„Focus“ leugnet Statistiken zu #Islam und #Gewalt bei #Sarrazin

Die Irrealität von Presse-Berichterstattung steigert sich kontinuierlich. Der augenblickliche Stand beruht darauf, dass eine deutsche Kanzlerin nach Auffassung mancher Juristen Verfassungsbruch beging, wogegen auch geklagt wird. Gleich, ob ein formeller Asylgrund vorliegt oder nicht – die meisten „Flüchtlinge“ kommen aus Situationen der Gewalt in moslemischen Ländern, und für 2016 werden 66 % als männlich angegeben.

Der „Focus“ hat sich mit Wera Engelhardt nun eine Spitzenkraft engagiert, die die gestrige RTL-Sendung „Auf dem heißen Stuhl“ mit Thilo Sarrazin zu zerreden versucht. Sie nennt es eine „steile These“ Sarrazins:

„Junge muslimische Männer werden häufiger gewalttätig als Männer gleichen Alters aus anderen Bevölkerungsgruppen.“

… und suggeriert einen gegenteiligen Kenntnisstand:

Eine derart pauschalisierendes Urteil zu dekonstruieren und Sarrazin in Grund und Boden zu argumentieren, das hätte ein Leichtes sein müssen für die geladenen Gäste auf der Gegenseite.

Mit Journalismus hat eine solche Argumentationsweise nichts zu tun. Weder berichtet sie neutral, noch untermauert sie eine eigene Einschätzung mit irgendeinem Beleg. Sie ist zunächst reines Ressentiment gegenüber einer Hassfigur der Linken namens Thilo Sarrazin.

Ich lasse mich gerne über gefälschte Statistiken belehren. Eine Google-Suche „Kriminalität junge Muslime Statistik“ aber führt schon auf der ersten Seite zu recht eindeutigen Ergebnissen. Die universitäre Studie „Jugendliche Migranten – muslimische Jugendliche. Gewalttätigkeit und geschlechterspezifische Einstellungsmuster“ im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2010 kommt zu folgenden Kernaussagen:

Der Anteil der Nichtdeutschen bei den Körperverletzungsdelikten männlicher und weiblicher Tatverdächtiger lag 2009 insgesamt bei 20 Prozent, bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung bei 23 Prozent […].
[…] auch unter Berücksichtigung der Bevölkerungsstruktur der Anteil der jungen männlichen nichtdeutschen Tatverdächtigen bei schwerer Körperverletzung überproportional hoch, da in der Altersgruppe 10 bis 15 der Ausländeranteil bei 11 Prozent liegt, bei 15 bis 20Jährigen bei 10 Prozent (Quelle Mikrozensus 2009 […]).

Aus demselben Jahr mit demselben staatlichen Auftraggeber stammt die Studie „Gewaltphänomene bei männlichen, muslimischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Präventionsstrategien“. Ihr Resümee:

Auch „Deutschenfeindlichkeit“ gilt als ein Resultat aus einer Gruppen-Solidarität, die bei Moslems geübt wird, während sie bei Deutschen vielfach einer Gleichgültigkeit gegenüber Herkunft oder sogar einer ausgeprägten multikulturalistischen Haltung gewichen ist:

Was die schnelle Erhöhung der Zahlen (aktuell weitgehend moslemischer) Zuwanderer mit geringem Bildungsgrad und – nach den zitierten Angaben – um 16 % (2015: 19 %) erhöhtem Männer-Anteil für das soziale Leben in Deutschland bedeutet, wird sich noch zeigen müssen.

Die aggressiven Widerreden, wie Engelhardt sie aus der Sendung zitiert, …

„Stimmungsmache gegen alle Muslime“
„Sarrazins Pauschalurteile über muslimische Männer sind rassistische Hetze“
„Auch deutsche Jugendliche könnten sich so verhalten wie die jungen Männer in der Silvesternacht.“

… haben jedoch mit den bisherigen Erfahrungswerten wenig zu tun. Jedenfalls besteht fortgesetzte Konfusion über die bestehenden Realitäten, die sich in Statistiken abbilden lassen, und diese entsteht durch die Bezugnahme auf unterschiedliche Zahlen, die im Raum stehen.

Man scheint hier auch Bassam Tibis Worte vergessen zu haben („Die Welt“, 08.05.2016):

Unter den Kriegsflüchtlingen befinden sich nicht nur Opfer der Gewalt, sondern auch viele Täter, ja sogar zahlreiche Islamisten. Hinzu kommt, dass diese vorwiegend jungen Männer im Alter von 14 bis 20 Jahren die Kultur der Gewalt, auch die gegenüber Frauen, mit sich aus Nahost nach Deutschland bringen. Die Silvesternacht in Köln ist nur ein Beweis hierfür und kein Einzelfall, wie uns Politiker vormachen wollen, um die Bedeutung der Angelegenheit herunterzuspielen.
Unabhängig vom Krieg ist das Frauenbild in der arabisch-orientalischen Kultur patriarchalisch, ja umfassend menschenverachtend. Dieses Frauenbild darf in Europa nicht unter dem Mantel des Respekts für andere Kulturen geduldet werden.

