtoner Flughafen. Der Film spielt aber größtenteils in New York, das World Trade Center ist mehrfach im Bild, ist sogar der Standort einer CIA-Filiale, die die Liquidierung eigener Leute abwickelt, weil diese angeblich zuviel wissen. Die John-Grisham-Verfilmung „Die Akte“ von 1993 lässt sich als eine versteckte Attacke auf die Öl-Dynastie der Rockefellers lesen, von der wir schon sprachen. Zwei Figuren, die auf ein Flugzeug überblendet werden, können als Metapher für die Twin Towers und ein Flugzeug, das in diese einschlägt, funktionieren. Die Filmhandlung erzählt von einem Kampf gegen verschwörerisch-mörderische Umtriebe eines Öl-Magnaten, der die US-Regierung korrumpiert und seine Killer losschickt. Die Szene mit der Überblendung dreht sich um einen erpressten Flug, bei dem der Pilot erst nach dem Start erfährt, wohin die Reise eigentlich geht. „911“ kommt im Film zweimal in Gestalt des amerikanischen Telefon-Notrufs vor, einmal als Zahl im Bild, dann im Dialog – beides ist im Roman von Grisham nicht enthalten. Wenn man liest, dass Regisseur Alan J. Pakula, ein Experte für solche Themen seit „Zeuge einer Verschwörung“ von 1974, am 19.11.1998 auf der Autobahn bei New York von einem herabfallenden Metallrohr durchbohrt wurde, überlegt man manchmal schon, ob es gut ist, über so etwas zu reden.

 

Zabriskie Point (1970), Metro-Goldwyn-Mayer/Trianon

Dann gibt es zum Beispiel noch „Zabriskie Point“ von 1970, in dem ein Student auf einem Flugplatz eine Cessna stiehlt. Kurz zuvor beobachtet er ein anderes Flugzeug, das ‚in einen Turm hineinfliegt‘ – allerdings in der Bildtiefe wieder dahinter hervorkommt. Die Figur des Studenten bewegt sich vor einer Reihe von Tower-Formen, Pfeilern eines Gebäudes, vorbei. Auf dem Flugplatz sehen wir den Schriftzug der Firma Northrop. Sie gehört in der 9/11-Verschwörungstheorie zu den Verdächtigen für die Herstellung von Flugdrohnen, die an 9/11 statt der Verkehrsflugzeuge zum Einsatz gekommen sein könnten. „Zabriskie Point“ wird im Nachhinein als paradigmatischer Film der counter culture gelesen. Er zeigt den Gegensatz von Industrie und Geschäftswelt zu den aufmüpfigen Studenten. Das, was man uns von den angeblichen 9/11-Attentätern erzählt, passt in dasselbe Schema: Sie sollen Revoluzzer gewesen sein, die mit sehr beschränkten Mitteln gegen eine Staats- und Wirtschaftsmacht agierten und das Fliegen fast ausschließlich auf Cessnas übten.

Mit den subversiven Kräften eines studentischen Milieus haben wir in diesem Beispiel auch ein Feindbild, das in Deutschland mit der RAF verbunden ist …

Ja. Die Konstruktion von Feindbildern ist für den kulturellen Komplex 9/11 essenziell. Das führt uns etwa zu der ambivalenten Figur von „Batman“, der seit seiner Erfindung 1939 das sogenannte Gute vertritt, indem er zuweilen auch kriminell handelt. Schon bei einem seiner ersten Auftritte in „Detective Comics“ von 1939 bringt er einen größenwahnsinnigen Verbrecher zur Strecke, der die Weltherrschaft an sich reißen will. Batman sprengt dessen feudales Anwesen in die Luft und lässt den Bösewicht, von Gas betäubt, vor der New Yorker Skyline – es ist hier noch nicht Gotham City – mit dem Flugzeug in den Hudson River stürzen. Das ist nur wenige Meter entfernt vom heutigen Areal des World Trade Center.

„Detective Comics“ #33 (1939), DC Comics

Zuvor werden durch Kruger New Yorker Hochhäuser mit rätselhaften Energiewellen von Zeppelinen aus zum Einsturz gebracht. Außerdem ähnelt die Comic-Figur des Supergangsters mit dem deutschen Namen „Carl Kruger“ dem angeblichen 9/11-Hijacker Hamza al-Ghamdi. Es besteht die Möglichkeit, dass etwa die CIA ihn deshalb für seine tragische Rolle auswählte – ob er nun in Flug 175 saß oder auch nicht. Das Bild ist entscheidend, und es ist in der populären Ikonografie der USA physiognomisch vorcodiert: als Gegenspieler von Batman. Ich beschreibe so etwas nicht aus Selbstzweck oder Häme. Ich vertrete die These, dass nach aller Wahrscheinlichkeit mit diesen ästhetischen Mitteln geheimpolitisch gearbeitet wird. Deshalb hilft es wenig, Gesichtervergleiche den Jux-Rubriken von Sport-Zeitschriften zu überlassen. Wer dazu schweigt, ist schon beteiligt.

