Presseschau 3: Identifiziert und verwechselt


Freitag, 11. Mai 2012, 14:55 Uhr. Von

Gesichtserkennung greift auf die Werbewelt und den Umgang mit Konsumenten über.

  • 24.02.2012 – Werbung nur für Frauen. Ein Videowand-Prototyp an einer Londoner Haltestelle arbeitet mit Gesichtserkennung

Demgegenüber will ein Deutscher sein Gesicht der Produktwerbung preisgeben.

Der physiognomisch basierten Verwechslungen gab es in den vergangenen Wochen mehrere.

So geschah es auch der Piraten-Politikerin Jasmin Maurer aufgrund ihres früheren Internet-Nicknames „Satansbraut89“.

Für die Attraktivitätsforschung liegen Meldungen zu Schönheitschirurgie und Arbeitsmarkt vor.

  • 09.03.2012 – Star-Schnitt – Das perfekte Gesicht gibt es nicht. Oder besser: das perfekte Gesicht GAB es nicht. Bis heute.
  • 04.04.2012 – Risiko Eifersucht? Einer israelischen Studie nach sollten gut aussehende Frauen bei Bewerbungsschreiben besser auf ein Foto verzichten

Der plastischen Chirurgie ist einmal mehr das Kunststück einer Gesichtstransplantation geglückt.

Die projektive Wahrnehmung auf physiognomischer Basis hat zu einem abstrusen Kult um ein vergammelndes Stück Fastfood geführt.

De mortui … „Monkeys“-Sänger Davy Jones ist verstorben. Er ist uns mit neuralgischen Textzeilen im Gedächtnis: „And then I saw her face. Now I’m a believer.“

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Zur Nazi-Symbolik der Piratenpartei


Montag, 30. April 2012, 23:39 Uhr. Von

An der Piratenpartei ist in Mainstream-Medien derzeit kein Vorbei: Als Anzeichen von Politikwechsel prinzipiell begrüßenswert, als Medieneffekt eine Bestätigung auch des bestehenden Systems. Freilich: Fast nur, wovon die Etablierten sprechen, ist allgegenwärtiges Thema. Diese Etablierten würden sich wohl darauf berufen, dass sie nur einem allgemeinen Interesse Ausdruck gäben. Aber in überschaubaren Zeiträumen muss man vielleicht doch sagen: Erst war dort die Henne, dann das Ei.

Auf andere Weise irrwitzig – wie das in zahllosen Wiedergaben einer sehr begrenzten Programmatik, Bekenntnissen der Ahnungslosigkeit und beginnender Personality-Yellow-Press generierte Medienphänomen – sind im GesichterWissen beschriebene Entwicklungen in der Piratenpartei.

Wir hatten hier schon einmal den Bundesvorstand der Piraten als einträchtige Reihe beschrieben. Den Anfang machte ein Triple aus Mitbegründer Jens Seipenbusch, letztem Vorsitzenden Sebastian Nerz und neuem Vorsitzenden Bernd Schlömer:

Führungskräfte der Piratenpartei - Jens Seipenbusch, Sebastian Nerz, Bernd Schlömer

Screenshots: Piratenpartei-Wiki

Bernd Schlömer nun, in Neumünster basisdemokratisch gewählt, ist Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium. Dass hier systemkritische Ansätze vertreten würden, setzte also voraus, dass sie unausgesprochen blieben. Allseits erwünscht sind jedoch rhetorische Distanzierungen von allem, was als ‚rechts‘ gilt, nachdem über ehemalige NPD-Mitglieder sowie potenziell rechtsradikale Äußerungen in den Reihen der neuen Partei ausführlichst diskutiert und berichtet wurde.

Im oben verlinkten Artikel waren die bemerkenswerten physiognomischen und namensbasierten Übereinstimmungen prominenter Piraten mit als ‚rechts‘ angesehenen Verschwörungstheoretikern deutlich geworden. Und während Journalisten jeden noch so nichtigen Vorwand nutzen, um über die Piratenpartei zu berichten oder einer Person der Zeitgeschichte Nazitum zu unterstellen bzw. vorzuwerfen, interessiert sie der Schal, den Bernd Schlömer auf dem offiziellen Foto der Piraten-Website trägt, scheinbar überhaupt nicht:

Bernd Schlömer mit Schal - Piratenpartei

Screenshot: Piratenpartei-Wiki

Auf den Bildern des Parteitags am 28./29.04.2012 trägt Schlömer einen dunklen Schal und eine Schiebermütze – eine Männermode der Weimarer Republik, die für die aktuelle Zersplitterung des Parteienspektrums ein historisches Vorbild sein könnte. Fragt sich noch, ob dann auch wieder eine Partei mit schwarz-weiß-roten Farben die Macht erringt.

Als Politischer Geschäftsführer folgte auf dem Parteitag ein männlicher Pirat der medienpräsenten Marina Weisband: Johannes Ponader. Wo ist dieses neue Gesicht im physiognomischen Kontext verortet?