Die hier bisher zitierten Zahlen stammen von 2009/10. In wenigen Jahren soll sich einiges geändert haben – doch bei scheinbarer Deeskalation besteht auch eine größere Unübersichtlichkeit der Herkunft. So klingt es im Tenor in einer 2014er Studie, „Migration und Jugenddelinquenz. Mythen und Zusammenhänge“, der Universität Münster:

In der Zusammenfassung lautet es allerdings so:

In Deutschland wird Religionszugehörigkeit vielfach statistisch gar nicht mehr miterfasst. Über „Moslems Häftlinge Statistik 2015“ finde ich schonmal nichts Repräsentatives. Dafür kursiert im Netz in Leser-Kommentaren, aber auch einem Beitrag auf „Die Achse des Guten“, ein Zitat der „Islamischen Religionsgemeinschaft K.d.ö.R“ von 2010, das hier im „Internet Archive“ vorgehalten wird:

Rund 90 Prozent der Häftlinge, die zur Zeit in Berliner Haftanstalten einsitzen, sind Muslime.

Auch die Daten aus anderen europäischen Ländern, die die wenig verdächtige „Washington Post“ 2008 in Umlauf brachte – in Berufung auf George Soros’ „Open Society Institute“ -, klingen anders als die soeben zitierte Einschätzung aus neuerer deutscher Uni-Produktion:

In Britain, 11 percent of prisoners are Muslim in contrast to about 3 percent of all inhabitants, according to the Justice Ministry. Research by the Open Society Institute, an advocacy organization, shows that in the Netherlands 20 percent of adult prisoners and 26 percent of all juvenile offenders are Muslim; the country is about 5.5 percent Muslim. In Belgium, Muslims from Morocco and Turkey make up at least 16 percent of the prison population, compared with 2 percent of the general populace, the research found.

„Die Welt“ titelte am 08.03.2016: „Jeder dritte Häftling ist Ausländer“, im Text ergänzt um:

„Verurteilte, die sowohl die deutsche als auch eine weitere Staatsangehörigkeit haben, sind als Deutsche ausgewiesen.“

Ein weiterer Aspekt ist die religiös motivierte Radikalisierung. Ihre absoluten Zahlen sind nicht vergleichbar mit allgemeinen Kriminalitätsstatistiken, doch ist das Gefahrenpotenzial organisierter Kleingruppen oder von Einzeltätern nun einmal hoch – Bombenanschläge mit vielen Toten etc. könnten die Folge sein, zudem schaukeln sich die Konflikte mit Rechtsradikalen gerade aufgrund dieser Gefahrenlage gegenseitig hoch. So gibt es der „Focus“ (27.01.2016) selbst wieder:

Das Salafisten-Milieu bildet nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer den Nährboden auch für gewaltbereite Islamisten. Bislang seien rund 790 Salafisten aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak ausgereist – zum Teil, um sich dort dem bewaffneten Kampf radikaler Gruppen wie dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Rund ein Drittel der Ausgereisten sei inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Und haben sich kritisch zu beurteilende Einstellungen innerhalb weniger Jahre substanziell verändert – oder antworten die Betreffenden auf neuere Umfragen nur mit strategischer Zurückhaltung? – Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete am 20.12.2007 noch dies:

Nach einer vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebenen Studie neigt fast die Hälfte der jungen Muslime in Deutschland zu fundamentalistischen Auffassungen. Laut den Ergebnissen der insgesamt fünfhundert Seiten umfassenden Untersuchung ist etwa jeder vierte junge Muslim der Gewalt zugeneigt.

Eine wundersame Wandlung vollzog auch der Kriminalpsychologe Christian Pfeiffer, den „n-tv“ am 05.06.2010 so zitiert:

Die Forscher hatten 45.000 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren befragt, unter ihnen gut 10.000 Migranten: Vor allem Jungs aus muslimischen Zuwanderer-Familien zeigten sich dabei im Vergleich zu ihren Altersgenossen als besonders gewalttätig, das heißt, sie begingen nach eigenen Angaben – und nach Angaben von Opfern – häufiger Delikte wie Körperverletzung und Raub. Die Kriminologen interessierte zudem der Zusammenhang mit der Religion, sie fragten die Schüler, wie gläubig sie sind – mit ebenfalls sehr bedenklichen Resultaten: Häufiges Beten und Moscheebesuche bremsen die Gewaltbereitschaft nicht: Wer besonders religiös lebt, das legt die Statistik nahe, schlägt sogar häufiger zu. „Selbst wenn man soziale Faktoren herausrechnet, bleibt ein signifikanter Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft“, sagte Pfeiffer.