Du hältst es also für möglich, dass hier gezielt Menschen geopfert wurden – sowohl durch die Auswahl von Attentätern durch ihre Hintermänner und deren mögliche Geheimdienst-Verbindungen, wie auch bei den etwa 3000 Toten durch die Terrorflüge bzw. -anschläge an 9/11?

Faktisch gab es ja ursprünglich die Unterstützung Osama bin Ladens durch die CIA, weshalb man einen solchen inside job nicht frei erfinden muss. Die Frage bleibt, wie weit er ging. Auch der pakistanische Geheimdienst ISI spielt dabei seine Rolle. Die anfangs erwähnte Video-Montage „9/11 Mega Ritual entschlüsselt“ formuliert darüber hinaus das Ereignis als ein Ritual der Opferung. Dafür gibt es gewichtige kulturtheoretische Begründungen, etwa bei René Girard in „Das Heilige und die Gewalt“. Wir haben hier noch wenig über die wirklich okkulten Tendenzen gesprochen, die sich im Bildprogramm 9/11 ablesen lassen. Das sind neben freimaurerischen Traditionen und die ihnen vorausgehende Alchemie mächtige Symbole wie das hinduistisch-buddhistische „Om“, das für das Absolute steht. Eine andere Formulierung der Unendlichkeit ist die Schlange „Ouroboros“, die das zirkuläre Prinzip, die Unendlichkeit verkörpert. Ich zeige in der Bildsprache des Kinos, aber auch an den Selbstdarstellungen des US-Präsidenten, Freimaurers und „Skull & Bones“-Mitglieds William Howard Taft sowie etwa David Rockefellers, wo eine Schlangen-Symbolik auffindbar ist. Und die findet sich ebenfalls in baulichen Details des World Trade Center wie auch in Inszenierungen des Kinos.

Lassen sich durch die Symbole denn besonders verdächtige Gruppierungen und Traditionen identifizieren?

Nur sehr bedingt. Allerdings wurden in der Theosophie und dem Hermetic Order of the Golden Dawn, also zwei modernen Geheimgesellschaften mit zum Teil freimaurerischen Vorbildern, eben gerade alle heiligen Symbole und Riten in ein kombinatorisches Spiel einbezogen. Zu nennen ist dabei auch das Rosenkreuzertum, dass sich historisch wiederum mit der ‚echten‘ Freimaurerei überschneidet. Mit der Rose werden hier auch die leuchtenden Fensterrosen der Kathedralen verbunden. Im Sonnenfeuer vollzieht sich in dieser Vorstellung der Verwandlungsprozess der Wiedergeburt. Im Spanischen heißt „Blumenfest“ Pascua Florida und bezeichnet das christliche Osterfest, das Gedenken an die Auferstehung. George W. Bush befand sich in Florida, als in New York die Explosionen aufflammten. Deshalb mag es kein Zufall sein, dass man in Filmbildern immer wieder herrliche Blüten vor Tower-Formen sieht, die wie der Screenshot des Feuerballs am WTC-Südturm wirken, den wir aus mehreren Perspektiven kennen.

Charleys Tante (1956), Imperial / CBS, 11.09.2001

So kann man es in Beispielen sehen, die etwa die akademische Filmgeschichte bisher weitgehend ignorierte, wie eine deutsche Version von „Charleys Tante“ von 1956. Da wird gerade ein Telegramm vorgelesen, in dem ein Mann seiner Cousine mitteilt, er sei telefonisch nicht zu erreichen, sie solle sich an seinen Sohn wenden. Wieder haben wir ein Stellvertreterverhältnis. Und wo wir bei christlichen Themen sind: In diesem Glauben schickt ja Gott seinen Sohn, um zu sterben und aufzuerstehen.

Aber wäre so eine Inszenierung in der Realität nicht vollkommen abgründig und menschenverachtend?

