Mit ‘Der Spiegel’ getaggte Artikel

Presseschau 2: Mona Lisa und Mona Lisa


Mittwoch, 22. Februar 2012, 16:24 Uhr. Autor:

Anfang Februar enthüllte die Kunsthistorik ein Phänomen der Doppelung in besonders prominenter Gestalt: Bisher unbekannt, wurde eine Replik von Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ präsentiert. Ausgerechnet im Jahr 1666 sei sie erstmals in einem Inventar verzeichnet, so „Der Spiegel“ (02.02.2012). (Mehr dazu auch im „Handelsblatt“ und in der „Welt“.)

Zwei Seiten des Schönheitskults beleuchten andere Berichte: Der plastische Chirurg Werner Mang hat Ärger mit der Staatsanwaltschaft wegen eines Mitarbeiters ohne Approbation („Die Welt“, 09.02.2012). Und „Telepolis“ zeigt ein Umfeld, das zum Besuch bei Mang drängt: Der Attraktivitätswettbewerb beim Bewerben auf dem Arbeitsmarkt.

Demgegenüber thematisiert der für den „Oscar“ nominierte Dokumentarfilm „Saving Face“ die pakistanische Rachekultur, in der Säureattentate Gesichter entstellen („Der Spiegel“, 18.02.2012). Und der Gewalt steht die Zärtlichkeit entgegen – ausgerechnet in der dünnen Luft der hohen Politik. Ein Beitrag in der „Welt“ zum Kuss als diplomatische Symbolhandlung.

Schließlich verlangt uns die Technik auch noch ab, sie anzulächeln, um sich authentifiziert in das neue Smartphone „Google Nexus“ einzuloggen.

Aber was, frage ich mich, passiert, wenn man verprügelt wurde und zugeschwollen die Polizei anrufen will?

Zettls böser Traum


Mittwoch, 18. Januar 2012, 19:26 Uhr. Autor:

Das Bild des gestrandeten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ zeigt in diesen Tagen ein gescheitertes nautisches Manöver mit Todesfolge für bisher elf Passagiere. Der Hergang der Ereignisse ruft bei Beobachtern unbeantwortete Fragen hervor, so bei Fabian Reinbold im „Spiegel“ (18.01.2012):

Das Verhalten des Kapitäns der “Costa Concordia” wird immer rätselhafter. Stand Francesco Schettino in der Unglücksnacht einfach unter Schock – oder unter Drogen?

Der „Focus“ weiß in einem Artikel vom 17.01.2012, der Kapitän habe

eigenmächtig die gefährliche Route viel zu nahe an der Küste gewählt haben, um seinem von der Insel stammenden Oberkellner Antonello Tievoli die Möglichkeit zu geben, Giglio zu grüßen.

Hier ist es also eine deplatzierte heimatverbundene Geste gegenüber der Insel Giglio, die der Auslöser gewesen sein soll. In einem weiteren Artikel vom selben Tag heißt es außerdem:

„Was mich am meisten schockt, ist, dass der Kapitän fast den ganzen Abend mit einer wunderschönen Frau in den Armen an der Bar saß und getrunken hat“, sagte die Passagierin der Zeitung.

Hier deutet sich eine Moral der Geschicht’ an: Sie entspräche einem klassischen Kanon der Frau als Verführerin, die den Helden vom rechten Weg abbringt, eine Art mediterraner Loreley.

Im Blog „Schall und Rauch“ fragt Autor Freeman „Ist die Costa Concordia ein Omen für die EU?“ (18.01.2012) und erinnert an das Datum Freitag, 13. Januar, an dem das Unglück geschah. Dies lässt ihn eine aktive Täterschaft des Kapitäns erwägen, die in symbolischer Kombination mit einem abergläubisch besetzten Datum stünde:

Wusste er Bescheid und war das sein Auftrag?
Fragen über Fragen. Ich glaube ja nicht an diese mystische Interpretation, aber die Parallelen sind schon sehr interessant.

Wir werden sehen, ob diese mysteriöse „wunderschöne Frau“ noch einmal irgendwo in den Berichten auftaucht, ob sie demzufolge vernommen wurde und ob man nachforscht, welche Rolle sie in dieser Tragödie gespielt hat. Ob es vielleicht in ihrem Fall einen „Auftrag“ gegeben haben kann.