Heutzutage („Focus“, 11.12.2016) zieht sich Pfeiffer auf die zirkuläre Position zurück, dass Zuwanderer, zumal aktuelle „Flüchtlinge“, jünger und sozial unterprivilegiert seien, und deshalb so häufig kriminell wie vergleichbare Einheimische. Es fragt solche Experten nur niemand, wie sie spontan Flüchtlinge älter und reicher machen wollen – und wie sie die Folgen Verbrechensopfern erklären. – Aber auch insgesamt seien schwere Straftaten deutlich zurückgegangen, wird behauptet. Das bisschen Kriminalität mehr durch neu hinzugekommene Flüchtlinge sei da nicht so schwerwiegend. Sie würden sich dem hiesigen Niveau anpassen.

„Die Machokultur wird verlernt“, bestätigt Pfeiffer. Zudem werde die Bedeutung der „Machokultur“ bei Sexualmorden und Vergewaltigungen überschätzt. Mitte der 80er Jahre habe es in Deutschland noch 55 Sexualmorde pro Jahr gegeben, heute seien es nur noch fünf. „Zum Sexualmörder wird man nicht geboren, dazu wird man gemacht“, sagt Pfeiffer, „und zwar durch brutale, sadistische Erziehungsmethoden“.
[…]
Die kulturelle Errungenschaft einer gewaltfreien Erziehung sorge vor allem bei der Jugendgewalt für dramatische Verbesserungen. Diese habe seit 2007 um 50 Prozent abgenommen.

Etwas kleinlaut wird nachgeschoben:

Problematischer könnten, laut Pfeiffer, eher die Traumata sein, die Migranten aus Kriegsgebieten oftmals mitbringen.

Mit anderen Worten: Schaunmermal.

Es ist doch völlig klar, dass hier niemand unter Generalverdacht gestellt werden darf. Jeder ausländische und/oder moslemische Mitbürger sollte im Alltag behandelt werden wie andere. Aber die Minderheit unter ihnen, die wie eine Minderheit unter Nicht-Moslems und Nicht-Zuwanderern kriminell und gewalttätig wird, ist größer als die in anderen Bevölkerungsgruppen.

Es hilft unserer Gesellschaft auch nichts, darüber hinwegzugehen. Gerade der nach meinem Eindruck oft latent aggressive Ton der sich beleidigt fühlenden moslemischen Vertreter in den Medien (ein weiteres aktuelles Beispiel: Deutschlandfunk, „Kontrovers“, 12.12.2016) ist eher ein Alarmzeichen – dafür, dass die notwendigen Botschaften innerhalb der moslemischen Community nicht durchgehend angekommen sind.

Man zieht sich – dem Anschein nach: mehrheitlich – zurück in Abwehrgefechte und die Pflege eines unbescholtenen Opfer-Selbstbildes. Das wird jedoch gerade in Deutschland nicht funktionieren können, dessen Bevölkerung seit 1945 permanent mit einem kollektiven Schuldvorwurf traktiert wird. Auch wenn über jede Option für besseres Verständnis und „Integration“ nachgedacht werden muss, ist die einseitige Ermahnung Deutscher à la Focus („Warum wir für kriminelle Migranten mit verantwortlich sind“) nervtötend. Bitte nicht noch den nächsten, nun noch verstärkt einseitig ausgelegten Schuldkomplex gegenüber Vertretern, die sich über eigene Verantwortung und Schuld offenkundig manchmal weniger Gedanken machen.

Dass die zusätzliche Schürung der innerislamischen Konflikte und Kriege auch vom Westen ausgeht, ist ein weiteres wichtiges Thema. Für Deutschland besteht zunächst schlicht die Notwendigkeit von Selbstschutz vor unkontrollierter Immigration und ihren absehbaren Folgen.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. Hier noch zwei Quellen zu Häftlingen:

    [Baden-Württemberg]
    Der Anteil der Ausländer lag 2014 bei 37 Prozent, 2015 bei 39 Prozent und im März dieses Jahres bei 44,6 Prozent von damals 6948 Häftlingen. Ebenfalls zum März dieses Jahres registrierten die Justizvollzugsanstalten 3053 Ausländer und Staatenlose aus 94 Nationen, ein Jahr zuvor waren es noch 2593 Ausländer und Staatenlose aus 100 Nationen. Hohe Zuwachsraten gab es vor allem bei Inhaftierten aus den Maghreb-Staaten. In absoluten Zahlen sind die größten Gruppen aber die Türken und Rumänen.
    http://www.focus.de/politik/deutschland/mehr-gefangene-als-haftplaetze-auslaenderanteil-nimmt-zu-gefaengnisse-in-baden-wuerttemberg-sind-uebervoll_id_5881871.html

    1247 Häftlinge sind derzeit in Stadelheim, dem größten bayerischen Gefängnis, untergebracht. Sie gehören 100 verschiedenen Nationen an. Der Ausländeranteil liegt bei 55,83 Prozent.
    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.gefaengnis-in-muenchen-stadt-in-der-stadt-ein-rundgang-durch-die-jva-stadelheim.4b24a4d5-5904-4165-ac6f-091715b2823a.html

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