Den offiziellen Berichten zufolge wollten islamistische Terroristen ein Exempel statuieren. Selbstmordattentate werden in diesem Kontext mit Heilsversprechen verknüpft. Sogar die Architektur des WTC verweist auf den islamischen Kulturkreis mit Spitzbögen, die auf die maurische Bautradition zurückgehen und von dort in die christliche Gotik einwanderten. Den Entwurf zeichnete ein japanisch-stämmiger Amerikaner. Die Frage bleibt, ob dem Mega-Projekt des Internationalismus von Rockefellers Gnaden auch ein Opfer-Ritus zuzuordnen ist, in dem die – eventuell insgeheim forcierte – Eskalation einer Feindschaft an diesem symbolträchtigen Ort zum erwünschten Kriegsgrund wurde. Wir sehen schon auf der Ebene der Tatsachen, dass die Bush-Administration mit manipulierten Wahlergebnissen und gefälschten Kriegsanlässen ihre Agenda durchsetzte. Die Zahl der Toten im Irak und in Afghanistan ist ja noch unvorstellbar viel höher als im WTC. Und man weiß als Beobachter nicht, ob dabei letztlich ein christlich-fundamentalistischer Missionseifer oder der Milliardengewinn für Rüstungs- und Söldner-Firmen oder Ölkonzerne als Motivation überwiegt. Sehr abgründig wird es auch in der Möglichkeit, dass unter den WTC-Gebäuden Atombomben gezündet wurden. Hierzu gäbe es gute Argumente auch in einer bizarren mystischen Perspektive, die die Religionswissenschaftler Victor und Victoria Trimondi „apokalyptischen Nuklearismus“ nennen. Es ist möglich, dass die US-amerikanischen Machteliten und das, was sie mit anderen Traditionen der Macht verbindet, ihr Heil auch im Zugriff auf solche mythischen Systeme suchen. Wenn hier bewusst Massenmorde begangen werden, die man anderen ‚Opferziegen‘ – goats im Geheimdienst-Jargon – in die Schuhe schiebt, scheint man sich in Berufung auf höhere Wesenheiten und Seinsebenen besser zu fühlen. Während des zweiten WTC-Anschlags ließ sich George W. Bush in Florida von Schulkindern seelenruhig die Geschichte von einer Ziege, „The Pet Goat“, vorlesen. So sind offensichtlich die Rollen verteilt.

Hältst du es für aussichtsreich, solche Thesen zu vertreten?

Unsere Gesellschaft muss sich schließlich entscheiden, ob sie einer Logik folgen will, die eine Figur in Alfred Hitchcocks „Saboteur“ von 1942 ausspricht. Hier spielt Otto Kruger – wir hatten diesen Nachnamen gerade beim „Batman“-Bösewicht – den reichen Tobin. Und so hieß auch der Chef der New Yorker Hafenbehörde, der 1942-72 die Planung und den Bau des World Trade Center betreute: Austin J. Tobin. Der Tobin bei Hitchcock begegnet einem jungen Mann, der einen Brandanschlag auf eine Flugzeugfabrik aufklären will. Tobin hat gerade ein Telegramm seines Agenten erhalten, der für ihn die Brandstiftung durchgeführt hat, und sagt nun: „Ich bin ein bekannter Bürger, weithin geachtet. […] Nun, wem von uns, denken Sie, wird die Polizei glauben?“

>> Zu Teil 1 des Selbstgesprächs

Infos und Videos zum Buch:  www.kino-okkult.de


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9/11 – Fragen, Lügen, Flüge 1


Mittwoch, 24. August 2011, 21:27 Uhr. Autor:

„Kino Okkult. Eine geheime Weltgeschichte im Zeitalter des Films 1 – 11. September 2001“ heißt dein neues Buch. Wie war es denn nun wirklich? Hat Hollywood schon 70 Jahre vor 9/11 gewusst, dass auf das World Trade Center ein Anschlag verübt werden würde?

Auf eine Weise ganz bestimmt: Die Verschwörungstheorie des inside job, der konspirativen Lüge als Mittel der Politik, die Idee des Flugzeugeinschlags in ein Gebäude, der Explosion an einem solchen Tower und der Anblick seiner Trümmer schwirren schon so lange herum. Der Trick scheint mir zu sein, dass ein solcher Ablauf zunächst in Einzelepisoden, in visuellen Analogien und Metaphern auftaucht. 1945 flog dann ein Bomber der US-Luftwaffe in das Empire State Building, was eine erste reale Vorstufe zu 9/11 darstellt.

Meinst du das ernst? Das war doch ein Unfall.

Ein Unfall bei Nebel, ja. Ich stelle keine Behauptungen auf, die ich nicht beweisen kann. Ich sammle erst einmal tausend Merkwürdigkeiten aus Kino und Realität und setze sie zueinander in Beziehung. Wenige Monate vor dem Unfall wurde in Hollywood ein Film gedreht, der erst nach dem Unfall in die Kinos kam: „Weekend im Waldorf“. Der endet mit einem Bild, das wie die Momentaufnahmen vor dem Einschlag von Flug 175 im WTC-Südturm wirkt.