Treffend wohl auch für die erotische Eskapade des Kapitäns der „Costa Concordia“ lautet die Überschrift eines Interviews im gedruckten „Spiegel“ (Nr. 3 / 2012): „Macht und Sex, darum geht’s“. Regisseur Helmut Dietl wird zu seinem neuen Film „Zettl“ befragt. Die „Spiegel“-Website warb am 17.01. für die Print-Ausgabe im direkten Umfeld der Unglücksnachricht für das Interview zum Filmstart:

Screenshot: Spiegel, 17.01.2012

So fällt zunächst nicht auf, was bemerkt werden kann, wenn Dietl en face und nicht, wie hier, im Profil, zu sehen ist: eine Schema-Ähnlichkeit zwischen Kapitän und Regisseur. Der eine hat gerade ein Schiff mit mehrfacher Todesfolge versenkt, der andere bringt einen neuen Film in die Kinos.

Ausschnitt/Screenshot: Der Spiegel, 16.01.2011 / Focus, 17.01.2012

In „Zettl“ geht es – so die Überschrift in der Web-Annonce – um „Die Amigo-Republik“. Der Film ist eine Satire auf Machtgier in der deutschen Hauptstadt.

Dietl und sein Co-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre kümmern sich also um genau jene Klientel, die im Zentrum von Verschwörungstheorien steht, und der „Amigo“-Begriff wird ja für eine hemdsärmelige Variante geheimer Netzwerke und von Korruption verwendet.

Das Schiff, das dort vor der italienischen Insel havarierte, trägt den Namen einer Göttin, die die Tugend der Eintracht verkörpert. Diese ist natürlich stark verletzt mit einem Stoff, der in Zeiten des Guttenbergens und der Wulffiaden dem Vertrauen in die Mächtigen unseres Staates noch den letzten Rest geben will, wie auch die Einleitung zum Dietl-Interview bemerkt:

[…] eine hysterische Welt ohne Moral und Skrupel, in der Politik und Medien miteinander mauscheln und in der nichts so uninteressant ist wie die Frage, welche Politik eigentlich die richtige ist.
Der Zeitpunkt für solch einen Film könnte kaum besser sein.

Die etablierten Medienöffentlichkeiten wundern sich also fortgesetzt über das scheinbar Unerklärliche (tödliches Risiko wegen eines Grußes?) oder den aussagekräftigen vermeintlichen Zufall (dieser Film gerade jetzt?). Ob die Verbindung vom Satiriker zum schippernden Unglücksraben wirklich nur rein mystischer Art ist, werden wir vorerst nicht erfahren. Aber sie macht Sinn.

Update 1, 19.01.2012: “Concordia”-Schiffsführer – Mysteriöse Frau beim Kapitän auf der Brücke (Der Spiegel)

Update 2, 19.01.2012: Blondine sollte letzte Ansage an Passagiere machen. Rätsel um die Blondine Domnica Cemortan und Kapitän Schettino: Sie reiste wohl als blinde Passagierin mit. Schettino spricht von einer geheimnisvollen Moldawierin. (Die Welt)

Update 3, 20.01.2012: Unglücksschiff war Filmkulisse für Jean-Luc Godards „Film Socialisme“

Update 4, 01.02.2012: Domnica Cemortan im Interview:

Update 4, 02.02.2012: „Costa Concordia“-Katastrophe – Affäre des Kapitäns: „Ja, ich liebe Schettino“ („Bild“)

Update 5, 07.03.2012: Argumente für eine okkulte Codierung der „Costa Concordia“-Katastrophe durch die Illuminati als Video:

Wulffogramm 2: Autoren-Casting und Soli-Löschung


Donnerstag, 12. Januar 2012, 16:42 Uhr. Autor:

Im medialen Ganzkörperteppich wurde die salbadernde Debatte um Bundespräsident Christian Wulff unlängst um zwei Maschen weitergestrickt: Der vor einiger Zeit vom „Spiegel“ zur „Berliner Zeitung“ des Springer-Verlags gewechselte Reinhard Mohr ist bei seinem neuen Arbeitgeber offensichtlich auf den ihm artverwandten Wulff abonniert (siehe „Die B.Z.-Analyse zur Präsidentenwahl“, 29.06.2010). (Die öfters lesenswerten Texte Mohrs beim „Spiegel“ gehören damit, zugunsten von Gesichterzirkus, der Vergangenheit an – besser so für die Menschen hinter den Gartenmauern mit den Überwachungskameras dran. Ein denkender Kopf weniger, ein Freiwild mehr für das Objektiv.)