Er führt nun direkt zu einem wegen seines späten Prozesses besonders bekannten Nationalsozialisten, Adolf Eichmann:

Johannes Ponader, Adolf Eichmann, Isser Harel

Screenshots: Piratenpartei-Wiki / remember.org / eilatgordinlevitan.com

Wir sehen an der Gegenüberstellung Eichmanns mit Isser Harel, seinem Entführer an der Spitze des iraelischen Geheimdienstes „Shin Bet“, dass es solche quasi-magischen Interferenzen schon früher gab: Nazi-Jäger gleicht gejagtem Nazi.

Wer also den laufenden Berichten von Zeitungen und TV-Sendern über die Piratenpartei Glauben schenkt, ist sicherlich ausreichend informiert.

Update 11.05.2012: Hier eine etwas quatschige Glosse zu Schlömers Schiebermütze („Financial Times Deutschland“), freilich ohne die etwas weiter reichenden historischen Konnotationen.

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Die versteckten Vor-Bilder
des Anders Breivik


Samstag, 21. April 2012, 22:26 Uhr. Von

Seit einigen Tagen läuft der Strafprozess gegen den Attentäter von Oslo und Utøya, Anders Breivik. 77 Opfer sollen seine Bombe und sein Amoklauf gefordert haben. Solche Taten geben Anlass zu ungläubigem Frösteln über das, was ein Mensch allein anrichten kann. Doch der Fall Breivik fordert noch zur Reflexion über zwei wesentliche andere Themen heraus.

Das erste Thema ist die Rechtfertigung seiner Tat, die er selbst als „Notwehr“ bezeichnet. Hierdurch trifft seine Tat und ihre strafrechtliche Beurteilung auf eine Öffentlichkeit, in der soziale, psychologische und ethische Rücksichten, politische Konzepte und möglicherweise auch eher am Rande debattierte weitreichende politische Strategien eine Rolle spielen.

Ich werde mich hüten, hierzu in verkürzter Form auf die wirklich brisanten Fragen einzugehen. Sie müssen dennoch an anderer Stelle mit aller Vehemenz und Kontinuität gestellt werden. Breivik gibt in seinem Manifest „A European Declaration of Independence“ (S.501 ff.) die Aussicht auf eine Abfolge von Zeitphasen, in denen der Anteil der muslimischen Bevölkerung in westeuropäischen Ländern ansteigt, und nennt Vergleichsbeispiele aus anderen Nationen dafür, was er bei bestimmten Prozentsätzen als soziale Folgeerscheinungen ansieht – so nach dem Erreichen von 20 % einen deutlichen Anstieg sozialer Unruhen und Brandanschläge auf christliche Kirchen und Synagogen, ab 40 % Massaker an der nicht-islamischen Bevölkerung und islamistischen Terror, ab 60 % weitreichende Verfolgung von Nicht-Muslimen und die Einführung der Scharia als allgemeinverbindliche Gesetzesgrundlage, ab 80 % systematischen Genozid an Nicht-Muslimen.

Hierbei handelt es sich wohlgemerkt nicht um reine Hypothesen, sondern um jene Zustände und Entwicklungen, die in Ländern wie Bosnien, dem Sudan, Malaysia, Pakistan u. v. a. Realität sind. Die Frage ist also einerseits, ob solche Vergleichsbeispiele auf eine zukünftige Situation in Westeuropa 1:1 übertragbar sind. Die zweite Frage ist, darauf folgend, wie sich eine nolens volens christlich geprägte, oder nennen wir sie: Traditionen von Aufklärung und Demokratie verpflichtete, i. w. S. ‚angestammte‘ Bevölkerung dazu verhält – ob sie weiter mehr Wert auf schlechte TV-Programme, Computer-Daddelei, Unterhaltungselektronik, Autos, Reisen, Immobilien, Mode und andere Luxusgegenstände legt, oder ob sie Kinder zeugen und mit nahrhaftem Brei zu netten Menschen heranfüttern will.

Die zweite wesentliche Herausforderung an die Reflexion durch einen Attentäter wie Anders Breivik ist dementsprechend die ethische Abwägung, inwiefern vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen, Einschätzungen und Prognosen eigenes Handeln zu rechtfertigen ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestätigt sich die Erwartung, dass die politischen Morde Breiviks seinen inhaltlichen Anliegen viel mehr schaden als nützen (wie ich in diesem Blog-Eintrag zu den Taten von Oslo und Utøya schon ausführte).

Das Einzige, was Breivik bisher erreicht hat, ist öffentliche Aufmerksamkeit. Und dies kann man von anderen Akteuren, die auf Gewalt verzichten, nicht in derselben Weise behaupten. Die Debatte um Thilo Sarrazin führte schon zu einigen wichtigen Fragen, wurde jedoch gezielt zerredet und verebbte vorerst erwartungsgemäß. Man kann sie aber auch als Testlauf für öffentliche Reaktionen sehen, der den Steuerungsinstanzen auf nationaler und internationaler Ebene ein Bild vermittelte, ob und mit welchem Widerstand sie bei einer Fortsetzung von Politiken des Multikulturalismus, de facto derzeit des quantitativen Abbaus westeuropäischer Bevölkerungen, zu rechnen haben.

Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen: Wenn die Geburtenraten in Deutschland und anderswo kontinuierlich niedrig bleiben, ist es nicht die Frage, ob es in unseren Landen irgendwann 20 oder 80 % Muslime geben wird. Es ist vielmehr unausweichlich. Die Frage ist, ob in den Jahrzehnten des Übergangs auch jene weitergehenden Leiden zu erwarten sind, die in anderen Ländern mit solch höheren Anteilen von Muslimen zum Alltag gehören: Unterdrückung, Verfolgung und Terrorismus.

Ein Beispiel für einen Autor, der nicht das Mittel eines Massenmords gewählt hat, um auf seine Thesen aufmerksam zu machen, ist in Deutschland Manfred Kleine-Hartlage. Er twittert sehr fleißig Neuigkeiten aller Art, die die Islamisierung Deutschlands und Europas betreffen und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Hier ist er mit einem Vortrag zu seinem Buch „Das Dschihad-System“ (2010) zu sehen:

Der Ausgang des Prozesses gegen Breivik wird entweder in lebenslanger Haft oder Internierung in der Psychiatrie bestehen. Wenn seine Prognosen – in denen er sich auf eine Vielzahl anderer Textquellen bezieht – überprüfbar sein werden, wird er nicht mehr leben oder ein alter Mann sein.

In meinem erwähnten Blog-Eintrag wies ich schon auf die Mitgliedschaft Breiviks in einer Freimaurer-Loge hin. Wir werden vermutlich auch im Verlauf des Prozesses nichts Näheres darüber erfahren, welche Personen in dieser Loge auf Breivik ideologisch eingewirkt haben, denn Mitglieder-Listen der Freimaurer sind nicht öffentlich und ihre Beziehungen in Institutionen wie Polizei und Gerichtsbarkeit ein wirksamer Schutz vor unliebsamen Einblicken.

Der Kontext von Anders Breiviks Gesicht in der öffentlichen Bilderwelt wurde von mir bereits im ersten Band von „Kino Okkult“ thematisiert: Er besteht in Ähnlichkeiten zu dem verstorbenen Bruder des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Jonathan „Joni“ Netanjahu, und dem Fluglotsen Pete Zalewski, der am 11. September 2001 zwei der Flugzeuge beaufsichtigte, die in die Hochhäuser des World Trade Center flogen. Hier ein Ausriss der S. 422 im Buch:

Anders Breivik, Attentäter von Oslo und Utøya - Jonathan 'Joni' Netanjahu

Im Buchtext schildere ich Deutungsalternativen, die sich aus einem solchen Geflecht von Verweisen ergeben. Die potenziellen Urheber solcher Bezüge spielen jedenfalls mit einem ganzen kulturgeschichtlichen und politischen Arsenal, in dem der Krisenherd des Nahen Ostens, Verschwörungstheorien über Zionismus und Freimaurerei sowie das singuläre Ereignis der Anschläge des 11. Septembers 2001 und der Terrorakt des Anders Breivik aufeinanderprallen.

Was wir derzeit in den Massenmedien zum Breivik-Prozess sehen und hören, wäre in diesem Fall nur eine Oberfläche solcher geheimgesellschaftlichen oder -dienstlichen Machinationen. Und bisher müssen wir feststellen, dass die westeuropäische Öffentlichkeit gerade wegen des schockierenden Massenmords in Norwegen sich wenig Anschein gibt, dass sie ihre eigene Tradition, vielleicht sogar das eigene Leben in Gefahr sehe.

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US-Wahl-Menetekel bestätigt:
Mitt Romney kandidiert


Dienstag, 10. April 2012, 22:38 Uhr. Von

Die hier im Februar vorgenommene Diskussion der Bilder von Präsidentschaftskandidaten aus den Reihen der republikanischen Partei in den USA wies offensichtlich auf die richtige Fährte: Waren Mitt Romneys Konkurrenten verdeckte physiognomische Spiegelfiguren für diesen Wunschkandidaten, läuft auch seine mittlere Schema-Ähnlichkeit zum amtierenden Präsidenten Barack Obama auf seine Kandidatur hinaus:

Mitt Romney, Barack Obama, US-Präsidentschaftswahlkampf

Screenshots: theonion.com / Wikipedia

Und so kommt es nun: Konkurrent Rick Santorum hat aufgegeben; damit ist Romney faktisch der Kandidat.

Können wir daraus noch eine Wahrscheinlichkeit ableiten?

Die Argumente lauten:

  1. Romney wäre aus seiner Biografie heraus Interessenvertreter der Finanzwirtschaft und sollte deshalb im Auftrag der Eliten die Führung übernehmen – fast schon ein wenig zu offensichtlich.
  2. Obama sitzt nach wie vor in dem finanz- und sozialpolitischen Trümmerhaufen, den ihm die neoliberale Kamarilla hinterlassen hat. Eine bequeme Strategie der Eliten wäre, sich erstmal einen Demokraten mit diesen Trümmern abmühen zu lassen, statt einen Republikaner dafür einzusetzen. Obama muss weitere unbequeme Einschränkungen durchsetzen, sonst geht es noch schneller hin zu einem (letztlich unvermeidlichen) Staatsbankrott.