Weekend im Waldorf (1945), Metro-Goldwyn-Mayer/Loew’s /
ABC, 11.09.2001

Aber das ist doch sehr weit hergeholt. Ein Hochhaus, ein Flugzeug, die Flugrichtung im Bild, okay – aber hier kommt es doch gar nicht zur Kollision. Ist das nicht deine Projektion?

Man kann meiner Argumentation nicht folgen, wenn man nur Einzelheiten herausgreift und sofort in Frage stellt, bevor man das ganze Argument gehört hat. Das Bild aus „Weekend im Waldorf“ wird dann erst interessant, wenn man es in einen historischen und einen architektonischen Kontext stellt. Wir befinden uns da an einem realen Ort, den es heute noch gibt. Das Luxushotel Waldorf-Astoria wurde 1931 mit der Bauform der Twin Towers versehen.

Weekend im Waldorf (1945), Metro-Goldwyn-Mayer/Loew’s /
CBS, 11.09.2001

Dieser Neubau wurde notwendig, weil das Hotel an einer anderen Stelle abgerissen worden war – damit man dort das Empire State Building errichten konnte, in das 14 Jahre später ein Bomber flog. Das ist der Beginn eines Spiels von Doppelungen und Stellvertreter-Beziehungen: In das Empire State flog ein Bomber, während das neu gebaute Waldorf unbeschadet blieb. Aber wir sahen, dass Hollywood in „Weekend im Waldorf“ rein bildlich einen Beinahe-Crash inszenierte – wenige Monate vor dem wirklichen Ereignis am Empire State. Das nächste berühmte Wahrzeichen der Stadt, das Twin Towers haben sollte, das World Trade Center, wurde, wie wir wissen, 2001 zum Schauplatz eines Flugzeugunglücks. Beteiligt an den Bauten ist im Fall des Waldorf eine der reichsten Familien des 19. Jahrhunderts, die Astors; im Fall des WTC sind es die Rockefellers, die im 20. Jahrhundert in diese Liga aufstiegen. 2001 geriet die Flugzeugkatastrophe an den WTC-Türmen verheerender, und die Gebäude stürzten ein. Seitdem fragt man sich, ob Kreise um die US-Regierung an der Durchführung der Attentate im Modus eines inside job beteiligt waren.

Dann wäre die New Yorker Architektur Schauplatz eines ästhetischen Spiels, das wie eine Allegorie macht- und geopolitische Schachzüge veranschaulicht?

Hier würde ein Spiel mit vertauschten Positionen, mit Stellvertretern sichtbar. Was die terroristische false flag operation als Instrumentalisierung von Gegnern für die eigenen Zwecke besagt, wurde im Stadtbild sozusagen einmal an Gebäuden symbolisch vorweggenommen: ‚Du trittst an meine Stelle und wirst statt meiner vom Flugzeug getroffen.‘ Für 9/11 hätte dies dann geheißen: ‚Du fliegst in ein Hochhaus und weißt nicht, dass du an meiner statt handelst.‘ Astor-Waldorf, Waldorf / Empire State, Rockefeller-WTC, Empire State / WTC, vielleicht noch CIA / Al Qaida – da wechseln nur die Kategorien im selben logischen System: Bauherren, Bauwerk, Bauform, Geheimbünde, Flugzeugeinschläge; Superreiche, Doppeltürme, Verschwörung, Katastrophen. Und die Bauform der Twin Towers verkörpert selbst eine Doppelung, die für ein solches Prinzip grundlegend ist. Das eine muss für das andere austauschbar sein, sonst funktionieren die Logik und/oder die Täuschung nicht. Und es ist eine makabre Ironie, dass ein weiteres Bauwerk dieses Umfelds, Rockefellers Citigroup Center in New York, wegen seiner fragilen Stelzen zeitweise einsturzgefährdet war. In der Architekturtheorie von Le Corbusier, der in den 1940ern zum Rockefeller-Umfeld zählte, heißen diese Pfeiler im Parterre „Pilotis“. Architekt des Citigroup Center war Hugh Stubbins jun., der auch die Berliner Kongresshalle entwarf. 1980 stürzte sie teilweise ein. Ein Wirtschaftsredakteur des Senders Freies Berlin kam zu Tode. Die größte Arbeit des WTC-Architekten Minoru Yamasaki, die Pruitt-Igoe-Siedlung in St. Louis, wurde ab 1972, kurz vor Fertigstellung des WTC, wegen Verwahrlosung kontrolliert gesprengt. In dieser Tradition wird also permanent megalomanisch aufgebaut, wieder eingerissen, neu gebaut und symbolträchtig argumentiert.

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Du unterstellst also den Rockefellers eine Mittäterschaft am Terrorakt von 9/11?