In einer Fotomontage wird der neueste Artikel („Lohnt sich aussitzen, oder nicht?“, 09.01.2012) aus dieser physiognomischen Retorte mit Autor und Hauptfigur des Textes garniert:

Eine Zwischenüberschrift in Mohrs Artikel lautet: „Das immer gleiche Muster“.

Ausgerechnet mit der Löschung seines Facebook-Profils will zudem Hape Kerkeling gegen den öffentlichen Umgang mit Wulff protestieren, wie meedia.de berichtet (10.01.2012). Hierin heißt es von Seiten des Managements des Komikers, „das Profil sei ‚rein privat‘“ (Hervorheb. D. H.). Auch das kann man fazial verstehen …

Man sieht, wie über die unfreiwilligen Verwandtschaften auf visueller Ebene ebenso Zuständigkeiten mitbestimmt werden könnten, wie in diesem Fall auch Nachrichten als solche – bewusst oder unbewusst – aus dieser Art von Verwandtschaften entstünden.

Wulffogramm 1: Lobby-Spam à la carte


Dienstag, 10. Januar 2012, 17:11 Uhr. Autor:

Als Nachtrag zu Wulffs zwei großen Gs nimmt uns „Spiegel Online“ vom 10.01.2012 die Illustrationsarbeit ab:

Anschauen und einfach genießen!

Die nun insinuierte Lobby-Arbeit durch Wulffs Freund, den Filmproduzenten David Groenewold, mit der Zahlung von 10.000 Euro an Karl Hugo Pruys für dessen Buch „Christian Wulff – Deutschland kommt voran“ (2006), bestätigt die These einer physiognomistischen Matrix, in die das Staatsoberhaupt unrettbar verstrickt zu sein scheint.

Wie in einem narzisstischen Spiegelkabinett oder wahlweise wie auf dem Weg des Heiligen Antonius, dem die verbotenen Früchte blühen, scheinen um ihn die Geldbündel von Bäumen der Verkennung gewachsen zu sein.

Die Filmografie Groenewolds liest sich in Auswahl auf inhaltlicher Ebene wie das auf Jahre geplante foreshadowing jenes PR-Desasters, dem wir nun beiwohnen – Katastrophen und Buddietum in Serie:
Männer wie wir (2004)
Crazy Partners (2005)
Vollgas – Gebremst wird später (2005)
… More Than 1000 Words (2006) [and perhaps about 10.000 euros, Erg. D. H.]
Die ProSieben Märchenstunde (2006)
Ein Familienschreck kommt selten allein (2006)
Verschleppt – Kein Weg zurück (2006)
Bumm! (2006)
Schwere Jungs (2007)
Das Inferno – Flammen über Berlin (2007)
Kein Bund fürs Leben (2007)
Friendship! (2010)

Was sich hier (wie im Fall der Finanzierung von Buch-Anzeigen für Wulff durch Carsten Maschmeyer) andeutet, würde einmal mehr Marktliberalismus und freien Wettbewerb als Worthülsen bestätigen: Texte, die keiner braucht, werden via konzentrierter Marktmacht im Publikumsinteresse hochgepimpt oder gaukeln Kommentar vor, wo bezahlte Werbung stattfindet.