Vielleicht geht die Dramaturgie so: Romney scheitert an Obama. Obama muss weiterregieren und notwendigerweise seine Wähler ein zweites Mal enttäuschen, nachdem auch die erste Amtsperiode nicht gerade love, peace & happiness gebracht hat, wie sein märchenhafter Aufstieg es manchem verhieß. Das führt dann zu zweierlei:

  1. Obama wird innerhalb seiner zweiten Amtszeit definitiv unbeliebt und wird von der Öffentlichkeit für die fortgesetzte Krise wie auch notwendige unliebsame Maßnahmen gegen diese verantwortlich gemacht.
  2. Obama muss relativ alternativlos eine letztlich zerstörerische Finanzpolitik fortsetzen, als deren Vertreter er dann in den Geschichtsbüchern und, aktuell, in den Wirtschaftsrubriken gehandelt werden wird.

Zu den Haushaltsplänen der Obama-Administration für 2013 bemerkt das Blog „Aus dem Hollerbusch“ am 14.02.2012:

Massive Neuverschuldung. Einnahmen von 2902 Mrd. Dollar sollen Ausgaben von 3803 Mrd. Dollar gegenüberstehen, d.h. die Ausgaben machen 131% der Einnahmen aus. Selbst dieses desaströse Verhältnis ist nur unter der optimistischen Annahme deutlich höherer Einnahmen aus der Einkommen- und Körperschaftsteuer erreichbar.

Die Moral würde dann lauten können, dass das US-amerikanische Wahlvolk bestraft wurde, weil es den in Wirtschaftsdingen als ehemaliger Fonds-Manager vermeintlich ‚sachkundigeren‘ Republikaner Romney nicht zum Präsidenten gemacht habe. Bei der nächsten regulären Wahl wäre Romney 69 Jahre alt, was eine Kandidatur noch nicht ausschließt. Die Wähler könnten dann jedenfalls reuig zu den Republikanern zurückkehren.

Dass ich in Termini einer Inszenierung von alledem spreche, setzt voraus, dass die Sympathie der Wähler im Verlauf des weiteren Wahlkampfs entsprechend von den wenigen mächtigen Instanzen der US-Massenmedien soweit gelenkt werden werden kann und wird, sodass das von den Eliten gewünschte Ergebnis letztlich eintritt.

Nun ist es gesagt, und wir werden sehen.

Update 11.04.2012: „Sollte Obama wiedergewählt werden, wäre Santorum sofort ein wichtiger Gegenspieler und potentieller Bewerber für die Präsidentschaft im Jahr 2016. Als 53-Jähriger wäre der Mann, der mit seinen Aussagen über Abtreibung, Homo-Ehe und Feminismus so polarisiert hat, auch 2020 noch in einem Alter, um sich für das höchste Amt der USA zu bewerben.“ („Süddeutsche Zeitung“)

Update 14.04.2012: „Eine aktuelle Umfrage von Washington Post und ABC News sieht den Präsidenten im direkten Vergleich deutlich vorne. Während 51 Prozent für Obama stimmen wollen, unterstützen nur 44 Prozent Mitt Romney.“ („zdf.de“)

Update 15.04.2012: „Laut einer Umfrage der “Washington Post” und “ABC News” sind in den USA im November langweilige Präsidentschaftswahlen zu erwarten.“ („RIA Novosti“)

Update 27.04.2012: „Hören Sie nicht auf die Ideologen: die Kandidaten im US-Wahlkampf sind sich ähnlicher, als ihnen lieb ist.“ („Die Welt“)

Update 10.05.2012: „Bei einem Wahlkampfauftritt plauderte der Republikaner gedankenlos aus, seine Frau fahre “ein paar Cadillacs”. Gift für den Wahlkampf.“ („stern“)

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Mohammed Merah und andere Auserwählte


Dienstag, 27. März 2012, 22:54 Uhr. Von

Historische wie tagesaktuelle Attentate sollten immer mit einer gewissen Vorsicht genossen werden, was ihre Vereinzelung und eindeutige Motivation betrifft. Über die Psychologie und individuelle Entwicklung von politisch und religiös motivierten Mördern oder Amokläufern muss man ebenso nachdenken wie über mögliche Steuerung von außen. Die besseren journalistischen Beobachter lassen sich diesbezüglich auch nicht auf Manipulationstechniken derjenigen ein, denen sie eigentlich keinerlei Rechenschaft schuldig sind: politischen und geheimdienstlichen Kreisen.

So sollte es auch im neuesten spektakulären Fall von Mohammed Merah sein, der in den südfranzösischen Städten Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet haben soll, bevor er aufgespürt wurde, sich in seiner Wohnung verschanzte und selbst von Polizisten erschossen wurde.

Das Zauberwort für die Lösung des Kriminalfalls lautet Polizei und Massenmedien zufolge „Al Qaida“. Islamistischer Terror bedrohe die innere Sicherheit eines europäischen Landes – nach Beispielen wie in Deutschland der Kofferbomber von 2006. (Ich saß in dem Regionalexpress Richtung Hamm/Westfalen, der eine halbe Stunde später fuhr.)

Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 scheinen mittlerweile viele zu langweilen. (Mein Beitrag in Buchform zu Filmgeschichte und Okkultismus in dieser Hinsicht umfasst knapp 500 Seiten – und das ist längst nicht alles.) Auch in diesem Kontext wird von kritischen Beobachtern bezweifelt, dass das sog. „Terrornetzwerk“ Al Qaida eine vollkommen selbstständige Schöpfung islamistischer Terroristen ist.

Fragen wir uns also auch nach Entlarvung und Tod Mohammed Merahs am 22.03.2012, was es mit dieser Person auf sich hat. Halten wir zunächst fest, dass sich die 9/11-Konstellation wiederholt: Geheimdienste (hier nun der französische) beobachten längere Zeit Terrorverdächtige, lassen sie dann aber wieder unbehelligt, woraufhin der grausame und öffentlichkeitswirksame Terrorakt geschieht.

Wir haben schon an den 9/11-Tätern gezeigt, welche physiognomischen Codierungen es in einer geheimdienstlichen Planung gegeben haben dürfte: islamistische Terroristen als Verkörperungen von Teufel und Comic-Bösewichten, eine Kombination aus christlicher Tradition und US-amerikanischer Popkultur. Die selbsternannten Märtyrer waren schon ihre eigene Karikatur.

Diese – hier auch an den Protagonisten der Finanzkrise beschriebene – Ironie scheint sich beim Attentäter von Toulouse zu wiederholen. Entsprechend dem Spielort der Tragödie ist es nun die französische Filmgeschichte, der das Vorbild des Mörders entlehnt ist: Es handelt sich um die Figur des „Krank“ aus „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (F/D/E 1995), gespielt von Daniel Emilfork:

Mohammed Merah und Daniel Emilfork

Screenshots: fantastique-arts.com / augsburger-allgemeine.de

Krank versucht, Kindern die Träume zu stehlen, um damit seinen eigenen rapiden Alterungsprozess zu verhindern. Seine Handlanger werden von der Inhaltsangabe als „kultischer Orden“ beschrieben – wir sind sofort schon wieder im okkult-konspirationistischen Bereich.

Krank taugt natürlich auch perfekt als Allegorie für die westlichen Industrienationen: durch Überalterung auf dem Weg ins biologische Aussterben. Demgegenüber expandiert die Bevölkerung der islamisch geprägten Welt – so sieht es nicht nur der als rechtslastig angesehene Deutsche Thilo Sarrazin, sondern auch der Austro-Türke Inan Türkmen.

Sieht man also Mohammed Mareh als Double von Emilfork/Krank, fallen in ihm gewalttätig entarteter Islam und eine düstere Karikatur derjenigen Kultur zusammen, die der radikale Islamismus auszulöschen trachtet: das demografisch marode Europa.

Dass die schlussendlich Ausführenden von Terrorplänen aus einer infiltrierten Organisation namens Al Qaida heraus physiognomisch gezielt ausgewählt und manipuliert werden, legt übrigens auch die erwähnte Personalie von Youssef Mohamad al-Hajdib nahe, der 2006 eine Kofferbombe in einen Nahverkehrszug verbrachte:

Kofferbomber Youssef Mohamad al-Hajdib und Wolfgang Schäuble

Screenshots: msnbc.msn.com / Bundesbildstelle Bonn

Diese Gegenüberstellung macht die Erläuterung fast überflüssig: Ein selbst bereits einem Attentat zum Opfer gefallener zeitweiliger Innen- und aktueller Finanziminister, Wolfgang Schäuble, ist das Pendant zu al-Hajdib, der in Deutschland für einen kurzen Schreckmoment sorgte und die Gefahr jenes Terrors greifbar machte, gegen den Politiker wie Schäuble dann auf ihre Weise vorgingen und vorgehen.

Update 11.04.2011: „Mohamed Merah: Heiligsprechung des Terroristen in einer Moschee in Algerien“ („Fakten Fiktionen 2.0“)

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Dämonologie der Finanzkrise


Sonntag, 18. März 2012, 19:43 Uhr. Von

Die These mag erst einmal recht steil klingen – leider ist es notwendig, sie aufzustellen: Das Personal in Finanzwirtschaft und -politik, das die gegenwärtige Szene beherrscht, könnte auf eine besondere Weise ausgewählt worden sein. Die Hintergrundgremien, die seit Jahrzehnten Karrieren fördern und steuern, schließlich die Spitzenpositionen in Banken und Ministerien besetzen, spielen nicht nur mit den Regeln von Ökonomie und Macht oder der Würdigung besonderer Fähigkeiten. Machteliten in Politik und Wirtschaft bedienen sich auch der Ideologien und Symbole, die in jahrhundertealten Traditionen überliefert wurden: in Dämonologie und Apokalypse, schließlich im modernen Satanismus.