Das wäre eine Verleumdung, und ich bin weder ein Jurist noch ein investigativer politischer Journalist. Ich diskutiere, welche Anzeichen es für eine symbolische Politik gibt, die in diesen Bauten, Ereignissen und Filmen erst einmal zum Faktum geworden ist. Vor allem David Rockefeller ist seit langem Zielscheibe von Verschwörungstheorien, etwa in Gary Allens „Die Rockefeller Papiere“ von 1976. Im Internet nimmt die Aufmerksamkeit für seine Tätigkeiten im „Council on Foreign Relations“, in der „Trilateralen Kommission“ und bei den „Bilderbergern“ seit einigen Jahren wieder zu. Mainstream-Medien berichten wenig bis gar nicht darüber, was auf Dauer fragwürdig sein muss. Rockefeller ist eine graue Eminenz mit mehr Einfluss, als viele Berufspolitiker je hatten. Dazu gehört auch seine jahrzehntelange Tätigkeit für die Rockefeller-Hausbank „Chase Manhattan“. Hier und in den genannten halb- bis nicht-öffentlichen Organisationen ohne demokratische Legitimation werden Leitlinien vorgegeben, von denen gewählte Politiker oft nicht mehr abweichen können. Die Verschwörungstheorie karikiert Letztere deshalb als willenlose Illuminati Puppets.

Kommen wir noch einmal zu den Bildern des Kinos. Du sprachst von Analogien und Metaphern. Was ist damit genau gemeint?

Es gibt noch eine subtilere Argumentationslinie in „Kino Okkult“. Dabei geht es um ein ganzes Set von Motiven, in denen immer wieder die Form der Twin Towers, der Einschlag eines Projektils und die Explosionswolke aufscheinen, die sich uns bis heute wie ein mystisches Mantra ins Gedächtnis prägen. Nehmen wir mal ein Bild aus der Pierre-Richard-Komödie „Der Regenschirmmörder“ von 1980. Da steht die skurrile Hauptfigur zwischen zwei Säulen, und ihr Regenschirm, der in Wirklichkeit eine Mordwaffe mit giftiger Spitze ist, ‚bohrt‘ sich innerhalb der Bildfläche in einen dieser ‚Türme‘.

Der Regenschirmmörder (1980), Gaumont

Und wieder muss ich fragen …

Einen Moment! Auch hier braucht man ein paar Buchseiten, um zu zeigen, dass solch ein Motiv nicht im luftleeren Raum schwebt. Filmemacher, die überdauern, kennen ihre Vor-Bilder, und Bedeutung entsteht wesentlich aus der Tradition. Das ist bei jedem Wort so, das wir hier sprechen. Sonst wären es leere Zeichen, die auf nichts verweisen. – Ich sagte schon, dass der Regenschirm von Pierre Richard ein Mordinstrument ist. Und wo bringt er es unbeabsichtigt zum Einsatz? In einem Flugzeug! Auch hierbei eine visuelle Metapher des ‚Einschlags‘ in einen ‚Tower‘: Die Spitze sticht in das aufrechte Bein eines Killers. Das geschieht unabsichtlich, und der Held denkt ohnehin, er solle in einem Film den Killer spielen, nicht selbst einer sein. So denkt die oppositionelle Verschwörungstheorie über 9/11-Attentäter: dass sie instrumentalisiert worden seien für einen Zweck, der ihnen nicht bekannt war. Der Plot von „Der Regenschirmmörder“ geht übrigens auf einen realen politischen Mord unter Beteiligung des sowjetischen KGB zurück.

Der Regenschirmmörder (1980), Gaumont /
Michael Hezarkhani, CNN

Wenn wir uns dazu noch zwei Beispiele mit Regenschirmen in Spielfilmen ansehen, wiederholen sich dieselben Gesten, und es kommen noch andere bedeutsame Aspekte hinzu: In „The Divorce of Lady X“ von 1938 schwingt Ralph Richardson die Spitze seines Schirms so hoch, dass er auf eine Stelle neben einer kassettierten Tür zeigt. Die Doppelreihe der Holzkassetten in der Tür ist hier in der Höhe dreigeteilt wie die Türme des späteren World Trade Center durch ihre zwei sky lobbies, an denen Fahrstuhlschächte endeten oder anfingen und die an der Fassade deutlich sichtbar waren. Richardson zeigt mit seinem Schirm auf die Höhe des ersten Flugzeugeinschlags, wie man ihn in dem einzigen Video, aufgenommen von Jules Naudet, sieht.

The Divorce of Lady X (1938), www.archive.org /
9/11 (2002), Columbia/Goldfish/Reveille/Silverstar

Gut, wieder so eine Doppeldeutigkeit, die kein Beweis ist.