Glaskugel für die Bundespolitik


Sonntag, 8. Januar 2012, 19:33 Uhr. Autor:

Die Ko-Etablierung von Karl-Theodor zu Guttenbergs Physiognomie durch das massenmwirksame RTL-Programm mit Dieter Bohlen (wie hier bemerkt) bestätigt sich im Layout von „Spiegel Online“ am 08.01.2012: In der rechten Spalte an prominenter Stelle wird zunächst Bohlen wegen seiner neuen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, dann zu Guttenberg wegen der rasch auf seine Flucht in die USA folgende neuerliche Andeutung einer bundespolitischen Funktion für die CSU platziert:

Screenshot: Spiegel Online, 08.01.2012

Am selben Datum präsentiert „Welt Online“ als eine der Top-Nachrichten, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel der CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel angeboten habe, gemeinsam einen überparteilichen Kandidaten als Nachfolger für den angeschlagenen Budnespräsidenten Christian Wulff zu suchen. Die Bildredaktion der Website wählt dafür ein Foto, das Merkel und Gabriel gemeinsam zeigt:

Screenshot: Welt Online, 08.01.2012

Durch ihre Handgeste verweist die Kanzlerin auf ihren Nebenmann. Und sieht man sich das Binnenschema der beiden genauer an, ahnt man, dass wir hier eventuell die Doppelspitze einer großen Koalition sehen, die spätestens nach der Bundestagswahl 2013 die Regierung übernehmen wird.

Es bestätigt sich an solchen Beispielen, was Oliver Nachtwey in der „taz“ (08.01.2012) zu Slavoj Žižeks Diagnose der politischen Gegenwart referiert:

Vor ein paar Jahren hat er geschrieben, das Paradox des Individuums im liberalen Kapitalismus sei, dass uns suggeriert werde, wir hätten immer und überall die Wahl.
Doch letztendlich stünde nichts Substanzielles zur Entscheidung, wir könnten nur für Cola oder Pepsi votieren. Das gelte auch für die Demokratie, die ihrem Wesen nach heute eine “konstitutionelle Demokratie” sei: Der Bürger habe zwar formell die freie Wahl, aber seine Funktion bestehe nur noch darin, das zu unterzeichnen, was ihm von den politischen Eliten – als Sachzwang – unterbreitet wird. Zizek ist deshalb ein Gegner der liberalen Demokratie, nicht weil sie demokratisch ist, sondern weil Demokratie nur simuliert werde.

Der Grund, warum Žižek in allen Gazetten herauf und herunter, wie leider auch hier, mit immer denselben Beispiele aus seiner Argumentation zum „Elvis der Kulturtheorie“ erklärt wird, dürfte leider auch darin bestehen, dass er sich mit konkreten Ausführung dazu, worin diese Wahl- und Alternativlosigkeit in ihrer ganzen Bandbreite besteht, zurückhält.

Update 02.02.2012: Jakob Augstein schreibt heute im „Spiegel“:

„Die SPD war in Klausur. Sitzungsthema: die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Als die Genossen fertig geredet hatten, hat Sigmar Gabriel gesagt: “Es geht nicht um einen Wahlkampf gegen Kanzlerin Merkel.” Nur zur Erinnerung: Der Mann ist Parteichef der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Update 10.03.2012: Laut „abendblatt.de“ (20.01.2012) kehrt zu Guttenberg auch 2013 noch nicht in die Bundespolitik zurück.

Presseschau 1: Kim Jong Il hinterlässt Vakuum


Sonntag, 8. Januar 2012, 18:53 Uhr. Autor:

Der Südkoreaner Kim Young Sik durfte zahlreiche Auftritte aufgrund seiner Ähnlichkeit zu dem jüngst verstorbenen nordamerikanischen Diktator Kim Jong Il absolvieren. Nun sieht der 61jährige seinen Stern verblassen, berichtet „N24“ am 30.12.2011.

Dafür erlangte der Stuntman Bob Anderson erhöhte Popularität, weil er einem fiktiven Imperator, Darth Vader aus den „Star Wars“-Filmen, vor der Kamera seinen Körper lieh. Zu seinem Tod würdigt ihn „einestages“.

Einen der republikanischen Präsidentschaftskandidaten für 2012, Rick Santorum, vergleicht „Vanity Fair“-Autorin Juli Weiner wohl nicht nur wegen seines Kleidungsstils mit dem Schauspieler Christopher Mintz-Plasse.