Das erste Themenheft zum „GesichterWissen“ beschäftigt sich mit den Vor-Bildern von Prominenten wie Ben Bernanke, Rainer Brüderle, Christine Lagarde, Giorgos Papandreou, Hank Paulson, Philipp Rösler, Herman Van Rompuy, Nicolas Sarkozy, Wolfgang Schäuble, Evangelos Venizelos, Axel Weber u. v. a. zum einen in der Überlieferung der okkultistischen Geheimbünde. Hier wird deutlich, dass die Rollen in diesem Welttheater gezielt besetzt worden sein könnten – nach physiognomischen Ähnlichkeiten mit Dämonenfiguren, denen in zahlreichen Kulturen immer wieder auch Funktionen für die Geldwirtschaft zugeordnet wurde, als Schatzmeister der Hölle oder wundertätiger Geist der zauberischen Wohlstandsvermehrung. So zeigt es – ausführlicher als der Video-Trailer zum Heft – eine satirisch inspirierte Kurz-Dokumentation als „tagesschau 2021“:

Zum anderen werden in dem neu erschienenen Heft auch die physiognomischen Bezüge zur Organisierten Kriminalität aufgezeigt. Die Geschichte von Wirtschaft und Finanzwesen brachte in den letzten Jahrzehnten nicht nur immer wieder selbst Kriminelle hervor, die mit systemischen Absurditäten schnell reich wurden und dann tief abstürzten. Darüber hinaus ist es möglich, dass unsichtbare Hände in elitären Gruppierungen auch vermeintlich unbescholtene Ämter mit Personen besetzten, die durch ihr Äußeres auf das verweisen, was in der Kritik ihrer Handlungen gern als Halb-Metapher verwendet wird: Mafia, Ponzi-Schema, Trickbetrug.

Es steht zu befürchten, dass die Errichtung einer „Neuen Weltordnung“ begleitet wird von einem infamen Spiel der Karriereförderung. Und diese hat sehr reale Konsequenzen für unsere Gesellschaft: die katastrophale Verschuldungsspirale, die mit aktuellen und kommenden Euro-Krisen auch Deutschland existenziell bedroht; die Erosion von Sozialsystemen und die Einschränkung von Arbeitnehmerrechten; die eklatante Verschiebung der Reichtumsverhältnisse zugunsten von Kapitalbesitzern und ihren Finanzdienstleistern.

Wer die damit verbundenen Machtstrategien und Bedeutungen verstehen will, muss sich auch um das physiognomistische Spiel kümmern, das hierbei die öffentliche Bilderwelt zu einem Spielort der Dämonen macht. Dies zu wissen ist das Recht eines jeden, der den Wohlstand schöpft, der mit herbeigemogelten Gesetzen, Buchungstricks und Bankgeheimnissen an wenige Einzelne umverteilt wird. Zumal christliche Politiker und Pastoren, die Bundespräsident wurden, müssen sich einmal wieder an das Buch erinnern, auf das sie sich berufen: „Sehet euch vor, daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen.“ (2. Johannes 1,8)

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Frontal 1+1=2


Samstag, 10. März 2012, 22:10 Uhr. Von

Die Website des ZDF-Magazins „Frontal 21“ wartet heute mit einer Bildkombination auf, die das Casting-Prinzip des Senders veranschaulicht. Groß als Aufmacher wird die Moderatorin Hilke Petersen gezeigt. Klein am linken Rand wird dann für die relativ neue Krimiserie des Freitagabends geworben, „Die Chefin“, mit Katharina Böhm in der Titelrolle.

Moderatorin Hilke Petersen und Schauspielerin Katharina Böhm

Screenshot: zdf.de, 10.03.2012

Hier sehen wir, wie das große Muttergesicht der Bildschirme im aktuellen Programmsortiment designt ist: Die Krimi-Darstellerin wird zur Wiedergängerin der Polit-Moderatorin. Solche formalen Bedingungen sind vielleicht bedeutsamer, als es zunächst scheinen mag. Inhaltlich sind viele solcher Produktionen ja mittlerweile recht neutralisiert. Orientierungsfunktion bieten auch solche eher unbewussten Effekte, die über Wiedererkennung ein heimeliges Gefühl erzeugen. Denn weder Geschichten können in einer unübersichtlicher werdenden Welt dauerhafte Orientierung bilden, noch können Polit-Magazine glauben machen, sie würden reale Interventionsmöglichkeiten aufzeigen und bieten.

So sehr, wie Sendungen wie „Frontal 21“ immer wieder für sich in Anspruch nehmen, „kritisch“ zu sein, lenken sie auch die Aufmerksamkeit und die Empörung von Bürgern in dafür vorgesehene Bahnen – nicht dahin, wo es einer kleinen Zahl von Personen irgendwie unangenehm werden könnte.

In den vorfindlichen Berichten zur Besetzung von Hilke Petersen wird’s denn auch gleich ganz gruselig: Da wird sie als „Süddeutschen Zeitung“ (20.02.2009) als „attraktive Notlösung“ beschrieben. Ihr Vorgänger, Theo Koll, habe nach acht Jahren Tätigkeit für das Format lieber die Hauptredaktion Aussehnpolitik leiten wollen.

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GesichterWissen – erster Teaser und Trailer


Sonntag, 4. März 2012, 16:13 Uhr. Von

Die Publikationsreihe „GesichterWissen“ beginnt mit dem Heft zur Finanzkrise. Hierin wird deutlich, dass die forcierten Finanzkrisen 2008ff. vorläufiger Höhepunkt eines Spiels sind, in dem noch ganz andere Regeln gelten, als uns von Massenmedien weisgemacht. Als ein Schlüssel für Besetzungspolitik durch Hintergrundgremien entpuppt sich aus dieser Perspektive ein Lexikon der Dämonen aus dem 19. Jahrhundert.