Richtig, kein Beweis. Aber auch hier sind wir noch nicht fertig mit der Interpretation und dem Kontext. „The Divorce of Lady X“ ist ein britischer Film, Regie Tim Whelan, Produktion Alexander Korda. Ein Jahr später, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, drehten sie „Q Planes“. Wieder spielt Richardson eine Hauptrolle. Wieder fuchtelt er mit einem Schirm herum. Wie der Titel es schon sagt, geht es nun wirklich um Flugzeuge. Und mehr noch: Was du mit deinen Nachfragen hartnäckig anzweifelst, nämlich die Interpretation von Formentsprechung durch Projektion, wird hier in einer Filmhandlung explizit thematisiert, die es bezüglich 9/11 in sich hat: Richardson spielt einen Geheimagenten, der ein Rätsel durch eine Formanalogie löst. Flugzeuge mit geheimer militärischer Technik verschwinden über dem Meer, und keiner weiß, wo sie abgeblieben sind. Richardson spießt beim Nachdenken an einem Marktstand mit seinem Schirm eine Rübe auf. Dann hat er die rettende Eingebung: Die Rübe ist in diesem Moment für ihn das Flugzeug, und der Regenschirm – ist ein unsichtbarer Strahl, der dieses Flugzeug fernsteuert. Exakt jene Vorstellung, die in Verschwörungstheorien zu 9/11 eines der häufigsten Argumente bildet, taucht hier auf: die Fernsteuerung von Flugzeugen, ob mit machtlosen Piloten am Steuer oder als unbemannte Drohne, von der wir dieser Tage aus dem Afghanistan-Krieg hören. – Auch in der Szene in „Q Planes“ ‚fliegt‘ die Rübe auf der Schirmspitze wieder vor Tower-Formen in der Architektur her bzw. ‚in diese hinein‘.

Q Planes (1939), www.archive.org / ABC, 11.09.2001

Das ist schon etwas näher an den Ereignissen von 9/11 dran, stimmt. Und ich muss wieder fragen: Glaubst du, die Filmemacher gehören zu irgendeiner Geheimloge, in der man 1938 als false flag operation Attentate auf Wolkenkratzer geplant hat, die erst ab 1966 gebaut wurden?

Dazu braucht man natürlich Informationen über die beteiligten Personen. Über den Regisseur Tim Whelan ist aus öffentlichen Quellen fast nichts zu erfahren. Der Produzent Alexander Korda ist dafür sehr bekannt: ein ungarischer Jude, nach England emigriert, auch in den USA tätig. Seine Büros wurden zum Teil vom britischen Geheimdienst mitbenutzt. Seine Arbeiten der 40er und 50er, ob „Der Dieb von Bagdad“, „Gefahr am Doro-Paß“ oder „Sturm über dem Nil“, bespielen viele der heutigen Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika. Der erste Korda-Film, den ich bespreche, ist „The Squall“ von 1929, in den USA inszeniert und produziert. Schon hier gibt es Tower-Formen in Serie, für 9/11 metaphorische Handlungen und, wie stets bei Korda, Freimaurer-Symbole.

Das Argument zur Freimaurerei, ihren zwei Tempelsäulen und den Zwillingstürmen kommt in der Video-Montage „9/11 Mega Ritual entschlüsselt“ von 2008 vor. Hast du etwas damit zu tun?

Nein. Die zweite Hälfte dieses Films war für mich ein Anlass, meine eigenen Beobachtungen in dieser Hinsicht zu systematisieren und nach mehr Beispielen zu suchen. Ich gebe ihn im Buch als Quelle an. Wer der Video-Autor „The Hardbitten Heretic“ ist, weiß ich nicht genau. Er möchte anonym bleiben. Robert Stein von „NuoViso“ präsentiert bei einem Vortrag auf „YouTube“ die Thesen von Hardbitten Heretic, als wären es die seinen. Meines Wissens nach ist er nicht diese Person. Aber das Material ist public domain, abrufbar auf www.archive.org.

„9/11 Mega Ritual entschlüsselt“ vertritt in der ersten Hälfte vehement die „No planes“-These. Wie stehst du dazu?