Googles „Find my Face“ ist Suchergebnis-anfällig


Sonntag, 11. Dezember 2011, 16:39 Uhr. Autor:

Das soziale Netzwerk „Google+“ startet dieser Tage den gezielten Einsatz einer Gesichtserkennungs-Software. „Facebook“ verwendet ja bereits einen vergleichbaren Mechanismus, der einem Vorschläge für die Namenszuordnung („tagging“) auf Fotos macht.

Was bedeutet diese Neuerung nun? Abgesehen von einzelnen Suchmaschinen, die bisher auf eine begrenzte Zahl von Porträtfotografien zugreifen (siehe unsere „Web-Ressourcen“), wurde der Einsatz von Gesichtserkennung für Nutzer bisher in Suchmaschinen vermieden. (Ursachen dafür werden in der kommenden Zeit durch das Projekt „GesichterWissen“ sicherlich deutlicher.)

Der Grund, warum die netzbasierte Gesichtserkennung zwar nicht auf Prominente, nun aber auf Privatleute losgelassen wird, ist damit schon angedeutet: Hier ist es für Erkenntniswerte relativ belanglos. Damit ist jedoch nicht gesagt, dass hierdurch nicht Rechte des Einzelnen betroffen wären.

Schaut man sich die Berichterstattung der auf den ersten zwei Google-Ergebnisseiten für „google find my face“ gelisteten Mainstream-Presseorgane an, so stellen sie diese Fragen zum Thema Verbraucherschutz nicht wirklich differenziert. Da wird bevorzugt der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar zitiert, dessen bekannterweise kritische Haltung betont wird und der den Schutz von Privatpersonen nach erster Prüfung von „Find my Face“ gewährleistet sieht (Süddeutsche: „Zufriedener Datenschützer“).

Dabei ist doch mit ein wenig Nachdenken eine Reihe von unerwünschten Effekten vorstellbar: Auch, wenn ich mein eigenes Profil für die Teilnahme an „Find my Face“ sperre, heißt dies doch nicht, dass ich auf eventuellen Fotos anderer, die mich selbst zeigen, von der Software nicht gefunden würde – aufgrund meiner Ähnlichkeit zu anderen. Und wer garantiert mir eigentlich, dass nicht jemand ein Foto von mir verwendet, um eine falsche Identität zu kreieren? Die könnte ich vermutlich sperren lassen, wenn ich den Nachweis einer solchen Fälschung erbringen würde. Dennoch könnte so jemand zunächst einmal aller Voraussicht nach eine Recherche im Google+-Netzwerk mit meinen Parametern durchführen. Und wenn er seinen Fake-Account wieder löscht, bevor ich ihn bemerkt habe, bleibt dies gänzlich im Graubereich. Oder irre ich?

Soweit ich sehe, stoßen wir hier an die Grenzen von Grundrechten, die natürlich im geschäftssinnigen Umfeld dieser Internet-Angebote wenn, dann erst diskutiert werden, nachdem vollendete Tatsachen geschaffen wurden.

Hier für Interessierte die erwähnten aktuellen Artikel zum Thema:
Computer Bild, Focus, Hamburger Abendblatt, PC Games, Der Spiegel, stern, Süddeutsche Zeitung, Die Welt

Regelmäßigkeiten der Zwickauer Gruppe


Montag, 5. Dezember 2011, 17:51 Uhr. Autor:

In diesen Tagen wiederholen die Nachrichtensendungen häufig die Dreier-Reihe von Fahndungsfotos der „Zwickauer Gruppe“, denen eine Mordserie an Migranten ab dem Jahr 2000 zur Last gelegt wird. So in der von Linda Zervakis moderierten „tagesschau“ (ARD) um 14.50 h am 04.12.2011:

Während sich die Frau im Trio, Beate Zschäpe, in Schweigen hüllt, sind die beiden abgebildeten Männer den offiziellen Angaben zufolge tot. Der Hergang ihres Ablebens ist noch nicht endgültig geklärt. Ein paar Tage tönte es aus allen Kanälen, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten sich umgebracht („Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 18.11.2011). (Es wäre ein Lehrstück für die Journalistenausbildung: Im Zweifelsfall vielleicht erstmal abwarten, statt falsche Informationen zu verbreiten.)