So zeigt es auch der Trailer zum Themenheft:

Zur Reihe als ganzer gibt es nun auch einen ersten Teaser, in dem einigen Beispiele für die Ästhetik des Doubles in Pressefotografien und die Rhetorik der Zeigegeste verarbeitet sind, wie sie hier immer wieder thematisiert wird.

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Presseschau 2: Mona Lisa und Mona Lisa


Mittwoch, 22. Februar 2012, 16:24 Uhr. Von

Anfang Februar enthüllte die Kunsthistorik ein Phänomen der Doppelung in besonders prominenter Gestalt: Bisher unbekannt, wurde eine Replik von Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ präsentiert. Ausgerechnet im Jahr 1666 sei sie erstmals in einem Inventar verzeichnet, so „Der Spiegel“ (02.02.2012). (Mehr dazu auch im „Handelsblatt“ und in der „Welt“.)

Zwei Seiten des Schönheitskults beleuchten andere Berichte: Der plastische Chirurg Werner Mang hat Ärger mit der Staatsanwaltschaft wegen eines Mitarbeiters ohne Approbation („Die Welt“, 09.02.2012). Und „Telepolis“ zeigt ein Umfeld, das zum Besuch bei Mang drängt: Der Attraktivitätswettbewerb beim Bewerben auf dem Arbeitsmarkt.

Demgegenüber thematisiert der für den „Oscar“ nominierte Dokumentarfilm „Saving Face“ die pakistanische Rachekultur, in der Säureattentate Gesichter entstellen („Der Spiegel“, 18.02.2012). Und der Gewalt steht die Zärtlichkeit entgegen – ausgerechnet in der dünnen Luft der hohen Politik. Ein Beitrag in der „Welt“ zum Kuss als diplomatische Symbolhandlung.

Schließlich verlangt uns die Technik auch noch ab, sie anzulächeln, um sich authentifiziert in das neue Smartphone „Google Nexus“ einzuloggen.

Aber was, frage ich mich, passiert, wenn man verprügelt wurde und zugeschwollen die Polizei anrufen will?

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Die transparente Piratenpartei


Sonntag, 19. Februar 2012, 18:23 Uhr. Von

Seit dem Aufkommen der Piratenpartei beschäftigt sich die Gesichterforschung mit der Tatsache, dass der Parteigründer Jens Seipenbusch durch sein Äußeres auf eine ganz andere Spur führt: Er hat sein Pendant in Jan Udo Holey alias Jan van Helsing, einem der sog. „Verschwörungstheorie“ zugerechneten Autor.

Jens Seipenbusch (Piratenpartei) und Autor Jan van Helsing

Screenshots: Wikipedia / Neue Rheinische Zeitung

Holey vertritt die Auffassung, dass Politik und Geschichte wesentlich von Geheimgesellschaften mitbestimmt werden, die im Hintergrund agieren. In der „Wikipedia“ klingt das dann so:

Er verwendet zudem keine seriösen Quellen, sondern verweist überwiegend auf andere Verschwörungstheoretiker. Auch zitiert er rechtsextremistische Autoren, wie etwa den Hausautor der John Birch Society, Gary Allen, sowie William Cooper, Des Griffin und Dieter Rüggeberg. Auch bei Antisemiten bediente sich Holey, so bei dem kanadischen Rechtsradikalen William Guy Carr und der britischen Faschistin Nesta Webster, auf die sich auch der Ku-Klux-Klan beruft. Von diesen Autoren übernimmt Holey auch die für sein Werk grundlegende Behauptung einer angeblichen Weltverschwörung der Illuminaten.

Die Piratenpartei scheint nun angetreten, Licht in allerlei Dunkel zu bringen: Politik solle „transparent“ werden, Bürger sollen mehr mitbestimmen. Ist dies an der bisherigen Entwicklung plausibel geworden?

Hier soll niemand demotiviert werden, der sich unter großem persönlichen Aufwand an politischer Arbeit beteiligt. Der Blick auf führende Repräsentanten der Piratenpartei erweckt nicht den Eindruck, dass sich am Gesichterlotto der etablierten politischen Parteien etwas Wesentliches geändert hat. So sieht der Bundesvorstand – ergänzt um den ehemaligen Vorsitzenden Seipenbusch – aus:

Bundesvorstand der Piratenpartei

Screenshots: Piratenpartei-Wiki / Flaschenpost

Ist das eine Mischung, die aus einem „transparenten“, demokratischen Entscheidungsprozess hervorgegangen ist? Statistisch ist dies auf biometrischer Ebene sehr unwahrscheinlich. Die führenden Personen sind in den Proportionen ihres Binnenschemas, mehr oder minder auch in Augen- und Nasenform, vom ehemaligen Bundesvorsitzenden Seipenbusch abzuleiten – mit individuellen Abweichungen in Augenabstand und Schema-Breite.