Die öffentlich bekannten Videofilmer, von denen die Bilder des Einschlags in den WTC-Türmen stammen, sind in größerer Zahl Profis, tätig in der Filmproduktion oder sogar bekanntermaßen mit 3-D-Simulationen beschäftigt. Deren Geschäft besteht bisweilen darin, was Clark Gable 1938 im US-Film „Abenteuer in China“ betreibt: massenmediale Fälschung eines Luftangriffs, indem das Ereignis tricktechnisch nachgestellt wird, heute mit digitalen Mitteln. Der Journalist Don Dahler, der in der Nähe von Flugplätzen aufgewachsen ist, beschrieb am 11.09.2001 im Live-Interview auf ABC den zweiten Einschlag vom Klang her als den einer Rakete, nicht eines Flugzeugs. Es gibt Zeugen, die die Flugzeuge gesehen haben wollen, es gibt solche, die in der Nähe waren und sie nicht bemerkten. Eine Reihe der angeblichen Augenzeugen, die „9/11 Mega Ritual entschlüsselt“ zusammenstellt und kommentiert, wirken in der Tat verdächtig. Für die Kenntnis des Tathergangs von abschließenden Gewissheiten zu sprechen, wirkt auf mich unsachlich. Das scheint aber die Sprachregelung in den corporate media zu sein.

Teil 2 des Selbstgesprächs:
Von anarchistischen Studenten, dem schwarzen Ritter „Batman“, 9/11 im Jahr 1978 und der fragwürdigen Mystik des rituellen Opfers.

Infos und Videos zum Buch:  www.kino-okkult.de


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Die okkulte Vorgeschichte des 11. Septembers 2001


Sonntag, 14. August 2011, 17:58 Uhr. Autor:

An diesem Tag war nicht in erster Linie die Glotze fatal, sondern das, was darin zu sehen war: Der 10. Jahrestag des 11. Septembers 2001 nähert sich, und damit auch eine neue Buchveröffentlichung zum filmdenken.

Dazu gibt es nun schon zwei Videos zu sehen, die ein paar der zentralen Thesen mit Beispielen veranschaulichen. Es existieren nun schon eine Reihe von Web-Veröffentlichungen und Videos, die auf okkulte Symbolik in diesem Zusammenhang hinweisen, auch auf Vorankündigungen des Ereignisses in Spielfilmen im Jahrzehnt davor, v. a. über Zahlensymboliken.

In diesem Buch geht es noch um mehr: eine Filmgeschichte ab 1920, den architektonischen Kontext in New York und eine komplexe Vernetzung der Imaginationen des Kinos mit verschwörungstheoretischen Interpretationen von 9/11.

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So ist zumindest klar: Das Kino und die konspirationistische Fantasie haben schon lange von einem solchen Anschlag gesprochen, bevor er in der Wirklichkeit eintrat. Die Spurensuche hat darüber hinaus zu zeigen, ob und wie eine Fülle von Einzelbeobachtungen immer wieder zu demselben Schluss führen.

Auf der Website www.kino-okkult.de ist neben ersten Informationen zum Buch und den Videos auch ein Wiki zu finden. Es ist im Aufbau und versammelt Links und Literaturhinweise sowie nicht zuletzt eine Zusammenstellung von Fragen und Themen, um in die Unübersichtlichkeit einer zehn Jahre währenden Debatte etwas mehr Ordnung zu bringen. Welche Fragen sind beantwortet oder unbeantwortbar? Was ist nach wie vor ungeklärt? Was blenden Mainstream-Medien gerne aus und was geriet aus dem einen oder anderen Grund in Vergessenheit?

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Nachricht-Klartext – Gehirnwäsche in Oslo


Donnerstag, 28. Juli 2011, 15:59 Uhr. Autor:

Screenshot: ARD, 24.07.2011 (Montage)

Guten Abend, meine Damen und Herren.

Nach den Anschlägen im norwegischen Oslo werden nun immer mehr Einzelheiten der Vorbereitung durch den angeblichen Einzeltäter Anders Breivik bekannt. Beobachter erkennen am Tathergang ein Muster, das mittlerweile aus einer Reihe von Fällen bekannt ist. So berichtete „Der Spiegel“ über die Unklarheiten im Fall des Anschlags auf das Münchener Oktoberfest im September 1980, bei dem die Ermittlungsbehörden ebenfalls von einem verirrten Einzeltäter ausgegangen seien. Hingegen bestehe der begründete Verdacht, dass der bei dem Anschlag selbst ums Leben gekommene Gundolf Köhler zumindest von seinem Umfeld zu dieser Tat angeleitet worden sei. Darüber hinaus lägen Hinweise vor, dass er aus Depots der von der NATO und westlichen Geheimdiensten betriebenen Organisation „Gladio“ mit Sprengstoff ausgestattet worden sein könnte. Die dahingehenden Ermittlungen waren seinerzeit durch den angeblichen Selbstmord des wichtigsten Zeugen, Heinz Lembke, zum Erliegen gekommen.