Die Obduktion soll ergeben haben, dass Mundlos Böhnhardt mit einem aufgesetzten Schuss in den Kopf getötet habe und dann sich selbst („Rheinische Post“, 21.11.2011). Nur in Mundlos’ Lungen hätten sich Rußpartikel des Brands in jenem Wohnmobil gefunden, wo die Leichen gefunden worden seien.

Etwas seltener dringt an die breitere Öffentlichkeit das, was „Welt Online“ am 21.11.2011 berichtete:

Die offizielle Version war bisher diese: Mundlos und Böhnhardt hatten nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Eisenach ihr Wohnmobil gegen 11.30 Uhr angezündet und sich erschossen. Zwei Polizeibeamte hätten sich zuvor dem Wohnmobil genähert und zwei Schüsse gehört. […]
Weil viele Nachbarn keine Schüsse gehört haben wollen, gehen sie davon aus, dass Mundlos und Böhnhardt bereits tot waren, als ihr Wohmobil [sic] brannte. […]
Gleichzeitig hält sich laut stern.de weiterhin das Gerücht, es könnte sich eine weitere Person am Tatort aufgehalten haben – auch wenn die Generalbundesanwaltschaft dies bisher bestritten hat. So sollen Anwohner eine dritte Person gesehen haben, die das Wohnmobil kurz vor dem Eintreffen der Polzei verlassen hat.
Einige wollen – einen Tag nach dem mutmaßlichen Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt – sogar eine verwirrte Frau am Tatort beobachtet haben, die sie später als Beate Zschäpe identifizierten.

Darüber hinaus werden die Aktivitäten des deutschen Verfassungsschutzes thematisiert, der die als rechtsextrem angesehene politische Szene seit Jahrzehnten mit V-Leuten infiltriert. (Siehe dazu die zahlreichen Meldungen im Wiki zu „Kino Okkult“.) Dies sind erste Anhaltspunkte für die mögliche Manipulation von Rechtsterrorismus durch die Dienste. Man nennt solcherlei die „Strategie der Spannung“, auch wenn viele Mainstream-Medien die Rechercheleistungen und Forschungen zu diesem Thema noch wenig zur Kenntnis genommen zu haben scheinen – oder in ein Horn tuten, das ihnen ein anderer mit Bedacht geschnitzt hat.

Welche Anzeichen haben wir also noch, dass es sich bei den Aktivitäten der Zwickauer Gruppe nicht notwendigerweise um jene Räuberpistole von drei Desperados handelte, zu der die Medienberichterstattung Links- wie Rechtsterrorismus gerne stilisiert?

Als GesichterWissen liegt eine These auf der Hand: Die angeblichen beiden männlichen Täter weisen eine Schema-Parallele auf. In der Vereinfachung durch das Schwarzweiß-Foto weicht nur die Stellung der Augenbrauen deutlich voneinander ab. Sonst ähneln sich ihre Features deutlich. Uwe und Uwe.

Was können wir daraus folgern? Ein Standardargument lautet: Einander ähnliche Menschen ziehen sich an, ob in der Partnerwahl oder in weiteren sozialen Prozessen. So lautet Interpretation 1: Böhnhardt und Mundlos fanden sich (auch), weil sie einander durch ihr Äußeres sympathisch waren. Interpretation 2 kann lauten: Einer von beiden benutzte seine Ähnlichkeit zum anderen, um ihn in die fatale Spirale von Untergrundleben und terroristischer Gewalt zu ziehen. Dies würde implizieren, dass es sich bei einem um einen Agent provocateur handelte. Über ihre Biografien wissen wir, dass Mundlos der Sohn eines Informatik-Professors mit wechselhafter Schulkarriere war, Böhnhardt zeitweise ein Hilfsarbeiter auf Baustellen. Das Magazin „Cicero“ nennt Mundlos den „stillen Ideologen“, die „Bild“ tauft ihn zum „skrupellosen Vordenker“. Laut „Cicero“ soll es einen rechtsorientierten Großvater gegeben haben. Weiter heißt es in dem ausführlichen Porträt, zunächst zu ersten Versuchen mit selbstgebastelten Bomben:

Im Januar 1998 kommt die Jenaer Polizei der Granatenwerkstatt in einer Garage im Stadtteil Burgau auf die Spur. Die drei werden jedoch nicht verhaftet. […]
Ein Spezialeinsatzkommando des Thüringer Landeskriminalamts hat 1998 noch die konkrete Chance, die Gruppe, die sich nun „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) nennt, aufzugreifen. Doch die Aktion wird aus noch unbekannten Gründen kurzfristig abgeblasen.

