Georg Kreisler und die Musikkritiker

Am 28.07.2011 erschien in der „Zeit“ das letzte große Interview mit dem Musiker und Autor Georg Kreisler. Entgegen seinem wiederholten Hinweis darauf, er sei, zumal in den Massenmedien, über die Jahrzehnte weitgehend ignoriert worden und seine Popularität gründe auf Mund-zu-Mund-Propaganda, räumt ihm die Wochenzeitung zu diesem späten Zeitpunkt nun drei Seiten ein.

Da kommt jemand mit 89 Jahren und langem Bühnenleben – vielleicht also kein blutiger Anfänger – zu dem Schluss:

Die Medien, vor allem das Fernsehen, dienen doch bloß noch der lockeren Unterhaltung, der allgemeinen Verblödung. Die Menschen sollen alles gut finden, wie es ist, und vergessen, dass sie regiert werden von einigen wenigen, die nur an sich selber denken und an weiteren Profit.

Als allgemeine Diagnose ist diesen Passagen zuzustimmen. Unbequem wird’s, wenn man konkret fragt, was dies konkret bedeutet und wer hiermit gemeint wäre. Wenn etwas an der These dran ist, dass etwa die Bilderberger-Gruppe an der von Kreisler bemerkten Regierungsform beteiligt ist, dann landen wir schnell wieder bei der „Zeit“: Führende Redaktionsmitglieder wie Josef Joffe oder Matthias Naß sind regelmäßige Gäste im Elite-Club.

Am 22.11.2011 ist Georg Kreisler in Wien an einer schweren Infektion gestorben. Für den Status vieler letzter Interview-Einsichten im medialen Diskurs gilt trotz dieser letzten Ehrbezeugung des Hamburger Zentralorgans abermals die Liturgie vom „Musikkritiker“:

Mich kann auch kein Künstler überlisten,
Da ich ja nicht verstehe, was er tut.
Drum sag ich von jedem Komponisten:
Erst nachdem er tot ist, ist er gut!

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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