36 Stunden Ewigkeit
Serien im deutschen TV
Juli/August 2005

Eine Video-Collage von
Daniel Hermsdorf
D 2005
70 Min., Farbe, DVD

 

Vorführung und Filmgespräch

 

Prozentual ist Filmkultur Serienkultur. Diese Erzählform hat sich seit den ersten Jahren des Fernsehens etabliert – und erreicht heute ein zuvor nicht gekanntes Ausmaß. Alte Serien in Wiederholung, neue Serien mit noch mehr Folgen und Ablegern, Aufgüsse hergebrachter Konzepte, Selbst-Recycling bis der Arzt kommt. Diese Collage versammelt Szenen aus gut 40 Serien, die im deutschen Fernsehen im Juli/August 2005 auf öffenlich-rechtlichen und privaten Kanälen ausgestrahlt wurden. In einer experimentellen neuen Zusammensetzung zeigen sich die Strategien von Inszenierung und Drehbuch – eine TV-Welt, die sich selbst ad absurdum führt.

Die scheinbare Vielfalt der schönen neuen Medienwelt schnurrt dabei auf ein Set von Motiven und Metaphern zusammen. Sie sind jenseits der Genre-Differenzen operationalisierbar. Sie bestimmen die Rhetorik und Dramaturgie der seriellen Spielfilme wesentlich mit.

Im derzeitigen Diskurs von Wissenschaft und Publizistik ist davon jedoch wenig zu hören. Das Seriengucken als Kulthandlung, als Ort der Verhandlung kultureller Selbstbilder ist wesentlich intensiver Thema öffentlicher Debatten als die Tatsache, dass mit hohem Zeitaufwand hergebrachte Muster variiert und nicht zuletzt die eigene Form und das eigene Publikum mit Hohn und Spott überzogen werden.