Wir werden dazu Näheres erfahren – wenn man der allseitig geäußerten Forderung nach „rückhaltloser Aufklärung“ trauen mag. Zunächst ist, wie auch bei anderen angedeuteten Ungereimtheiten über die Involvierung [sic] des Verfassungsschutzes, Misstrauen geboten. In solchen Fällen wiederholen sich immer wieder die Abläufe von schier unglaublichen „Pannen“ und das Sündenbock-Prinzip des Bauernopfers in der einen oder anderen Behörde. Interessant wäre auch zu wissen, unter welchen Bedingungen etwa die Obduktion von Mundlos durchgeführt wurde. Gab es hierbei noch weitere Kontrollinstanzen? – Ob die Forderung nach einer „Federführung“ für den Verfassungsschutz auf Bundesebene die einzige Konsequenz aus den Ereignissen sein muss, wie von Innenminister Hans-Peter Friedrich gefordert, sei zunächst dahingestellt. Liest man etwa im Blog „Machtelite“ die Zusammenstellung z. T. widersprüchlicher Informationen über den Hergang des Todes von Böhnhardt und Mundlos sowie die offenen Fragen, die hieraus resultieren, ist die Notwendigkeit des Beobachtens der Beobachter der Beobachter mehr als evident – wenn wir „Öffentlichkeit“ oder „Demokratie“ nicht in jener missbräuchlichen Weise verwenden, die mittlerweile des öfteren an der Tagesordnung ist.

Schließlich begegnen wir noch einer weiteren Merkwürdigkeit betreffs der Zwickauer Gruppe. Die angeblich als einzige überlebende Beate Zschäpe lässt sich innerhalb des Trios nur physiognomisch anreihen, wenn man ihr Gesicht in die Länge zieht:

Auch hierin liegt in dieser Weise eine Schema-Ähnlichkeit, die jedoch latenter ist als die der beiden Männer unter sich.

Dafür wurde in den Wochen nach dem Finale der Zwickauer Gruppe eine Nachricht verbreitet, in der ein japanischer TV-Moderator plötzlich der Weltöffentlichkeit bekannt wurde: Norikazu Otsuka erkrankte an akuter Leukämie, nachdem er in einer Fernsehsendung Gemüse aus der Region von Fukushima verspeist hatte, um dessen Unbedenklichkeit zu demonstrieren. (Die Zwickauer Gruppe wurde am 04.11.2011 enttarnt. Otsuka begab sich am 07.11.2011 in ärztliche Behandlung wegen angeschwollener Lymphknoten.)

Screenshots: ARD / sanspo.com

Otsuka komplettierte damit also das Set von Doppelgängern in medialer Öffentlichkeit. Eine deutsche innenpolitische Katastrophe verbindet sich hier mit einer technischen in Japan. Kam Otsuka wohl selbst auf die Idee der Speisung – von der wir weder wissen, ob sie radioaktiv verseucht war, noch, ob sie in diesem Fall die Erkrankung ausgelöst hat? Neuere Meldungen von Otsukas Gesundheitszustand sind derzeit nicht zu finden.

Bei aller „medialen Präsenz“ und der wachsenden Zahl von Formen der Berichterstattung erhöht sich einmal wieder nicht unbedingt der Grad der Gewissheit. Die Zahl der möglichen Deutungen steigt an. In beiden Fällen haben wir es jedenfalls spätestens in der medialen ‚Auswertung‘ der Ereignisse und Schicksale mit symbolischer Politik zu tun. Die Frage bleibt auch, ob eine solche im Verlauf der Ereignisse schon früher einsetzte.