Archiv für die Kategorie ‘Zeigegeste’

GesichterWissen – erster Teaser und Trailer


Sonntag, 4. März 2012, 16:13 Uhr. Autor:

Die Publikationsreihe „GesichterWissen“ beginnt mit dem Heft zur Finanzkrise. Hierin wird deutlich, dass die forcierten Finanzkrisen 2008ff. vorläufiger Höhepunkt eines Spiels sind, in dem noch ganz andere Regeln gelten, als uns von Massenmedien weisgemacht. Als ein Schlüssel für Besetzungspolitik durch Hintergrundgremien entpuppt sich aus dieser Perspektive ein Lexikon der Dämonen aus dem 19. Jahrhundert.

So zeigt es auch der Trailer zum Themenheft:

Zur Reihe als ganzer gibt es nun auch einen ersten Teaser, in dem einigen Beispiele für die Ästhetik des Doubles in Pressefotografien und die Rhetorik der Zeigegeste verarbeitet sind, wie sie hier immer wieder thematisiert wird.

Alles für die Ganovenehre


Sonntag, 15. Januar 2012, 21:55 Uhr. Autor:

Das DVD-Cover zu Wolfgang Staudtes „Ganovenehre“ (D 1966) verwendet zwei Routinen der Gesichter-Rhetorik:

DVD-Cover: Studiocanal

Da sind Helen Vita und Karin Baal als Figuren nebeneinander gestellt. Ihre Gesichter sind schemaähnlich, wobei dasjenige Vitas etwas länglicher ist. Staucht man ihr Bild in der Höhe, kommt sie der Baal noch näher. (Zur damaligen Zeit hat man das bei der Besetzungsplanung vielleicht veranschaulicht, indem man ein Foto aus einem spitzen Winkel ansah. Heute ist dies eine einfach zu bedienende Funktion im Bildbearbeitungsprogramm, „Skalieren“.) Währenddessen zeigt Ilse Pagé mit einer Zigarette auf Curt Bois’ Antlitz, der im Profil zu sehen ist. Kombiniert werden also Gegenüberstellung und Zeigegeste.

Der Film zeigt die Berliner Rotlicht-Szene in boulevardesker Weise. Das kommt nicht so dicht daher wie in anderen Arbeiten Staudtes. Im äußerst trivialen Tag- und Nachbetrieb des Bordells sind die peinlichen Situationen, Bäumchen-wechsel-dich-Spiele, ramdösigen Streitereien und das überkandidelte Chargieren der Selbstparodie (des Genres) schon mehr als nah.

Der historische Werberatschlag der „Atlas Film“ auf der DVD verspricht „[e]ine Geschichte aus ‚gewissen Kreisen‘“ und „eine Schauspielerelite, die sich sehen lassen kann“, ja, einen „Film, der notwendigerweise ein Erfolg werden muß“.

Glaskugel für die Bundespolitik


Sonntag, 8. Januar 2012, 19:33 Uhr. Autor:

Die Ko-Etablierung von Karl-Theodor zu Guttenbergs Physiognomie durch das massenmwirksame RTL-Programm mit Dieter Bohlen (wie hier bemerkt) bestätigt sich im Layout von „Spiegel Online“ am 08.01.2012: In der rechten Spalte an prominenter Stelle wird zunächst Bohlen wegen seiner neuen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, dann zu Guttenberg wegen der rasch auf seine Flucht in die USA folgende neuerliche Andeutung einer bundespolitischen Funktion für die CSU platziert:

Screenshot: Spiegel Online, 08.01.2012

Am selben Datum präsentiert „Welt Online“ als eine der Top-Nachrichten, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel der CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel angeboten habe, gemeinsam einen überparteilichen Kandidaten als Nachfolger für den angeschlagenen Budnespräsidenten Christian Wulff zu suchen. Die Bildredaktion der Website wählt dafür ein Foto, das Merkel und Gabriel gemeinsam zeigt:

Screenshot: Welt Online, 08.01.2012

Durch ihre Handgeste verweist die Kanzlerin auf ihren Nebenmann. Und sieht man sich das Binnenschema der beiden genauer an, ahnt man, dass wir hier eventuell die Doppelspitze einer großen Koalition sehen, die spätestens nach der Bundestagswahl 2013 die Regierung übernehmen wird.

Es bestätigt sich an solchen Beispielen, was Oliver Nachtwey in der „taz“ (08.01.2012) zu Slavoj Žižeks Diagnose der politischen Gegenwart referiert:

Vor ein paar Jahren hat er geschrieben, das Paradox des Individuums im liberalen Kapitalismus sei, dass uns suggeriert werde, wir hätten immer und überall die Wahl.
Doch letztendlich stünde nichts Substanzielles zur Entscheidung, wir könnten nur für Cola oder Pepsi votieren. Das gelte auch für die Demokratie, die ihrem Wesen nach heute eine “konstitutionelle Demokratie” sei: Der Bürger habe zwar formell die freie Wahl, aber seine Funktion bestehe nur noch darin, das zu unterzeichnen, was ihm von den politischen Eliten – als Sachzwang – unterbreitet wird. Zizek ist deshalb ein Gegner der liberalen Demokratie, nicht weil sie demokratisch ist, sondern weil Demokratie nur simuliert werde.

Der Grund, warum Žižek in allen Gazetten herauf und herunter, wie leider auch hier, mit immer denselben Beispiele aus seiner Argumentation zum „Elvis der Kulturtheorie“ erklärt wird, dürfte leider auch darin bestehen, dass er sich mit konkreten Ausführung dazu, worin diese Wahl- und Alternativlosigkeit in ihrer ganzen Bandbreite besteht, zurückhält.

Update 02.02.2012: Jakob Augstein schreibt heute im „Spiegel“:

„Die SPD war in Klausur. Sitzungsthema: die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Als die Genossen fertig geredet hatten, hat Sigmar Gabriel gesagt: “Es geht nicht um einen Wahlkampf gegen Kanzlerin Merkel.” Nur zur Erinnerung: Der Mann ist Parteichef der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Update 10.03.2012: Laut „abendblatt.de“ (20.01.2012) kehrt zu Guttenberg auch 2013 noch nicht in die Bundespolitik zurück.

Double-System im „Gothamist“


Freitag, 16. Dezember 2011, 19:59 Uhr. Autor:

Das US-amerikanische Blog „Gothamist“ verwendet zur Übersicht über seine Buchempfehlungen aus 2011 eine Collage von Buchcovers, aus denen zwei Personen, Steve Jobs und Tina Fey, herausblicken.

In beiden Porträts verwenden die Prominenten eine Zeigegeste mit der Hand, die auf ihr Gesicht hinweist. Diese Doppelung in zwei Varianten einer Geste findet sich noch in weiteren Elementen der inhaltlich willkürlich – höchstens ungefähr nach Bekanntheitsgrad – ausgewählten Buchumschläge:

Nach den Autornnamen benannt, ist bei Whitehead / Cunningham die klar Typografie ähnlich, ebenso im Retro-Look von Harbach / Eugenides. In den Buchtiteln von Cunningham / Adrian kommt jeweils das Wort night vor. Bei Eugenides / Baker sind es mit Ellipse und Kreis zwei runde geometrische Formen, die im Mittelpunkt der Illustration, der Cover-Fläche stehen. Eugenides’ Titel spricht zudem mit „The Marriage Plot“ von einer Verbindung von Mann und Frau, die mit Fey und Jobs gegeben ist.

Es ist ein Formalismus der Illustration, der die Verpackung von Texten in ihrer Annonce zu einem neuen Muster ordnet, in dem das Prinzip des Doubles herrscht.