Zu den Verdächtigen gehören im Fall Breivik unter anderem die Angehörigen der Freimaurerloge „St. Olaus til de tre Søiler“. Auf ihrer Website bedauert die Vereinigung den Vorfall und sagt Unterstützung bei der Aufklärung der Tatumstände zu. Führende norwegische Politiker drängen nun darauf, die im Freimaurer-Milieu übliche Geheimhaltung per Gerichtsbeschluss aufzuheben. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Ermittlungen voraussichtlich durch die anzunehmende Willkür der Informationspreisgabe durch den Verein behindert werde. Auch werde gründlich geprüft, ob Angehörige der Polizei und der Gerichtsbarkeit Verbindungen zu Freimaurer-Logen unterhalten und dementsprechend befangen seien. Hierzu sei die Offenlegung der Mitgliederlisten zwingend notwendig. Sonst blieben die Ermittlungen eine Farce.

Screenshot: ARD, 24.07.2011 (Montage)

Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die selbst auf zahlreichen Internetseiten verdächtigt wird, sich durch Handgesten als Freimaurerin zu erkennen zu geben, äußerte sich überraschend kritisch zum Umgang mit dem Attentat: „Die wahnsinnige Gewalttat von Anders Breivik darf jetzt nicht dazu führen, dass wir das Thema Geburtenrückgang und Islamisierung auf die leichte Schulter nehmen. Gerade ich als Bundeskanzlerin plädiere dafür, dass auch hiesige Populationen sich fortpflanzen, wie es in muslimisch geprägten Ländern der Fall ist.“

Der Attentäter Breivik entwickelt in seinem durch das Internet kursierenden 1500seitigen Manifest u. a. Pläne für nationalstaatliche Neuordnungen Europas, die die hergebrachten Ansiedlungen ethnischer Gruppierungen stärker berücksichtigen.

Dazu Merkel: „In puncto Grenzziehungen ist da in der Vergangenheit Einiges schiefgelaufen, das wir nun korrigieren müssen. Es wirkt ja geradezu, als hätte die Waffenlobby durch unlogische Gebietsaufteilungen etwa in Kriegsfolge dafür gesorgt, dass hierdurch nur wieder neue Konflikte entstehen. Als christliche Partei stehen wir natürlich für die Vermeidung gewaltsamer Konflikte ein und ich habe auch schon mit Ban Ki-moon darüber gesprochen.“

Außenminister Guido Westerwelle zeigte Verständnis für einige der grundsätzlichen Anliegen des Attentäters von Oslo, auch wenn er dessen Vorgehensweise zuvor ausdrücklich missbilligte: „Anders Breivik hat das Problem der Überalterung westlicher Industrienation und die abzusehenden eminenten wirtschaftlichen Probleme, die hieraus resultieren, durchaus klar erkannt. Gerade wir als FDP stehen für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung, in der der Hinweis auf eine Erhaltung kultureller Werte wie etwa der deutschen Sprache nicht als Extremismus stigmatisiert werden darf.“

In einer Pressekonferenz sorgte sich Innenminister Hans-Peter Friedrich vor allem darüber, dass sich die vom deutschen Verfassungsschutz betriebene Terror-Taktik der 1970er und 80er Jahre in anderer Gestalt wiederholen könnte: „In dem gerade in der Mainstream-Presse ausführlich besprochenen Prozess gegen die RAF-Terroristin Verena Becker haben wir gesehen, wie staatliche Stellen auf Gewalttaten des politischen Radikalismus Einfluss genommen haben; voraussichtlich werden wir dazu in Zukunft noch mehr erfahren. Aufgrund meiner rechtsstaatlichen Grundsätze werde ich mich bei den norwegischen Kollegen dafür einsetzen, dass auch in dieser Richtung gründlich ermittelt wird.“

Einig war man sich in Berliner Regierungskreisen, dass es mit Trauer, Kranzniederlegungen und rhetorischen Beteuerungen einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung nicht getan sei. Der verständlichen emotionalen Reaktion auf den Tod von Unschuldigen müsse eine Analyse der Entstehung von Breiviks Mordplänen und der Tragfähigkeit seiner Argumente folgen. Sonst werde es zu einer unkontrollierten Heroisierung und unreflektierten Aneignung auch unhaltbarer Positionen des Manifesttextes z. B. in der Internet-Gemeinde kommen.

Die Redaktion der „tagesschau“ bereitete sich bei der Auswahl ihrer Nachrichten und der Gestaltung ihrer Kommentare u. a. durch die Lektüre des Buches „Gehirnwäsche“ von Dominic Streatfeild vor und ist bemüht, in Zukunft Mördern und Manipulatoren aus den Reihen westlicher Geheimdienste nicht mehr so leicht auf den Leim zu gehen.

Und nun das Wetter.

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