Auf wen könnte eine Steuerung zurückgehen? Zu Seipenbusch ist in der Biografie zu lesen, er arbeite

an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, wo er stellvertretender Leiter der Informationsverarbeitungs-Versorgungseinheit (IVV) der Rechtswissenschaftlichen Fakultät ist. Darüber hinaus ist er in der Fakultät Mitglied der EDV-Kommission und des IT-Sicherheitsteams der Universität.

Der ehemalige Bundesvorsitzende entstammt also einem Universitätsmilieu, das zu den elitären Gesellschaftsschichten zählt, und ist darin dem naturwissenschaftlich-technischen sowie juristischen Bereich zugehörig.

Weitere Begebenheiten aus der Piraten-Führungsriege lassen aufhorchen: Auf der Ebene der Namen besteht bei dem prominenten Berliner Piraten Stephan Urbach eine Assoziation zu Peter Urbach, einem Agenten des Verfassungsschutzes und agent provocateur aus der Anfangszeit der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) um 1970. Ein weiterer prominenter Berliner Pirat ist Klaus Peukert. Dem an Verschwörungstheorie Interessierten klingt dieser Nachname von einem der bekanntesten Grundlagenwerke in den Ohren: Will-Erich Peuckerts Buch „Geheimkulte“ (1951). Seipenbuschs früher Weggefährte Andreas Popp, der nun auch der neuen „Gruppe 42“ innerhalb der Piraten angehört, ist namensgleich mit jenem Andreas Popp, der z. T. in demselben publizistischen Umfeld agiert wie Jan Udo Holey und ebenfalls geschichtsrevisionistische Thesen vertritt. Beim Autor Popp kommt zudem noch ein wirtschaftskritischer bis lebensreformerischer Argumentationszweig hinzu.

Der Name des amtierenden Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, Sebastian Nerz, führt uns in anderer Schreibweise zum Begriff des „Nerds“, also jenem Typus, aus dem sich der ursprüngliche Kernbestand der Piratenpartei wesentlich rekrutiert: bebrillte Computerfreaks, die ihr Leben am Rechner verbringen und weder Tageslicht noch Essenszubereitung kennen. Nerz versuchte sich zunächst in der CDU, bevor er zu den Piraten überlief.

Halten wir zunächst einmal fest, dass Abweichungen von Mainstream-Ansichten im Falle Holeys schnell zum Prädikat „rechtsradikal“ führen, auch wenn sie mit historischem Quellenmaterial arbeiten und z. T. Theorien aufstellen, die notwendigerweise Spekulation sein müssen, wenn man nicht gänzlich dazu schweigen will (Geheimgesellschaften existieren, das Geheime ist ihr Wesen).

Die Piratenpartei wird seit Monaten von den Mainstream-Medien als kommende Größe in der Politik gefeiert, obwohl ihre Programmatik noch wenig definiert ist. Ich befürchte, dass ein umfassendes Parteiprogramm schließlich eine sozialliberale Mixtur aus den Programmen von SPD, FDP und Grünen sein wird, ergänzt mit einigen speziellen Argumenten der Netzkultur, um die sich auch FDP und Grüne zunehmend kümmern.

Die Piratenpartei wird das linksliberale Lager weiter zersplittern. Über die nächsten Jahre werden viele junge Menschen, die sich ihr anschließen, mit aufwändiger Etablierung von Strukturen beschäftigt sein. Für primär inhaltliche Arbeit haben sie viel weniger Zeit als für Organisatorisches; Rat externer und unabhängiger Experten wird von ihnen ebenso selten wie von etablierten Parteien gesucht. Dementsprechend läuft es in vielen Reden auf Parolen und Halbwissen hinaus. Erst werden die Piraten als Koalitionspartner nicht akzeptiert werden („zu unprofessionell“), dann werden sie in solche Bündnisse integrierbar. Zu diesem Zeitpunkt wird ihr programmatisches Spektrum endgültig nur noch in Nuancen von existierenden Angeboten unterscheidbar sein. Auch ihr Personal wird sich zu diesem Zeitpunkt natürlich erneut verändert haben: Pioniere werden oft, nachdem sie ausgelaugt sind, das Handtuch geworfen haben. Andere werden nachrücken, die, wie in anderen Parteien, z. T. von vornherein bestimmten Interessensgruppen angehören. Dabei werden sich vermutlich abermals nicht Erkenntnisse durchsetzen, die man nachhaltig als „Verschwörungstheorie“ stigmatisiert, auch wenn sie aufschlussreich und bisweilen wiederum Teil elitären Wissens sind, das anderen gezielt vorenthalten wird – und das man, Transparenz realisierend, eigentlich öffentlich machen und ausführlich diskutieren müsste.

Schon jetzt aber ist es nicht unwahrscheinlich, dass Personal und Personalentscheidungen auch der Piratenpartei von geheimgesellschaftlichen Codierungen mitbestimmt sind. Wie dies realisiert sein könnte, sollte man in jeder Einzelsituation mitbedenken.

Update 20.02.2012: Wie im Nachbar-Blog „Kino Okkult“ weise ich hier einmal auf ein Interview mit Christoph R. Hörstel hin. Um 1:15 h herum findet sich eine der wenigen öffentlichen Äußerungen, die die Piratenpartei als vermutlich geheimpolitisch gesteuert ansieht.

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